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besser, schneller, höher

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_10_2013 - 01.10.2013

Text:  Heinz Knieriemen

Die Geschichte des Dopings hat eine Jahrtausende lange Tradition. Und doch lösen aktuelle Fälle immer wieder Erstaunen und Empörung aus. Heuchelei?

Sich Vorteile gegenüber Konkurrenten zu verschaffen, sei es mit legalen Mitteln oder allen möglichen Winkelzügen und Ellbogeneinsätzen, gehört heute zum Alltag. Warum sollte in einem Umfeld, in dem häufig Fairness, Anstand und ethische Regeln ausgehebelt werden, der Sport eine Ausnahmeerscheinung bilden? Es geht im Spitzensport um viel Geld, Ruhm und Anerkennung.

Nicht nur in der DDR und anderen totalitären Systemen im 20. Jahrhundert wurde systematisch gedopt. Der Dopingsumpf hatte sich auch in der Schweiz breitgemacht. Und das Ganze teilweise offiziell legalisiert. So liessen sich Spitzensportler, vor allem Velofahrer, Atteste als Asthmatiker ausstellen und konnten daher Lungenkapazität erweiternde Mittel völlig legal zu sich nehmen.

Die Auswahl ist gross

Zur Verfügung steht heute eine unüberblickbare Auswahl an Drogen, die stimulieren, anregen, euphorisieren, auf Blutdruck und Herzrhythmus einwirken, Lungenkapazität, Schnellkraft und den Muskelaufbau erhöhen. Häufig werden auf dem Markt erhältliche Arzneien als Dopingmittel eingesetzt. Oxilofrin zum Beispiel. Als verbotene Substanz wurde es jamaikanischen und amerikanischen Sportlern zum Verhängnis. Das Roche Lexikon Chemie hingegen schreibt zu Oxilofrin ganz lapidar: Stimulator, Antihypnosetonikum zur Therapie von Kreislauf-Regulationsstörungen.

Ich verstehe allerdings nicht, dass sich Spitzensportler ausgerechnet mit Dopingmitteln wie Oxilofrin aufputschen, die auf der Verbotsliste des Weltverbands Wada stehen und zudem auch noch einfach nachweisbar sind. Die Wada geht davon aus, dass viele der zum Doping eingesetzten Mittel nicht oder zumindest noch nicht überprüft werden können – die Auswahl wäre also gross.

Doping aus dem Garten

Die fachkundigen und zum Teil auch skrupellosen Berater im Umfeld von Spitzenathleten müssen gar nicht weit suchen. Die Natur hat vieles zu bieten. Eine Schlüsseldroge in Sachen Doping ist seit vielen Jahren Ephedrin. Das als verbotene Substanz angeprangerte Oxilofrin unterscheidet sich – fachsprachlich ausgedrückt – nur durch eine zusätzliche Hydroxygruppe am Benzolring. Für einen Fachmann ist es kein Problem, sich das Dopingmittel selber herzustellen.

Das Ephedrin ist der Wirkstoff der Ephedra-Arten, die in allen trockenen, subtropischen und auch gemässigten Gebieten der Erde vorkommen. Die bekannteste Ephedra-Art ist das Meerträubel (Ephreda sinensis), das auch bei uns und im südlichen Europa sogar verwildert anzutreffen ist. Das Kraut hat schachtelhalmartige, fleischige Stängel mit weissen bis gelblichen Blüten und rote Beeren. In China ist Ephreda sinica seit mehr als 5000 Jahren eines der bedeutendsten Naturheilmittel. Es ist unter dem Namen Ma-huang bekannt und wird bei Erkrankungen der Atemwege verordnet.

Den Menschen vieler Kulturen ist die anregende, euphorisierende, atembelebende und antiallergische Wirkung des Meerträubelkrautes aufgefallen. Tees mit natürlichen Auszügen des Ephedrins gelten von Indien bis Mexiko als anregendes Mittel und Aphrodisiakum. Die wohltuenden Wirkungen der Ephedra-Arten und des Ephedrins als natürliche Droge sind unbestritten; sie werden fundiert beschrieben von Albert Hofmann, dem Entdecker des LSD, oder von Christian Rätsch in seinem im AT Verlag erschienenen Standardwerk «Psychoaktive Pflanzen». Erst die westliche Pharmakologie mit der konsumorientierten Ausrichtung auf Leistungsund Potenzförderer haben zu Problemen geführt.

Über die Grenzen hinaus

Nun müssen von Ephedrin als Droge, wenn sie Sportlernahrung aufpowert, auch noch andere Wirkungen als eine Hilfe zur Erektion ausgehen. Hinter Ephedrin verbirgt sich eine ganze Kulturgeschichte der erlaubten und nicht erlaubten Drogen – ein spannendes Kapitel, das auch deutlich macht, wie wir verlernt haben, im Einklang mit der Natur zu leben. Wenn wir Pflanzen primär als natürliche Droge betrachten, vereinnahmen wir sie mit unserem Konsumdenken.

Ephedrin wirkt ähnlich wie die chemischen Psychostimulantien, die Amphetamine. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde entdeckt, dass Amphetamin chemisch fast identisch mit dem natürlichen Ephedrin ist. Die Stimmungsaufheller, die Amphetamine, wirken über die Freisetzung der Botenstoffhormone Noradrenalin und Dopamin im Gehirn. Ursprünglich wurden sie mit dem Ziel entwickelt, Asthmatiker nicht nur mit dem bekannten Adrenalin, sondern mit verträglicheren Substanzen behandeln zu können.

Bald darauf stellte sich heraus, dass Amphetamin – ähnlich wie Meerträubel – eine zentral anregende Wirkung hat, Müdigkeit vertreibt, die physische Leistungsfähigkeit steigert und euphorische Gefühle aufkommen lässt. Für einen Spitzensportler, der sich einen Vorteil verschaffen will, lassen sie keinen Wunsch offen: besser, schneller, höher bis über die Grenzen hinaus.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT-Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.


Fotos: zvg

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