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Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_06_2014 - 01.06.2014

Text:  Sabine Hurni

Mit dem Sackmesser ausgerutscht, auf eine Biene getreten, über eine Wurzel gestürzt – schnell ist ein Malheur passiert. Panik bringt nichts. Vielmehr sollte die Wunde desinfiziert und feucht gehalten werden.

Der Wald ist ein abwechslungsreicher «Spielplatz» für Klein und Gross. Hier werden mit dem Sackmesser Äste gespitzt, strammen Schrittes Wanderwege abgeschritten und bei Downhill-Fahrten reichlich Adrenalin ausgeschüttet. Was Spass macht, birgt oft ein gewisses Verletzungspotenzial in sich. Ein Ausrutscher mit dem Sackmesser, eine Vollbremse mit dem Bike auf Kies und schon ist es passiert: Stich-, Schürf- und Schnittwunden gehören im Sommer einfach mit dazu. Das lässt sich nicht verhindern und ist weiter auch nicht schlimm. Meistens verheilt die Wunde ohne unser Zutun innert wenigen Tagen und das Malheur ist schnell vergessen.

Schon in den ersten Minuten nach der Verletzung beginnt die Blutgerinnung. Nach und nach bildet sich ein feines Netz aus dem Kleberprotein Fibrin und geronnenem Blut. In dieser Phase bildet sich Wundschorf, der die Wunde vor Keimen schützt. In den nächsten drei Tagen wandern Abwehrzellen über das Blut zur Wunde und verwandeln den Blutpfropf wieder in normale Haut. Bald fällt der Wundschorf ab und die frisch gebildete Haut darunter erscheint perlmuttartig weiss.

Wunden feucht halten

Wenn Blut aus der Wunde fliesst, reinigt sich das Gewebe von alleine. Bei Stichoder Schürfwunden jedoch sollen die Wunden mit Desinfektionssprays keimfrei gemacht werden. Früher galt die allgemeine Regel, dass die Wunde an der Luft am besten heilt, weil sie auf diese Weise austrocknen kann. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass sich neues Gewebe besser bildet, wenn die Wunde mit einer Wundauflage feucht gehalten wird.

Unter feuchten Wundauflagen kann das Wundsekret fliessen und Enzyme, Hormone, Wachstumsfaktoren und Antikörper gelangen an den Ort der Verletzung. So kann sich neues Gewebe ungestört bilden und die Heilung verläuft besser. Auch der Wundschorf wird nicht ganz so dick und trocken wie bei Wunden, die an der Luft trocknen.

Bei Schürfwunden zum Beispiel schafft man mit dem Einsprühen oder Auftragen von Johannisöl ein feuchtes Wundmilieu. Das Öl verhindert auch, dass die Gaze kleben bleibt und die Wunde beim Entfernen aufreisst. Auch wässerige Auflagen, zum Beispiel mit verdünnter Kamillen- oder Ringelblumentinktur getränkte Gazetücher, fördern die Wundheilung und verhindern ein Austrocknen der Wunde.

Tipps
• Pflanzenkraft Heilpflanzen wie Calendula, Johanniskraut, Sonnenhut und Arnika sind wertvolle Pflanzen, die bei Entzündungen, Verbrennungen und Sportverletzungen helfen. Ob als Wundauflage in Form von Umschlägen, Salben oder Ölen oder innerlich als Globuli unterstützen sie die Heilung.
• Bachblüten Unfälle und Verletzungen sind immer auch ein Schock für den Organismus. Die Notfalltropfen der Bachblütenessenzen helfen, Schockerlebnisse besser zu verarbeiten. Sie beruhigen das Nervensystem und regen die Selbstheilungskräfte an. Notfalltropfen können auch zusammen mit einer Salbe oder einem Umschlag direkt in die Wunde gebracht werden.
• Salze nach Dr. Schüssler Das Erste-Hilfe-Mittel aus der Schüsslerlinie ist das Ferrum phosphoricum. Die Tabletten können gelutscht oder in Wasser verdünnt eingenommen werden. Aufgelöst in Wasser oder als Salbe kann Ferrum phosphoricum als Umschlag verwendet werden.
• Vitamine Vitamin C und Zink sind die wichtigsten Nährstoffe für Abwehrsystem und Haut. Hohe Vitamin C-Gaben zur Verbesserung der Wundheilung haben sich sehr bewährt.

Natürliche Desinfektionsmittel

Neben vielen heimischen Pflanzen wie Ringelblume, Kamille oder Arnika gibt es auch eine interessante, exotische Pflanze, die in ihrer Wirkung überzeugt: Neem (Azadirachta indica). Der indische Flieder ist ein hervorragendes Desinfektionsmittel. Aus Blättern und Rinde des Baumes wird Neempulver hergestellt. Dieses Pulver wird entweder innerlich angewendet oder zur Herstellung von Neemöl gebraucht, das zur äusserlichen Anwendung verwendet wird. Neem hat einen herben, bitteren Geschmack, eine kühlende Wirkung, und leichte, trockene Eigenschaften. Dadurch wirkt es innerlich eingenommen als pflanzliches Heilmittel ausgezeichnet blutreinigend, entgiftend, desinfizierend, fiebersenkend, wundreinigend, juckreizstillend und entzündungshemmend; als Bittertonikum kann es Hautkrankheiten heilen.

Bewiesen sind die vielfältigen, Bakterien abtötenden, entzündungshemmenden und immunstärkenden Eigenschaften. So wirken Neemblätterextrakte nachweislich gegen 14 Pilzarten, unter anderem Candida, und gegen eine Vielzahl von Bakterien wie das Wundbrand-Bakterium Staphylococcus aureus oder die Typhus-Erreger.

Kleines Wundlexikon – so gehen Sie vor bei Verletzungen
● Schnittwunden: Schnittwunden kurz bluten lassen und unter fliessendem Wasser reinigen – dadurch werden Keime aus der Wunde gespült. Die Wundränder anschliessend desinfizieren und mit einem Pflaster abdecken.
● Schürfungen: Schürfwunden mit klarem Wasser reinigen und desinfizieren. Kleine Schürfungen können an der Luft gut trocknen und müssen nicht abgedeckt werden. Bei etwas grösseren oder nässenden Schürfungen eignen sich spezielle Schürfwundenpflaster besonders gut.
● Bisswunden: Bisswunden zuerst mit klarem Wasser reinigen. Anschliessend desinfizieren und mit einem sterilen Verband versehen. Da bei Bisswunden die Gefahr von Starrkrampf besteht, muss in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden, um den Tetanus-Impfschutz zu überprüfen.
● Riss- und Platzwunden: Schmutz darf nicht ausgewaschen und feststeckende Teilchen müssen durch einen Arzt entfernt werden. Als Erste-Hilfe-Massnahme soll der Patient einen sterilen Verband oder einen Druckverband anlegen. Eventuell muss die Wunde genäht und eine Starrkrampf-Auffrischungsimpfung verabreicht werden.
● Verbrennungen: Brandwunden werden in drei Gradstufen eingeteilt. Bei Verbrennungen ersten Grades ist die Haut rot und entzündet – so wie dies bei einem leichten Sonnenbrand der Fall ist. Die betroffenen Hautstellen sollten sofort unter fliessendem, kaltem Wasser mindestens fünfzehn Minuten gekühlt werden. Danach kann ein kalter Quarkwickel aufgelegt werden. Dieser bringt zusätzliche Kühlung und regeneriert die Haut. Bei Verbrennungen zweiten Grades nässt die Haut und es bilden sich Wundblasen. Bei kleinen Flächen kann ein Brandwundpflaster helfen. Grössere Brandwunden müssen – möglichst ununterbrochen gut gekühlt – vom Arzt behandelt werden. Verbrennungen dritten Grades gehören unverzüglich zum Arzt.
● Stichwunden: Kleinere Fremdkörper wie Dornen, Splitter oder Stacheln können mithilfe einer Pinzette selbst entfernt werden. Wundumgebung anschliessend mit Wasser kühlen und gut desinfizieren. Bei tiefen Wunden, wie sie von Holzsplittern oder rostigen Nägeln verursacht werden, besteht Starrkrampfgefahr. In diesem Fall ist eine ärztliche Abklärung mit einer allfälligen Tetanus-Auffrischungsimpfung angezeigt.
Wenn starkes Fieber auftritt, bei Verletzungen im Gesicht oder bei grösseren, blutenden Wunden sollte ein Arzt aufgesucht werden. Ebenso bei Bisswunden sowie tiefen Stichwunden oder Wunden deren Ränder weit auseinanderliegen und genäht werden sollten. Auch wenn die Wunde schlecht heilt und wenn Fremdkörper in der Wunde sind, muss der Arzt aufgesucht werden. Fachliche Unterstützung ist auch nötig, wenn die Wunde immer grösser wird, schmerzt, rot und heiss ist. Hier könnte eine Infektion dahinterstecken.

«Die Dorfapotheke»

Der anspruchslose, schnellwüchsige Neem-Baum gedeiht in tropisch heissem Klima. Er wächst im südlichen Himalajagebiet, in Indien und Birma, aber auch in Afrika und Amerika. Unter der hellgrauen Borke des bis zu zwölf Meter hoch wachsenden Baumes verbirgt sich rötliches Holz, ähnlich wie Mahagoni. Die eschenähnlichen Blätter werden bis zu 50 Zentimeter lang und bilden ein lockeres und ausladendes Laubdach. Rotviolette Blütenrispen, die von Februar bis April den Baum zieren, verströmen einen fliederähnlichen Duft. Aus ihnen entwickeln sich kirschgrosse, goldgelbe Steinfrüchte mit holzigen, mehrkantigen Kernen.

Heute wird der schattenspendende Neem-Baum noch immer gerne an Alleen und Feldern gepflanzt, da er die Luft erfrischt und Insekten fernhält. Doch nicht nur für die Wundversorgung ist Neem geeignet. Die Inder benutzen Neemzweige auch als natürliche Zahnbürsten. Im Internet gibt es zudem verschiedene Anbieter, die Neem als Pflanzenschutzmittel anpreisen. Kein Wunder wird Neem in Indien wegen seiner vielseitigen  Wirkungen auch «Die Dorfapotheke» genannt.

Fotos: thinkstock.com

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