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Blattlauslöwen und Liebgottkäfer

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_11_2013 - 01.11.2013

Text:  Heinz Knieriemen

Was lieben Liebgottkäfer? Diese Frage sollten wir uns stellen, nicht nur weil sie als Glücksbringer gelten. Marienkäfer und ihre gefrässigen Larven sind wichtige Verbündete jedes naturnahen Gärtners.

Die Marienkäfer Mitteleuropas leben in der Regel ein Jahr lang. In dieser Zeit vertilgen sie bis zu zehntausend Blattläuse. Die Weibchen der Käfer legen zweimal im Jahr 400 bis 700 Eier auf Blattunterseiten. Jede der daraus schlüpfenden Larven verzehrt während der zwei- bis dreiwöchigen Entwicklungsphase um die tausend Blattläuse. Ein einziges Weibchen und seine direkten Nachkommen verputzen in einem Jahr also über zehn Millionen Blattläuse. Auch wenn diese Zahl theoretischer Natur ist – eine krasse Bilanz! Wir sollten also alles tun, den Liebgottkäfern ein Biotop zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen.

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Tummelplatz für Marienkäfer

In unserem Garten wächst ein wilder Fenchel, den ich einst aus der Toscana mitgebracht habe. Mittlerweile ist die schöne, ausdauernde Pflanze etwa drei Meter hoch und wird vom beginnenden Frühjahr bis zum Spätherbst von unzähligen Insekten umschwärmt. Der Schwalbenschwanz legt seine Eier in das filigrane Grün, und wir freuen uns über die farbenprächtigen Rüebliraupen. Bis zum beginnenden Winter tummeln sich noch unterschiedlich gezeichnete Marienkäfer in grosser Zahl auf dem Fenchel.

Vorrat für magere Zeiten

Der wilde Fenchel ist für die Liebgottkäfer deshalb so attraktiv, weil die Samenstände einen süsslichen Nektar ausscheiden, der Blattläuse anzieht. Diese als Pflanzenschädlinge gebrandmarkten Tierchen wiederum bilden die Nahrungsgrundlage für Liebgottkäfer und ihre Larven.

Anfang September habe ich eine Schulklasse in meinen Garten eingeladen, die das muntere Treiben der Marienkäfer auf dem Fenchel beobachten wollte. Ein guter Anschauungsunterricht für Abläufe und Wechselwirkungen in der Natur. Schüler wollen immer alles genau wissen, also begannen sie zu zählen. Auf der Staude fanden sie 78 Marienkäfer in acht unterschiedlichen Zeichnungen, unter anderen auch zwei der umstrittenen Asiatischen Marienkäfer. Dazu eine grosse Zahl von Eiern und Larven.

Die Schüler entdeckten auch etwas Überraschendes, was mir noch nicht aufgefallen war: Auf einem Teil der Pflanzen fanden sich keine Marienkäfer und auch keine Eier und Larven. Die Blattläuse konnten sich dort ungehindert vermehren. Wird hier etwa gezielt eine Vorratshaltung angelegt, ein sorgsamer Umgang mit den lebenswichtigen Ressourcen betrieben? Die These mag verwegen sein, aber den Kindern und mir hat sie gefallen.

Eine spezielle Faszination üben auch die Larven der Marienkäfer aus, vor allem wenn man sie aus der Nähe mit einem Vergrösserungsglas oder einem Makroobjektiv betrachtet und fotografiert. Die Minidrachen zählen zu den gefrässigsten Raubtieren der Natur. Eine einzige Larve kann während der zwei- bis dreiwöchigen Entwicklungsphase bis zu 1300 Blattläuse vertilgen – über 60 am Tag! Es kommt also nicht von ungefähr, dass die Larven auch Blattlaus-Löwen genannt werden.

Plädoyer für Unordnung

Marienkäfer überwintern an frostgeschützten Stellen. In den ersten sonnigen Frühlingstagen werden sie wieder aktiv und kommen aus ihren Winterverstecken. Ein vielfältiger Bauerngarten kommt ihnen sehr entgegen, doch auch ein moderner Mischgarten mit Kräuterbeeten wird gerne angenommen.

Ein übertriebener Ordnungs- und Reinlichkeitsdrang in unseren Gärten hingegen zerstört die Lebensgrundlage der Liebgottkäfer. Laub, etwas Baumschnitt, Holzreste, ein Komposthaufen und einige Pflanzen wie Borretsch oder der wilde Fenchel, die bis zum Frühjahr im Garten verbleiben, sichern die Lebensgrundlagen für den Glückskäfer – und für zahlreiche andere Kleintiere, die im Garten gute Dienste leisten. Auf jede Form von Pflanzenschutzmitteln sollte dagegen verzichtet werden, da sonst die Blattläuse als Nahrungsgrundlage getötet werden.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Fotos: waldhaeusl.com

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