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Die Frühlingskur

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 4 - 2008 - 01.04.2008

Text:  Marion Kaden

Fasten dient nicht nur der Gewichtsabnahme, sondern wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Überdies kann der freiwillige Nahrungsverzicht ein Weg zu sich selbst sein.

Ganz gleich ob jemand viel, wenig oder gar keine Erfahrungen hat mit Fasten – in den ersten Tagen des Nahrungsverzichtes dreht sich alles ums Essen. Der Hunger, der sich meistens schon am ersten Tag einstellt, lässt Bilder der köstlichsten Speisen einer Fata Morgana gleich vor dem inneren Auge vorüberziehen. Wenig hilfreich ist auch, dass die Nase viel empfind-licher auf Gerüche reagiert und den Duft von Essen besonders intensiv wahrnimmt. Es fällt einem plötzlich auf, wie häufig im Alltag die Beschaffung, Zubereitung und das Verdauen von Nahrung im Vordergrund stehen. Wie gut deshalb, dass sich Fastende während ihrer Kur mit den körperlichen und seelischen Reaktionen beschäftigen. Mit den notwendi-gen Handlungen rund um das Fasten vergeht die Zeit schnell.

Zu sich und den Göttern finden

Nach einigen Tagen hört das Hungergefühl in der Regel auf. Der Körper beginnt einem anderen Rhythmus zu folgen. Dies bewirkt bei manchen Fastenden, dass sie Schlaf nachholen oder sich ausruhen. Andere wiederum fühlen sich vom alltäglichen Ballast befreit und sind aktiver als sonst. Irgendwann wird der Kopf richtig frei. Fastende können dann eine neu gewonnene Freiheit auf seelisch-geistiger wie auch auf körperlicher Ebene empfinden.

Fasten wird seit Jahrtausenden als Übung zur Enthaltsamkeit, zur Fokussierung auf das eigene Selbst, als Weg zur Ekstase oder Teil ritueller oder vorbereitender heilender Reinigungen durchgeführt. Im alten Ägypten beispielsweise durften Priester erst nach längerem Fasten mit der Göttin Isis in Kontakt treten. In der Antike bereiteten sich Kranke vor dem Besuch des Asklepios-Tempels fastend auf geplante Heilbehandlungen vor. Muslime, Buddhisten und Christen üben seit jeher den freiwilligen Nahrungsverzicht.

Die strengen klösterlichen Fastenregeln des Mittelalters – drei Bissen Brot und ein paar Schlucke Wasser pro Tag – sind in der heutigen Gesellschaft jedoch nicht mehr gebräuchlich. Das zeitgemässe Fasten ist weitergefasst. Damit kann der Verzicht auf Essen, Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten oder sogar auf andere lieb gewordene Gewohnheiten, etwa das Fernsehen, gemeint sein.  

In der römisch-katholischen Liturgie gehört 40-tägiges Fasten zur Vorbereitung auf die Osterfeier, um des Leidens weges Jesu Christi zu gedenken. Gläubige fasten heute freiwillig und im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Sie nutzen es zudem, um sich selbst, den eigenen Zielen und ihrem Glauben näher zu kommen. Oder wie es Schwester Helena vom Orden Karmel Maria vom Frieden in Köln formuliert: Fasten kann helfen, Gott die Tür zu öffnen und sich bewusst zu machen, dass er mit uns geht.

Tipps für richtiges Fasten
Nur Gesunde und Erfahrene sollten sich das Fasten während des Berufsalltags zumuten.
Fasten ist nichts für nervlich oder körperlich belastete, schlecht ernährte oder stark erschöpfte Menschen. Nach einer langen Krankheitsphase oder einer schweren Operation ist es ebenfalls nicht angezeigt.
• Fasten kann in einer Gruppe leichter sein. Die Angebote sind vielfältig: Fasten in schöner Umgebung mit sportlicher Betätigung, Malen oder Meditieren. Vorteil: Erfahrene Gruppenleiter geben die Abläufe vor und wirken unterstützend. Tipps und Ratschläge – auch der anderen Gruppenmitglieder – können Unsicherheiten beseitigen oder zum Durchhalten motivieren.

Heilsame Enthaltsamkeit

Gerne wird im Zusammenhang mit Fasten darauf hingewiesen, dass der Körper in dieser Zeit angesammelte Abfallstoffe entsorgt oder den Organen die Gelegen-heit gegeben wird, sich zu regenerieren, um anschliessend wieder besser zu funktionieren. In vielen Kulturen gilt das Fasten denn auch als «Entgiftungs-massnahme». Indisch-ayurvedische, ebenso europäische naturheilkundlich orientierte Mediziner erachten dabei jedoch nicht das Hungern selber als wichtig, sondern dass der Körper gezwungen wird, von seinen eigenen Reserven zu leben.

Um zu überleben, muss der Organismus jederzeit dafür sorgen, dass Krankheits-erreger, Fremdstoffe oder Gifte sofort über die Nieren, die Leber, den Darm oder die Haut ausgeschieden werden. Die körper-eigene Abwehr kann allerdings durch innere Faktoren wie Stress oder äussere Umwelt-einflüsse geschwächt werden. Fasten kann helfen, den Organismus zu seinen ursprüng-lichen Aufgaben zurückzuführen und damit zur Stärkung des Immunsystems beitragen.

Untersuchungen haben ergeben, dass die Umstellungen des Stoffwechsels aufgrund des Fastens bei Gesunden eine deutliche Absenkung der Blutzucker- und Cholesterin-werte bewirken. Auch mässig erhöhte Leberwerte als Anzeichen einer Leber-belastung sinken ab, wenn kein weiterer Alkohol getrunken wird. Daneben stellt sich auch der Wasserhaushalt um, die Urinausscheidung ist gesteigert und der Körper scheidet vermehrt Natrium und Wasser aus dem Bindegewebe aus. Die messbare Folge: ein deutlicher Gewichtsverlust. Dieser wirkt sich entlastend auf die Gelenke und die Wirbelsäule aus. Ausserdem stellen sich eine Normalisierung erhöhter Pulsfrequenzen oder die Verringerung eines erhöhten Blutdruckes ein.

Fasten unter ärztlicher Aufsicht 

Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass Fasten auch eine antientzündliche,
kortisonähnliche Wirkung bei akuten und chronisch entzündlichen Erkrankun-gen, beispielsweise bei rheumatoider Arthritis, haben. Bei letzteren Indikationen und bei anderen chronischen Erkrankungen wird Heilfasten in spezialisierten Kliniken empfohlen. Diese bieten Fasten unter ärztlicher Betreuung an. Dazu gehört eine über einen festen Zeitraum durchgeführte Heilbehandlung. Fastende erhalten dabei neben der ärztlichen Hilfe in Form von Diagnostik oder einer Verlaufsbeobachtung aufgrund von Laboruntersuchungen, auch pflegerische und psychologische Unterstützung, damit die Behandlung zum Erfolg führt.

Erkrankungen mit gestörtem Stoffwechsel wie Hypercholesterinämie (erhöhter Cholesterinspiegel im Blut) oder Lebererkrankungen lassen sich durch Heilfasten günstig beeinflussen. Bei chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis oder Rheuma können zum Teil hervorragende Verbesserungen erreicht werden. Empfehlungen gibt es überdies für venöse und arterielle Durchblutungssstörun-gen, allergische Krankheiten von Haut und Schleimhäuten, chronischer Hepa-titis, Adipositas und Erwachsenen-Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ II).

Auch bei akuten Erkrankungen reduzieren Kranke ihre Nahrungsaufnahme oft stark. Sie haben keinen Hunger oder empfinden Unwillen gegen jegliches Essen. Diese Nahrungsverweigerung des Körpers ist Teil dessen Heilungsprogramms. Durch den Wegfall der Verdauungsaufgaben kann der Körper so zusätzliche Energie zur Bekämpfung von Krankheitserregern mobilisieren. Ist die Krankheit besiegt, stellt sich der Hunger von selbst wieder ein.

Langsame Gewöhnung

Die traditionelle Zeit des Fastens ist das Frühjahr. Wenn die Natur erwacht, nehmen viele Menschen die Gelegenheit wahr, ein bis zwei Wochen zu fasten. Wer gesund ist, kann selbstständig fasten. Wichtig ist jedoch, sich vorher einge-hend damit auseinanderzusetzen. Eigenständiges Fasten erfordert idealerweise eine Auszeit und Disziplin – nicht nur, um die Hungerphase zu überstehen, sondern auch um die unterstützenden Behandlungen durchführen zu können.

Für das selbstständige Fasten eignet sich vor allem das Saftfasten. Gemüse- und Obstsäfte liefern trotz Nahrungsentzug die nötigen Vitamine und Mineralstoffe. Auch die Methode von Otto Buchinger erlaubt die Zufuhr von Vitaminen, Mineralien und wenigen Kalorien durch Gemüsebrühe oder Säfte. Bei der Kur nach Franz-Xaver Mayr hingegen nimmt man zweimal täglich altbackene Brötchen mit etwas Milch zu sich und kaut sie langsam. Sehr verbreitet ist auch das bekannte Teefasten. Bei lang anhaltendem Nahrungsverzicht droht hier jedoch bald ein Vitaminmangel.

Damit der Körper sich langsam an die Veränderung gewöhnen kann, beginnt jede Fastenkur mit ein bis zwei Entlastungstagen. An diesen Tagen besteht die Nahrung aus leicht verdaulichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Reis und Kartoffeln. Die eigentliche Kur beginnt anschliessend mit einem Glas Glauber-salzlösung. Das abführende Salz entleert den Darm und beugt so Kopfschmerzen oder Müdigkeit vor. Die Darmreinigung kann auch über einen Einlauf erfolgen. Daneben sorgen stoffwechselanregende Kräutertees und asische Salze für das Wohlbefinden während des Fastens.

Besonders in den ersten Tagen kann es trotzdem zu Unwohlsein, einem Gefühl der Kraftlosigkeit oder zu Gelenkbeschwerden kommen. Diese Befindlichkeiten sind Ausdruck verschiedener Fastenphasen. Zunächst bezieht der Körper seinen Energiebedarf aus dem Muskel-, danach aus dem Fettgewebe. Dabei arbeiten die Nieren, der Darm, die Leber und auch die Haut, unser grösstes Ausscheidungs-organ, auf Hochtouren.

Ausgangspunkt für Veränderungen

Während des Fastens ist alles erlaubt, was der Seele gut tut. Ein wichtiger Grundsatz sollte dabei aber wirklich beachtet werden: Nehmen sie sich beim Fasten ausreichend Zeit, um mögliche Müdigkeits- oder Schwächeanfälle mit
viel Ruhe und genügend Schlaf bewältigen zu können. Die meisten Fastenden
sind mit den Fastenreaktionen, sportlichen Aktivitäten und der Pflege des Kör-pers so intensiv beschäftigt, dass die Fastentage schnell vorübergehen.

Am Schluss steht das Fastenbrechen. Damit ist ein langsamer Kostaufbau ge-meint. Er sollte planmässig und diszipliniert vorgenommen werden. Denn wer dem Heisshunger nachgibt, kann von heftigen Bauchschmerzen oder Übelkeit überrascht werden. Der Darm braucht nämlich seine Zeit, sich umzugewöhnen.

Zudem wäre eine Initialzündung zu denkbaren Veränderungen verschenkt. Denn viele Menschen betrachten das Fasten auch als inneren Frühlingsputz. Sie fühlen sich danach wie neu geboren oder haben neue Kräfte geschöpft. Andere nehmen die Hungerkur als Anlass, ihre Ernährung umzustellen oder neu gewonnene Erkenntnisse, wie mehr Sport zu treiben oder sich mehr kleine Auszeiten zu gönnen, in den Alltag zu integrieren.

Bilder: irisblende.de

Literatur
Hellmut Lützner: «Wie neugeboren durch Fasten», GU Ratgeber 2008, Fr. 23.90
Reiss und Dargatz: «Richtig Fasten – Für mehr Gesundheit, Vitalität, Balance und Schönheit», BLV Buchverlag 2007, Fr. 20.50
Rüdiger Dahlke: «Fasten für Einsteiger – Das 7-Tage-Programm»,
Hugendubel Heinrich Verlag 2006, Fr. 9.90
Niklaus Brantschen: «Fasten neu erleben – Warum, wie, wozu?»,
Herder Verlag 2006, Fr. 16.90
Otto Buchinger: «Das Heilfasten – und seine Hilfsmethoden als biologischer Weg», Hippokrates-Verlag 2005, Fr. 58.90
Buchinger und Lindner: «Das Original: Buchinger-Heilfasten – Warum Heilfasten so einfach ist», Trias Verlag 2004, Fr. 27.50

Internet
www.fasten-wandern.ch
www.fasten.ch
www.fasten.at
www.fasten-wandern-wellness.ch

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