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Fasten: Weniger ist mehr

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_2014 - 01.04.2014

Text:  Sabine Hurni

Der Frühling lädt zum Fasten ein. Nicht Hungern steht auf dem Programm, sondern bewusster Verzicht auf lieb gewonnene Gewohnheiten. Damit das Fasten zum Erfolg wird, ist eine gute Vorbereitung essenziell.

Frühling – in keiner anderen Jahreszeit keimt im Menschen so viel Aktivität und Erneuerungsdrang wie in diesen Monaten. Gleichzeitig haben viele Leute im Frühling das Bedürfnis zu fasten. Nicht unbedingt aus religiösen Gründen, eher, weil sie ein paar Kilos verlieren möchten.

Tatsächlich ist das Frühjahr DIE Zeit für innere Reinigungen. Für unsere Vorfahren war der Übergang vom Winter zum Frühling eine Durststrecke. Die Wintervorräte gingen zur Neige und in der Natur war erst wenig Essbares zu finden. Heute ist die Versorgung mit Lebensmitteln in Hülle und Fülle jederzeit gewährleistet. Der Körper aber dürstet zwischen Fasnacht und Ostern noch immer nach einer Zeit des Fastens.

Enthaltsamkeit üben

Das Wort Fasten kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet Enthaltsamkeit. Wobei sich diese Tage der Enthaltsamkeit entweder auf bestimmte Nahrungsmittel wie Fleisch oder Genussmittel beschränken oder aber den vollständigen oder teilweisen Verzicht auf Speisen jeglicher Art bedeuten. Letzteres etwa beim Heilfasten in einer Klinik oder beim Saftfasten mit Obst- und Gemüsesäften. Fasten kann man auch mit Molke, leichten Suppen oder Frischpflanzensäften.

Eine abgeschwächte Variante des Fastens ist der Verzicht auf schwer verdauliche Speisen wie Fleisch, Milchprodukte, Eier, Wurstwaren und Zucker sowie auf Säfte und Smoothies aus Obst, Gemüse und Blattgrün sind vollwertige, reinigende Mahlzeiten.

Reizmittel wie Alkohol, Nikotin und Koffein. Auch das entlastet den Organismus enorm. Der Verdauungsapparat kann sich erholen und regenerieren; im besten Fall nimmt man auch einige Kilos ab.

Durch den Verzicht auf feste Nahrung oder schwer verdauliche Speisen ist der Körper gezwungen, zur Energiegewinnung die körpereigenen Reserven anzuzapfen. Zu Beginn der Fastentage verbrennt der Körper Kohlenhydrate, die in der Leber gespeichert sind. Nach einem Tag ohne Nahrung ist dieser Vorrat erschöpft. Der Körper greift dann auf Eiweisse zurück, um Energie zu produzieren. Diese Eiweisse stammen aus Enzymen des Verdauungstrakts oder aus der Darmschleimhaut. Etwa am dritten Tag setzt die Fettverbrennung ein, damit nicht zu viel körpereigenes Eiweiss verbraucht wird.

Fasten ist Heilung

Fasten ist somit keine Diät. Es ist vielmehr eine Regenerations- und Reinigungsmethode. Das Fasten bringt viele Leute näher zu sich selber: Sie achten mehr auf körperliche Signale, erkennen innere Bedürfnisse auf seelischer und körperlicher Ebene und machen oft auch spirituelle Erfahrungen in dieser Zeit.

Das Fasten wird aber auch als Therapieform eingesetzt, um stoffwechselbedingte Erkrankungen zu behandeln. Dazu gehören Diabetes Typ-2, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Gelenk- und Weichteilrheumatismus, Übergewicht (Adipositas), Hautkrankheiten, Migräne und Gicht (Hyperurikämie). Drei bis vier Wochen fasten in der Klinik zeitigt dabei meistens grossen Erfolg. Bei diesen Krankheiten liegt die Heilung eindeutig nicht im Mehr sondern im Weniger. Nicht die Zugabe von Medikamenten, sondern das Weglassen von bestimmten und zu vielen Nahrungsmitteln führt zur Lösung des Problems. Wichtig: Kranke sollten nur unter Aufsicht eines Arztes in einer Heilfasten- oder Kurklinik fasten!

Besonders geeignet ist das Fasten auch für Menschen mit Heuschnupfen, einer Neigung zu verschleimten Erkältungskrankheiten und bei Frühjahrsmüdigkeit. Durch die leicht verdauliche, vorwiegend flüssige Nahrung (oder den Milch- und Fleischverzicht) und dank stoffwechselanregenden Heilkräutertees kann der Körper überflüssigen Schleim und Gefässablagerungen zur Energiegewinnung verbrennen.

Das gilt es beim Fasten zu beachten
• Tagebuch führen: Fasten macht dünnhäutig. Das tägliche Erleben wird intensiver und zum Teil auch aufwühlender. Die tägliche «Chropfleerete» ist sehr hilfreich. Sie können zum Beispiel Tagebuch schreiben – immerhin kann man beim Fasten nicht zuletzt auch auf seelischer Ebene Ballast loslassen (siehe «natürlich» 03/13).
• Entspannt bewegen: Ein tägliches, entspanntes und leichtes Bewegungsprogramm unterstützt den Entgiftungsprozess des Körpers. Zudem ermüdet die Bewegung an der frischen Luft, was die Schlafqualität verbessert.
• Stoffwechsel anregende Kräuter: Zum Fasten sollten nur temperierte Getränke konsumiert werden. Um den reinigenden Prozess des Fastens optimal zu unterstützen, gibt es Heilkräutertees, die Leber, Galle und Niere sehr gut anregen. Zum Beispiel den Löwenzahn als wichtige Frühlingspflanze mit seinen vielen Bitterstoffen, aber auch die Brennnessel und die Birkenblätter, die beide entwässernd wirken. Idealerweise enthalten die sogenannten Entschlackungstees diese oder ähnliche Kräuter. Einfacher geht es mit frischem Ingwer. Zur Zubereitung eines Fastentees können fünf Scheiben frischer Ingwer in einem Liter Wasser 10 Minuten gekocht werden. Sie können den Tee verfeinern mit Honig, Orangen- oder Zitronensaft. Diesen Tee füllt man in einen Thermoskrug und trinkt jede halbe Stunde eine Tasse davon.
• Leberwickel: Tägliche Leberwickel regen die Leber an. Legen Sie ein feuchtes Tuch auf die Leberzone, die sich auf der rechten Körperseite unterhalb der Brust befindet. Legen Sie nun eine warme Bettflasche auf das feuchte Tuch und schlüpfen Sie unter die Bettdecke. Der Wickel sollte etwa 20 Minuten einwirken.
• Kneippanwendungen: Wassertreten in kaltem Wasser oder das Abspritzen der Beine mit kaltem Wasser fördern die Durchblutung und vermindern so das Kälteempfinden während des Fastens.
• Ärztliche Betreuung: Bei bestehenden Krankheiten oder Einnahme von Medikamenten sollte der Reinigungsprozess in einer Klinik in ärztlicher Begleitung erfolgen. Das gibt Sicherheit und ermöglicht zudem durch die Distanz vom gewohnten Umfeld, das eigene Leben zu reflektieren.

Nicht jeder Mensch soll fasten

Wer das Richtige tut, fühlt sich danach besser. Das ist eine naturheilkundliche Grundregel, die man auch beim Fasten beherzigen kann. Trotzdem kann es vorkommen, dass durch den Koffeinentzug oder den Entgiftungsprozess vorerst Schmerzen auftreten. Hier gilt es, erst mal durchzuhalten. Die Schmerzen verschwinden nach einigen Tagen. Wenn Sie die Schmerzen zu sehr beeinträchtigen oder sie zu lange anhalten, sollte ein Arzt oder Therapeut aufgesucht oder das Fasten beendet werden. Bei dieser Entscheidung können sich gesunde Menschen auf ihr Körpergefühl verlassen.

Viele Menschen erleben beim Fasten eine euphorische Leichtigkeit. Sie berichten von Energieschüben, grosser Zufriedenheit und absolut keinem Hungergefühl. Es gibt aber auch die anderen, die nach zwei Tagen fasten wieder zu essen anfangen, weil sie so geschwächt sind. Oder jene, die gar nicht erst anfangen, weil ihnen das Essen einfach zu wichtig ist. Alle diese Reaktionen haben ihre Berechtigung. Denn Fasten ist nicht nur Kopfsache, sondern auch eine körperliche Angelegenheit, die nicht für alle Menschen gleich gutgeeignet ist. Damit das Fasten wirklich zu einem Erfolg führt, sollten diese Dinge beachtet werden:

1. Kann Ihr Körper Reserven anzapfen?

Wer effektiv einige Kilos zu viel auf der Hüfte trägt, kann und sollte jedes Jahr mindestens eine Woche fasten. Auch Menschen, die immer schlank waren und ab dem 45. Lebensjahr (Wechseljahre) auf einmal vermehrt zunehmen, erleben das Fasten als sehr angenehm. Eine Woche ist ideal, gerne auch mehrmals im Jahr. Länger als zwei Wochen am Stück sollte nicht auf feste Nahrung verzichtet werden.

Wer mitten im Beruf steht, schlank ist und meist grossen Appetit hat, kann jede Woche für einen Tag fasten. Das reicht vollkommen aus. Wer grössere Enthaltsamkeit üben möchte, kann in der Fastenwoche das Frühstück mit einem Saft ersetzen, zum Mittagessen etwas Reis und Gemüse geniessen und am Abend eine leichte Suppe und Knäckebrot essen.

Wichtig ist das Trinken: Über den ganzen Tag verteilt sollte jede halbe Stunde eine kleine Tasse Ingwertee oder Stoffwechseltee etrunken werden.

Ungeeignet ist das Fasten für sehr schlanke Personen mit einer Tendenz zu Untergewicht. Hier kann das Fasten an essenzielle körpereigene Substanz gehen. Sie sollten sich darauf beschränken, sehr viel Stoffwechseltee zu trinken, tierische Eiweisse und Genussmittel wegzulassen sowie für einige Zeit auf Zucker zu verzichten.

2. Haben Sie Zeit zum Fasten?

Wählen Sie eine Woche im April oder Mai aus – die Temperatur sollte mild sein –, die ganz Ihnen gehört. Keine Termine, keine Verpflichtungen, die Verpflegung der Kinder ist organisiert und vielleicht kann auch das Arbeitspensum reduziert werden. Sorgen Sie auch in der Woche vor dem Fasten und nach dem Fasten für Ruhe. Ist das nicht möglich, sollten Sie statt komplett auf Nahrung zu verzichten einfach gewisse Nahrungs- und Reizmittel weglassen, zum Beispiel Zucker, Kaffee, Milchprodukte und Fleisch.

3. Haben Sie alles zu Hause, was Sie benötigen?

Kaufen Sie alles ein, was Sie brauchen. Gehören Sie zu den Personen, die uneingeschränkt fasten dürfen (siehe Punkt 1), können Sie sich im Fachhandel eine fixfertige Saftkur kaufen, etwa die von Biotta. Sie enthält einen Stoffwechsel anregenden Tee, Ballaststoffe für den Darm und eine genaue Anleitung. Es lohnt sich, vor dem Fasten den Darm mithilfe eines Einlaufes oder eines Abführsalzes ganz zu leeren. Einläufe können auch während der Fastenwoche immer mal wieder gemacht werden.

4. Welches Alternativprogramm zum Essen wünschen Sie sich?

Wer weder einkaufen, kochen, abwaschen noch essen muss, bekommt viel freie Zeit geschenkt. Nutzen Sie diese – gönnen Sie sich Gutes, nähren Sie Geist und Seele. Geniessen Sie gemütliche Spaziergänge, Massagen, einen schönen Roman, Kunst, Poesie – das Leben!

Buchtipps
• Raphael Schenker: «Richtig fasten, gesund essen», AT Verlag, 2013, Fr. 29.90
• Ruediger Dahlke: «Das grosse Buch vom Fasten», Goldmann, 2009, Fr. 17.90
• Yoshinori Nagumo: «Ein leerer Magen macht gesund», Goldmann, 2014, Fr. 14.90

Foto: thinkstock.com, fotolia.com, felixtriller. / flickr / cc

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