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Stillzeit

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_12_2013 - 01.12.2013

Text:  Sabine Hurni

Mütter wollen für ihre Kinder nur das Beste. Damit sie ihnen dies von Anfang an geben können, braucht das Baby Muttermilch. Würzige Tees fördern die Milchbildung – und stärken die Mutter.

In den ersten Wochen nach der Geburt meines zweiten Kindes habe ich mir oft einen Familienclan gewünscht», erinnert sich Salome. «Jemand der den Haus halt macht, auf das ältere Kind aufpasst, kocht und mir mit dem Neugeborenen hilft.»

Salome war nach der Geburt sehr erschöpft und fühlte sich trotz der grossen Freude energielos. Anstatt sich auszuruhen, musste sie bald wieder Alltagspflichten übernehmen und sich um alle kümmern – ausser um sich selber. «Mütter sind Brösmeli-Picker», sagt sie schmunzelnd. «Sie wollen, dass alle anderen gut versorgt sind, und stellen sich immer zuhinterst in die Reihe.» Instinktiv verteidigen, beschützen und umsorgen Mütter ihr neugeborenes Baby. Das ist nicht verwunderlich, gibt es doch kaum ein Lebewesen, das nach der Geburt so wehrlos ist wie das Menschenkind.

Eines aber vergessen viele Mütter: Sie selber sind der Nährboden für eine gesunde Entwicklung ihres Kindes. Denn zur Verteidigung eines kleinen Kindes braucht es nicht nur eine Mutter, die es vor fremden Einflüssen schützt. Viel wichtiger ist heute, dass das Kind seine Kräfte selber einsetzen und ein starkes Immunsystem aufbauen kann. In den ersten Tagen nach der Geburt prägt die Mutter die zukünftige Immunabwehr ihres Kindes. Via Kolostrum der Milch der ersten Tage, versorgt sie das Baby mit Antikörpern. Diese sind elementar für die Entwicklung des Immunsystems, das sich im Laufe der ersten Lebensmonate ausbildet.

Nahrung für Mutter und Kind

Wie viele Antikörper die Muttermilch enthält, steht und fällt mit dem allgemeinen Gesundheitszustand der Mutter. Eine neuere Studie zeigt, dass Frauen mit Blutarmut ihren Kindern über die Muttermilch einen Drittel weniger Antikörper verabreichen können, als Frauen mit genügend Blut. Das hat weitreichende Folgen für die Kinder: Sie sind anfälliger für Infektionskrankheiten und können vermehrt Allergien entwickeln.

Die Ursache für die Blutarmut liegt meistens an einem tiefen Eisenspiegel im Blutserum. Der Eisenbedarf in der Schwangerschaft steigt um das Doppelte. So sind es beachtliche 30 Milligramm Eisen, die sich die werdenden Mütter täglich einverleiben müssen. Allein über die Ernährung schaffen das die wenigsten Frauen. Deshalb ist es wichtig, dass Schwangere täglich ein bis drei Tassen Brennnesseltee trinken oder Brennnesselpräparate einnehmen. Zudem sollen sie möglichst viel grünes Gemüse kochen und den Speisen jeweils einen Schuss Zitronensaft beigeben.

Milch bildende Kräuter

Doch nicht nur die Qualität, sondern auch die Milchmenge ist für das Baby ausschlaggebend. Immerhin ist die Muttermilch neben anderen Getränken die einzige Nahrung, die das Kind in den ersten Monaten zu sich nimmt.

Milchmangel ist oft eine Folge von Stress oder ausgeprägter Blutarmut. Manche Frauen sind nach der Geburt derart erschöpft, dass sie ihrem Kind schlicht nichts mehr zu geben haben. Die Milchbildung lässt sich mit Kalziumgaben sowie mit kräftigenden Brennnesselaufbaupräparaten anregen, ebenso mit Milch bildenden Heilpflanzen. Zu diesen sogenannten Galactagoga gehören in erster Linie Anis, Kümmel und Fenchel – Heilpflanzen, die wärmend, schleim- und krampflösend wirken. Anis enthält bis zu fünf Prozent ätherisches Öl (Anethol), das für Geschmack, Geruch und Wirkung verantwortlich ist.

Wegen der Wirkung dieses Öles werden Anis, Fenchel und Kümmel bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Krämpfen sowie bei Katarrhen der Luftwege eingesetzt. Wobei Fenchel und Kümmel stärker auf die Verdauung wirken und Anis mehr auf die Atemwege. Das Öl fördert die Bewegung der Flimmerhaare in den Bronchien und hilft so, den Schleim besser auszuscheiden.

Dass Anis, Fenchel und Kümmel Milch bildend wirken, ist ein Erfahrungswert der Volksmedizin. Man nimmt an, dass Anisöl eine leicht östrogene Wirkung hat und so die Milchbildung anregt. In einem zweiten Schritt wirkt es über die Muttermilch gegen Blähungen und ist krampflösend. Ein kleiner Teil des ätherischen Öles erreicht nach dem Trinken die Lungen des Kindes, wo es seine schleimlösende Wirkung auf die Bronchien entfaltet.

Weitere Tipps für Wochenbett und Stillzeit
• Zu Kräften kommen: Ein ideales Stärkungsmittel für werdende Mütter sind Datteln. Datteln sind wahre Powerfrüchte; sie nähren das Fortpflanzungsgewebe und spenden schnell Kraft. Für die Zubereitung eines Energie-Drinks legt man zwei Datteln, zwei Mandeln, einen halben Teelöffel voll Fenchel oder Anis und den Inhalt einer Kardamomkapsel über Nacht in etwas Wasser ein. Am Morgen kann man das Ganze mit etwas warmer Milch oder Wasser pürieren und trinken.
• Eisenwerte hochhalten: Nahrungsmittel, die den Körper zu stark erhitzen, sind während der Schwangerschaft nicht ideal. Dazu gehören saure und fermentierte Speisen wie Tomaten, Joghurt, Essig, Kaffee, Alkohol und Kristallzucker. Hingegen sollten die Frauen täglich ein bis zwei Tassen Brennnesseltee trinken und allenfalls ein Kräuterpräparat mit Eisen einnehmen.
• Die ersten Tage nach der Geburt: Einen grossen Teil ihrer Energie hat die Frau für ihr Kind verwandt. Diese gilt es nun wieder aufzubauen. Warme Getränke und Suppen sind nun genau das Richtige. Diese leicht verdaubaren Speisen kräftigen und nähren den Körper nach der anstrengenden Zeit der Schwangerschaft und Geburt, ohne ihn zu belasten.
• Räucherung: Ein ayurvedischer Brauch ist das Ausräuchern des Wurzelchakras nach der Geburt. Man nimmt ein Räuchergefäss und legt Myrrhe, Weihrauch und Salbei hinein. Sobald sich der Rauch entwickelt, stellt man das Gefäss zwischen die angewinkelten Beine. Die Bettdecke darüberziehen. Nach 15 Minuten das Gefäss wieder entfernen. Das soll die Wundheilung stärken und die durch die Geburt verletzten Chakren wieder schliessen.
• Essen während der Stillzeit: Damit sich genügend Muttermilch bilden kann, sollte die Ernährung der Mutter wärmend, nährend und würzig sein. Sehr gut sind Getreidespeisen aus Reis, Dinkel, Weizen, Gerste oder Hirse. Ideal sind auch Hülsenfrüchte, Wurzelgemüse wie Kürbis, Kartoffeln und Rote Beete. Mit Oliven- oder Sesamöl müssen die Mütter nicht sparen. Wichtig ist, dass die Mahlzeiten warm und gekocht sind. Brot und Backwaren wirken auf den Körper zu trocken.
• Morgendliche Ölung: Selbstmassagen klingen nach viel Arbeit, sind aber so Kraft spendend und aufbauend, dass sich der Aufwand mehr als lohnt. Ölen Sie sich täglich vor dem Duschen von Kopf bis Fuss mit einem leicht erwärmten Sesamöl ein. Oder noch besser: Lassen Sie sich einölen. Das wärmende Öl lässt die Energien freier fliessen und gibt ihnen ein gutes Körpergefühl.
• Sich Ruhe gönnen: Ihr Körper hat während der Schwangerschaft und bei der Geburt Höchstleistungen vollbracht. Gönnen Sie sich in der Zeit nach der Geburt sehr viel Ruhe. Vermeiden Sie körperliche Anstrengungen während der ersten drei bis sechs Monate.

Wichtiges Frauenmittel

Weil Anis, Fenchel und Kümmel ausschliesslich über ihre ätherischen Öle auf den Körper wirken, sollten diese im Tee zwingend enthalten sein. Deshalb muss die Qualität des Teepräparates stimmen. Ideal ist es, die ganzen Samen als Mischung zu kaufen und diese direkt vor der Zubereitung im Mörser zu verquetschen. So öffnen sich die Samen und das Öl wird frei. Sind die Samen beim Kauf bereits gequetscht, verflüchtigt sich ein grosser Teil des Öles frühzeitig. Als Regel gilt: Je süsser, blumiger und würziger der Tee duftet, desto besser seine Wirkung.

Anis stammt aus dem östlichen Mittelmeergebiet und aus Westasien. Es ist eine einjährige Pflanze, die bis zu 50 Zentimeter hoch wird. Sie besitzt zarte Stengel mit weit oben stehenden Blättern. Zahlreiche kleine weisse Doldenblüten umringen den Stengel. An diesen Dolden bilden sich die graugrünen, zwei Millimeter grossen Anisfrüchte.

Anis galt in vielen ländlichen Gebieten als Aphrodisiakum. Im Herbst, wenn man sich nach der Feldarbeit wieder dem familiären Zuwachs widmete, befreiteten die Frauen ihren Männern anishaltige Getränke zu. Heute verführen die Frauen ihre Männer zur Weihnachtszeit eher mit selbst gebackenen Anis-Chräbeli.

Die nächsten Früchte trägt der Anis übrigens im kommenden Herbst – also zum richtigen Zeitpunkt, falls neun Monate nach Weihnachten ein Neugeborenes nach der Brust verlangt.

Literatur
Das Buch der Natur- und Sportheilpraktikerin Katrin Kläsi zeigt, wie man mit Homöopathie, Schüssler-Salzen, Heilpflanzen, Heilsteinen und Wickel kleinen Patienten helfen kann. Es macht Eltern Mut, sich auf einen Lernprozess einzulassen, das eigene Wissen zu erweitern, Erfahrungen zu sammeln und die dadurch gewonnene Sicherheit an das Kind weiter zugeben.

Katrin Kläsi: «Naturheilkunde für Säuglinge und Kleinkinder», Verlag BoD, Fr. 35.–, ISBN 978-3-8423-9761-3, auch als E-Book www.sport-nhp.ch/buch, erhältlich.

Fotos: fotolia.com, waldhaeusl.com

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