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Altersblindheit

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_05_2014 - 01.05.2014

Text:  Marion Kaden

Die Netzhauterkrankung Makuladegeneration ist die Hauptursache für Erblindung in den westlichen Industrienationen. Wie kann man sich davor schützen?

Bei kaum einer anderen Erkrankung der Moderne haben sich Naturmedizin und Schulmedizin neuerdings so weit aufeinander zubewegt wie bei der altersbedingten («senilen») Makuladegeneration (AMD). Die Erkrankungsgruppe unbekannter Ursache führt zu Schäden an der Makula lutea («gelber Fleck»), einem kleinen Fleck in der Nähe des Netzhautzentrums, der uns das scharfe Sehen ermöglicht. Dadurch kommt es zu zentralen Gesichtsfeldausfällen bis hin zur Erblindung nach gesetzlicher Definition.

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• Makuladegeneration

Die Erkrankung ist in den Industrieländern die häufigste Ursache für schwere Sehbeeinträchtigungen bei über 50-Jährigen. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Häufigkeit der AMD an. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten gab es kaum Hoffnung auf Vorbeugung oder gar Therapie.

Schmerzloser Sichtverlust

Die AMD verursacht keine körperlichen Schmerzen. Erste Anzeichen machen sich meist beim Lesen bemerkbar. Fixierte Buchstaben, Worte oder Teile eines Fotos erscheinen verschwommen, verzerrt oder verbogen («Metamorphopsien»). Worte können wie von einem Schatten überlagert erscheinen, Farben wirken blasser oder dunkler. Mit der Zeit wird dieser zentrale Schatten grösser oder die Erkrankten nehmen einen leeren Bereich wahr.

Da nur die Netzhautmitte betroffen ist, bleiben Lichtwahrnehmung und Orientierung über die Randbereiche des Gesichtsfeldes erhalten. So kann zum Beispiel das Gegenüber gesehen, aber das Gesicht nicht mehr erkannt werden. Obwohl die AMD nicht zu völliger Blindheit führt, kann der Verlust der zentralen Sehkraft einfachste Alltagsaktivitäten zunehmend erschweren oder gar verunmöglichen, zum Beispiel Autofahren, Lesen, Schreiben, PC-Nutzung und alltägliche Haushaltstätigkeiten wie Kochen oder Aufräumen.

In Südamerika kaum bekannt

Alter ist ein Haupt-Risikofaktor der AMD: Die Krankheit tritt besonders häufig bei Menschen über fünfzig auf, kann aber auch jüngere betreffen. Andere, statistisch abgesicherte Risikofaktoren sind:
Rauchen: Forschungen zeigen, dass Rauchen das AMD-Risiko verdoppelt.
Ethnie: AMD ist bei Kaukasiern («Weissen») häufiger als bei Afro- oder Südamerikanern.
Vererbung: Menschen, in deren Familie AMD vorkommt, haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte legen nahe, dass AMD und Lebensstil eng zusammenhängen. Dies ist entscheidend für nicht-medizinische Empfehlungen zur Vorbeugung, oder um therapiebegleitend das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. So haben Rauchstopp, regelmässige körperliche Aktivitäten, normale Blutdruck- und Blutfettwerte sowie eine gesunde Ernährung, die reich an grünem Blattgemüse und Fisch ist, signifikant vorteilhafte Effekte auf die AMD.

Diese Erkenntnisse unterstützen die naturmedizinische Vorstellung, dass AMD eine moderne Zivilisationskrankheit ist.

Was ist die Macula lutea?
Die Macula lutea, der «Gelbe Fleck», ist eine wenige Quadratmillimeter kleine Fläche der Netzhaut («Retina»). Die Netzhaut wandelt Licht in elektrische Signale um und sendet diese durch den Sehnerv ins Gehirn, wo daraus Bilder entstehen. Auf der Makula wird jenes Motiv scharf abgebildet, das vom Auge gerade fixiert wird. An dieser Stelle befinden sich Millionen lichtempfindlicher Zellen. Dadurch ist der Gelbe Fleck der Punkt mit der höchsten Sehschärfe. Die übrige Netzhaut nimmt nur Umrisse und Hell-dunkel-Kontraste wahr. Unsere Augen erfassen zwar ein grosses Gesichtsfeld, können aber nur in einem relativ kleinen Ausschnitt in der Mitte scharf sehen.

Den Verlauf verlangsamen

Eine Behandlung der frühen beschwerdelosen AMD gibt es bislang nicht. Anders sieht dies heute bei der fortgeschrittenen AMD aus. Grosse US-Studien zeigen, dass die tägliche Einnahme ausgewählter hoch dosierter Vitamine und Mineralstoffe das Fortschreiten der Erkrankung deutlich verlangsamen kann. Je nach Zusammensetzung enthalten entsprechende Präparate Vitamin C, Vitamin E, Zink, Kupfer und Betacarotin (nicht bei Rauchern!) oder besser Lutein und Zeaxanthin. Übliche Multivitaminpräparate enthalten nicht die in den ARED-Studien geprüften erhöhten Dosierungen.

Bei fortgeschrittener feuchter AMD versucht die Schulmedizin, das Einwachsen von Blutgefässen unter die Netzhaut zu verhindern. Die derzeit häufigste Medikation sind Hemmstoffe des Gefässwachstums, die direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt werden. Sie können die Verschlechterung der Sehkraft verlangsamen oder sogar ganz aufhalten. Diewiederholte Behandlung wird ambulant durchgeführt.

Andere wirksame (z. B. photodynamische Therapie, Netzhaut-Lasertherapie) oder unwirksame Therapien (z. B. Plasmapherese, verschiedene Strahlentherapien) werden nur noch selten angewandt. Alle Behandlungen sind in jedem Fall – nach Bedarf – durch individuell geeignete Sehhilfen, Orthopiker-Betreuung oder Reha-Massnahmen für Sehbehinderte ergänzt.

NHK wird kaum genutzt

Viele Eigenschaften der AMD passen genau zu Vorstellungen der NHK. So gibt es am Ort des Geschehens «Schlacken», oxidative Schäden, verschlechterte Durchblutung oder reduzierte Nährstoffversorgung. Deshalb sind in Einzelfällen naturmedizinische Verfahren erfolgreich, die solche Probleme zu beheben versuchen: Homöopathie, Phytotherapie, Neuraltherapie, Spagyrik, Ausleitungsverfahren, Lasertherapie, Biochemie, hämatogene Oxidationstherapie, Blutegel oder Akupunktur.

NHK-Verfahren werden jedoch nur von wenigen Patienten genutzt. US-Nutzungsanalysen bei immerhin 100 000 Menschen (National Health Interview Survey – NHIS) zeigen, dass gerade mal 0,3 Prozent aller Befragten NHK-Verfahren bei Augenerkrankungen einsetzen. Begrenzt ist auch die Zahl der mit NHK durchgeführten Studien. Am häufigsten sind noch jene mit Pflanzenextrakten asiatischer Herkunft (z. B. Gingko biloba) und Akupunktur. Überzeugende Effekte in grossen Studien konnten dabei nicht gezeigt werden.

Übergewicht und AMD

Was hingegen überzeugt, ist die schon erwähnte Schnittstelle von naturheilkundlicher Ernährungsmedizin (Vitalstoff-Supplementation) und Ordnungstherapie (Lebensstil-Änderungen) mit den aufwendigen und teuren Forschungen der Schulmedizin. Trotz hanebüchener Ereignisse, wie zum Beispiel des von der Pharmafirma Novartis angezettelten «Lucentis»-Skandals bewegen sich Schulmedizin und Naturmedizin weiter aufeinander zu.

Wie sehr die altersbedingte Makuladegeneration eine Zivilisationskrankheit ist, wird erst seit Kurzem deutlich: Die AMD scheint stark mit der wichtigsten – und von den meisten Menschen willentlich beeinflussbaren – Zivilisationskrankheit gekoppelt zu sein: dem Übergewicht. Ob körperliche, «herzgesunde» Aktivität wie Walken und Schwimmen sowie Gewichtsreduktion die AMD schon im Keim ersticken könnten, wird gerade wissenschaftlich erarbeitet.

Foto: thinkstock.com, wikipedia.com

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