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Endlich Ruhe!

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_02_2014 - 23.01.2014

Text:  Simona Bucca

Schnarchen! Schon das Wort klingt unheilvoll. Damit Ruhe einkehrt, sind Lösungen gefragt die schnell und nachhaltig wirken.

Schnarcht einer, stellt dies die liebevolle Zuneigung zweier Menschen mitunter hart auf die Probe. Zu gross ist der Frust der Partnerin, wenn sie wach im Bett liegt und wegen den lauten Atemgeräuschen ihres Mannes beim besten Willen nicht einschlafen kann.

Der Schnarcher selber hat kein Problem mit seinem Atem – es sei denn, er erwacht an seinen eigenen Atemgeräuschen. Diese können im Extremfall um die 80 Dezibel erreichen. Laut Guinness-Buch der Rekorde erreicht der Geräuschpegel des am lautesten schnarchenden Menschen sogar 93 Dezibel! Dies entspricht einer mit Schwerlastwagen befahrenen Autobahn. Der Grenzwert für Gewerbelärm in Wohngebieten liegt bei rund 35 Dezibel.

Ein Problem der Physik

Das Schnarchen klingt meistens bedrohlicher, als es wirklich ist. Allein die Körperlage macht es aus dass das tagsüber geräuschlose Ein- und Ausatmen nachts zum Schlafproblem der Gattin werden kann. «Schnarchen ist in den meisten Fällen Ausdruck einer harmlosen Strömungsbehinderung der Atmung», erklärt Matthias Strub, leitender Arzt im Zentrum für Schlafmedizin in Basel. «In der Regel ist keine ärztliche Abklärung nötig.»

Im Schlaf erschlafft die Muskulatur des Rachenbereiches. Durch diese Entspannung verengt sich der Rachen, was die Mundatmung leicht behindert. Die Verengung hat zur Folge, dass die Luft mit erhöhten Druck durch die Atemwege strömt. Sie wird dadurch schneller. Die Rachenschleimhaut sowie das Gaumensegel beginnen zu vibrieren; es entstehen die typischen Schnarchgeräusche. In Rückenlage rutscht zudem der Unterkiefer nach unten. Der Schlafende atmet dann durch den geöffneten Mund und die Zunge gleitet nach hinten in Richtung Kehlkopf. Dadurch verengt sich die Luftröhre zusätzlich und behindert das freie Atmen.

Frauen leiden

Bei gut einem Drittel der Schweizer treten öfters Strömungsbehinderungen auf, die nachts zu Schnarchgeräuschen führen. In unserer Vorstellung ist der typische Schnarcher männlich und übergewichtig. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. In jungen Jahren sind es zwar tatsächlich eher die Männer, die nachts Schnarchen. Mit zunehmendem Alter, insbesondere nach den Wechseljahren, stehen die Frauen ihren Männern jedoch zahlenmässig nicht nach in Sachen Schnarchen.

Aber auch schlanke Personen können geräuschvoll schlafen. Bei ihnen ist der Kieferknochen enger und es braucht nur eine kleine Verschiebung der Zunge, damit die Atemwege behindert und ein Schnarchgeräusch erzeugt wird. Weitere anatomische Bedingungen, die das Schnarchen begünstigen, sind grosse Rachen- und Gaumenmandeln, eine grosse Zunge, ein grosses Halszäpfchen, ein verkürzter oder zurückliegender Unterkiefer, ein Überbiss, ein enger Kiefer oder Verengungen in der Nase.

Schnarchgeräusche reduzieren – diese Methoden gibt es:
Schnarchen ist nicht naturgegeben – dagegen lässt sich einiges ausrichten. Oft genügt es, sein Gewicht zu reduzieren und vor dem Schlafengehen auf Alkohol und Schlafmittel zu verzichten. Auch folgende Tipps können helfen:
• Atempflaster: Solange nachts durch die Nase geatmet wird, entstehen keine Schnarchgeräusche. Die Atem-Strips, die auf den Nasenrücken geklebt werden, ziehen die Nasenflügel sanft auseinander und heben sie leicht an. Dadurch werden die Nasengänge geweitet, sodass mehr Luft durch die Nase strömen kann.
• Gaumenspange: Die von Arthur Wyss entwickelte Gaumenspange Velumount® strafft und dehnt beim Schlafen den Gaumen. Dadurch bleiben die Atemwege offen, sodass die Luft ungehindert zirkulieren kann. Die Spange wird individuell angepasst und von den Trägern gut vertragen. Sie soll von der ersten Nacht an den gewünschten Erfolg bringen – auch bei Betroffenen von Schlafapnoe. Die Spange sollte laut Hersteller nach einem Jahr ersetzt werden. www.velumount.ch
• Nasenspray: Bei leichten Schnarchern reicht oft schon das Befeuchten der Nasenschleimhaut, um das Schnarchen zu reduzieren. Denn solange die Nase frei ist, besteht eine geringere Gefahr der Mundatmung in Rückenlage. Auch Einläufe mit Meersalzlösung oder die ayurvedische Nasya, ein Öl-Naseneinlauf mit warmem Sesamöl, nährt und befeuchtet die Schleimhäute.
• Nackenkissen: Ein Kissen, das den Nacken stabilisiert, sorgt dafür, dass der Abstand zwischen Kiefer und Nacken immer gleich gross bleibt. So werden das Verschieben des Unterkiefers und das Zurückfallen der Zunge vermindert.
• Zahnschienen: Zahnschienen und andere Kieferhaltevorrichtungen sollen verhindern, dass sich die Atemwege im Schlaf verengen. Es gibt die unterschiedlichsten Modelle: Von der Zahnschiene zum selber Anpassen für 100 Franken bis hin zum massgeschneiderten 2000-Franken-Modell vom Zahnarzt.

Gefährliche Atemaussetzer

«Kritisch wird das Schnarchen erst, wenn Atempausen auftreten», erklärt Schnarchspezialist Strub. «In diesem Fall spricht man von einer Schlafapnoe. Die Betroffenen sind tagsüber müde, schlafen in Konzerten ein, haben nachts Durst und einen trockenen Mund».

Bei der Schlafapnoe ist die Atemzufuhr durch den Mund zeitweise vollständig behindert. Zwar erwachen die Betroffenen, wenn sie keine Luft mehr bekommen. Doch je nach Dauer dieser eingeschränkten Luftzufuhr werden Gehirn und Lunge nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Durch das häufige Erwachen leidet zudem die Schlafqualität. Der Schlafende bleibt im oberflächlichen Schlaf und sinkt gar nicht erst in die erholsame Tiefschlafphase.

Schnarchtherapien

Viele Hals-Nasen-Ohren-Ärzte empfehlen ihren Schnarchpatienten ein operatives Straffen des Gaumensegels. Hier hat Strub jedoch seine Vorbehalte. Er erklärt: «Die Ursache der Strömungsbehinderung wird auf diese Weise meistens nicht behoben. Es handelt sich lediglich um eine Lärmsanierung. Das Schnarchen wird zwar besser, aber die Atemstörungen bleiben oft zurück.»

Foto: thinkstock.com

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