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Einen feinen Kraftprotz

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_12_2013 - 01.12.2013

Text:  Heinz Knieriemen

Seit Generationen kommt Kohl auf den Tisch, ein gesundes, vielseitiges Gemüse mit Geschichte und vielen Geschichten.

Lange Zeit galt Kohl als Arme-Leute-Essen. Für viele Menschenwar Kohl in Notzeiten eine Art Überlebensgemüse und bis weit in das 20. Jahrhundert hinein waren die Kohlarten für die Ernährung wichtig. Seit dem frühen Mittelalter, wo aus klimatischen Gründen im Winter kein frisches Gemüse zur Verfügung stand, galten besonders der Rot- und der Weisskohl für das Überleben und die Gesundheit überall als unentbehrlich.

Als Kabis kann Kohl im Keller oder in besonderen Mieten im Freiland über Winter gelagert werden und steht so bis zum Frühjahr für den Konsum zur Verfügung. Auch lässt sich aus Weisskohl das haltbare und besonders vitaminreiche Sauerkraut herstellen. Einlagern und Einsäuern waren neben dem Dörren lange Zeit die einzigen Konservierungsmethoden für das Gemüse; sie machen heute noch Sinn, bedarf es dazu doch keiner Fremdenergie. Das Trocknen von Kohl für den späteren Genuss hat übrigens eine lange Tradition in Südostasien und China.

Facettenreiche Kulturgeschichte

Zu Zeiten der Römer war Caulis der Name der wichtigen Nutzpflanze Kohl. Diese Bezeichnung lebt weiter im deutschen Kohl, im englischen Cole und im französischen Chou. Auch aus dem keltischen Wortstamm Kap leiten sich heutige volkstümliche Bezeichnungen wie Kabis im deutschen und Cabbage im englischen Sprachbereich ab. Urmutter aller Kohlarten ist die unscheinbare Pflanze Brassica oleracea, die noch heute als eine Art Rapa-Gewächs wild wachsend vorkommt. Durch Auslese und Kreuzungen wurden aus ihr vielfältige, im Erscheinungstyp recht unterschiedliche Sorten gezüchtet: Weiss- und Rotkohl, Wirsing, Chinakohl, Brokkoli, Rosenkohl, Kohlrabi, Blumenkohl, Romanesco, Pak Choi und der Grünkohl oder Federkohl mit den ursprünglichsten Wurzeln. Zu dieser segensreichen Kreuzblütler- oder Brassica-Familie gehören neben den Kohlarten auch Meerrettich, Senfsamen, Radieschen, Kresse, Raps und Rettich.

Tipps rund um den Kohl
● Bei Schmerzen wohltuend und altbewährt sind Kohlauflflagen. Äussere Weisskohlblätter mit einer Flasche flach walzen, auf die schmerzhafte Stelle legen und mit einem Verband fixieren.
● In den Kohlrabiblättern sind dreimal so viel Vitamine wie in der Knolle. Die frischen Blätter roh dem Salat beigeben.
● Mit etwas Zitrone im Kochwasser bleibt der Blumenkohl weiss.
● Rosen- und Federkohl schmecken am besten, wenn sie einige Frostnächte hinter sich haben. Vom Federkohl einige Strünke im Garten stehen lassen. Die frischen Triebe im Frühjahr sind eine schmackhafte Salatbeilage.
● Einige Kohlpflflanzen überwintern lassen und das attraktive Blühen und Versamen beobachten.

Zuflucht armer Leute

Der Kohl hatte lange mit seinem zwiespältigen Image als typisches Arme-Leute-Essen zu kämpfen. Er ist zwar seit alters her als gesundes, nahrhaftes und heilkräftiges Gemüse bekannt, doch die bürgerliche oder gar die Gourmet-Küche begegnete ihm zumindest in unseren Breitengraden häufig mit einem Naserümpfen.

Kohl hatte einen festen Platz in den Kräutergärten der Klöster. So befassten sich auch die grossen Heilkundigen der damaligen Zeit, Hildegard von Bingen und Albertus Magnus, mit dem Gewächs und bescheinigten ihm eine Wirkung bei vielerlei Beschwerden, was später auch von Sebastian Kneipp bestätigt wurde. Die Empfehlung, die Mahlzeit jeweils mit etwas frischem Kohl einzuleiten, geht gar auf die Zeit der Pharaonen zurück. Sie kannten bereits die vorzügliche verdauungsregulierende Wirkung, auch wenn Kohl falsch zubereitet und schlecht gewürzt blähen kann.

Stärkt das Immunsystem

Kohl ist äusserst kalorienarm und fördert die Gesundheit – das ist unbestritten. Eine Portion Grünkohl (Federkohl) enthält so viel Kalzium wie zwei Glas Milch. Die meisten Kohlarten sind mit Vitamin C grosszügiger ausgestattet als Kiwis und Orangen und enthalten auch die B-Vitamine, Vitamin A und E und viele Mineralien. Und dann sind da noch die sekundären Pflanzenstoffe, die Pflanzen immun gegenüber Fressfeinden und Krankheiten machen. Kein Wunder also, dass diese Stoffe auch unser Immunsystem stärken.

Die Glucosinolate, Chlorophyll, Anthoxyane, Polyphenole, Phytosterine, Isocyanat und Methionin entschlacken, entgiften, stärken die körpereigene Abwehr und bilden einen guten Schutz auch bei einer Reihe von Krebserkrankungen.

Zur Person
Seit vielen Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit Natur, Gesundheit und Alltagsfragen auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem Hexentrank und Wiesenschmaus, Kosmetikinhaltsstoffe und Vitamine, Mineralien, Spurenelemente.

Fotos: fotolia.com

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