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Ruhig Blut

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_10_2013 - 01.10.2013

Text:  Sabine Hurni

Arterielle Hypertonie ist einer der häufigsten Gründe für einen Arztbesuch. Oft werden zahlreiche Medikamente verschrieben. Dabei gibt es viele natürliche Mittel gegen Bluthochdruck, zum Beispiel Mistelextrakt.

Zwei zum Frühstück, eine vor und eine nach dem Mittagessen und abends nochmals zwei Tabletten. Das ist der Alltag von Frau Studer, die im Moment mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen muss. Darunter ein Cholesterinsenker, ein Medikament gegen erhöhten Blutzucker, eines für die Blutfliesseigenschaften und ein Blutdrucksenker. Der Pillen-Cocktail soll Frau Studer vor Schlaganfällen und Herzinfarkten bewahren. Aus Angst vor diesen Folgen und aus Unsicherheit gegenüber ihren Beschwerden konsumieren viele Menschen jahrein, jahraus zahlreiche Medikamente. Dabei stellt sich die Frage, ob über 80-Jährige wirklich länger und besser leben, wenn sie all diese Medikamente einnehmen. Rein anatomisch betrachtet stimmt es, dass das Zusammenspiel von erhöhten Blutfetten, erhöhtem Blutzucker, erhöhtem Blutdruck und Übergewicht die Gefässleistung einschränken und das ausgeklügelte Blutkreislaufsystem behindern oder gar unterbrechen kann. Umso wichtiger ist es, dass die Blutgefässe möglichst lange gesund bleiben.

Erhöhter Druck

Blut ist das Lebenselixier jedes Säugetieres. Es transportiert Sauerstoff und Nährstoffe in jede Zelle des Körpers. Gleichzeitig transportiert das Blut Abbauprodukte über die Ausscheidungsorgane aus dem Körper heraus. Das Herz gibt dabei den Takt an. Es pumpt das Blut durch die Arterien. Normalerweise arbeitet das Herz im regelmässigen Rhythmus von 60 bis 80 Schlägen pro Minute. Bei Ruhe schlägt es langsamer, bei Sport und Körperleistung wird es schneller. Schlägt es 100 Mal pro Minute, dann ist es zu schnell. Weniger als 60 Schläge sind zu langsam.

Der Blutdruck, das heisst der Druck, mit dem das Blut vom Herz in die Arterien strömt, ist abhängig von der Stärke des Herzens und vom Widerstand in den Arterien. Braucht das Herz sehr viel Kraft, um das Blut durch das Herz zu pumpen, steigt der Blutdruck an. Der Gefässwiderstand ist abhängig von der Elastizität und dem Durchmesser der Arterien. Je enger die Arterien sind, desto höher ist der Blutdruck. So entstehen die zwei Zahlen, die so viel über die Herzleistung und den Zustand der Arterien aussagen. Die idealen Werte von 120/80 mmHg erreichen vier von fünf Schweizern über 40. Bei jedem Fünften hingegen sind die Werte erhöht. Damit die Zahl aussagekräftig ist, sollte der Blutdruck immer im Ruhezustand gemessen werden. Die Höhe der Zahl ist allerdings oft auch abhängig von der Tageszeit. Am frühen Morgen ist der Blutdruck hoch. Ebenso am späten Nachmittag.

Wie bei jeder ärztlichen Diagnose hintersinnt sich auch ein Patient mit erhöhtem Bluthochdruck, warum dies so ist. Doch nur bei jedem Dreissigsten Betroffenen lassen sich organische Ursachen feststellen. Bei 95 Prozent aller Hochdruckpatienten sind keine organischen Ursachen ersichtlich. Die sogenannt essentielle Hypertonie kann erblich bedingt sein und wird durch äussere Einflüsse verschlimmert. Zum Beispiel durch einen hohen Kochsalzkonsum, durch erhöhte Stressbelastung, Rauchen, Alkohol oder Bewegungsmangel. Einen sehr grossen Einfluss hat Übergewicht. Gemäss Studien kann der Blutdruck pro Kilogramm Gewichtsverlust um 2,5/1,5 mmHg gesenkt werden. Das zeigt, dass die Patienten mit der Umstellung ihrer Lebensweise viel Eigenverantwortung übernehmen können und zudem Vertrauen Ihrem Körper gegenüber gewinnen.

Tipps aus der Natur für einen gesunden Blutdruck
• Ernährung: Japanische Forscher haben herausgefunden, dass Suppe aus Hühnerbeinen oder -füssen einen positiven Effekt auf den Blutdruck haben soll. Diese Geflügelteile enthalten Eiweisse, die ähnlich wie sogenannte ACE-Hemmer wirken (siehe «natürlich» 09/11). Zusammen mit gedünstetem Gemüse wäre eine solche Suppe ein ideales Abendessen – nicht zuletzt auch, um etwas Gewicht zu verlieren. Generell sollte man aber auf zu viele tierische Eiweisse verzichten, insbesondere auf Wurstwaren, Speck und Trockenfleisch. Das sind richtige Kochsalzbomben. Benutzen Sie zum Kochen frische Kräuter, bereiten Sie das Gemüse ohne Kochsalz
mit der Niedergarmethode zu und geben Sie erst am Schluss bei Bedarf etwas Salz dazu. Nehmen Sie möglichst viele Omega-3-Fettsäuren aus Nüssen, Fisch und Leinöl zu sich.
• Alkohol und Kaffee: Ein bis zwei Glas Rotwein pro Tag sind für die Gesundheit der Gefässe förderlich. Diese Menge sollte aber nicht überschritten werden. Beim Kaffee können mehr als vier Tassen täglich bei manchen Menschen die Blutfettwerte erhöhen.
• Obst und Gemüse: Nahrungsfasern aus Grünkost und Obst, Hafer und Hülsenfrüchten sind sehr gut für die Blutgefässe. Sie können den Cholesterinspiegel beeinflussen. Zwei bis drei rohe Karotten pro Tag können den erhöhten Cholesterinspiegel ebenfalls günstig beeinflussen. Knoblauch und Zwiebeln fördern die Blutfliesseigenschaften.
• Entwässern: Machen Sie einmal pro Woche einen Entlastungstag mit Obst, Rohkost, Reis oder Kartoffeln. Das entwässert den Körper und stärkt die Nieren.
• Fussbäder: Geniessen Sie abends ein Senffussbad. Man gibt warmes Wasser in ein Becken und löst zwei bis drei Esslöffel Senfmehl darin auf. Nicht zu lang baden. Für Schwangere ist dieses Fussbad nicht geeignet.
• Stress reduzieren: Ein wichtiger Faktor für das Ausgleichen des Blutdrucks sind Entspannungsmethoden wie Meditation, Qi Gong, Wellness, Massagen oder autogenes Training.
• Bewegung und Sport: Ausdauersport ist ideal zur Behandlung von Bluthochdruck. Dazu gehören Schwimmen, Nordic Walking, Radfahren, Spazieren, Rudern, Langlauf. Dabei nicht übertreiben, sondern auf die richtige Dosis achten. In erster Linie soll es Spass machen.
• Heilpflanzen: Weitere blutdrucksenkende Heilpflanzen sind Rauwolfia (Indische Schlangenwurzel, auch Wahnsinnskraut), Olivenblätter und Knoblauch. Lassen Sie sich im Fachhandel beraten.

Mystische Mistel

Neben der Ernährungsumstellung und somit einer Gewichtsreduktion, kann der erhöhte Blutdruck auch mit Heilpflanzen behandelt werden, zum Beispiel mit der Mistel (Viscum album). Sie enthält eine grosse Bandbreite an Inhaltstoffen wie Viscotoxine, Lektine (Eiweiss-Zucker), Flavonoide, biogene Amine und Schleimstoffe. Diese Wirkstoffkombination hat nicht nur eine stärkende Wirkung auf das Herz-Kreislaufsysstem. Sie hat sich in den letzten Jahren auch zur Stärkung des Immunsystems in der Krebstherapie etabliert. Für dieses Einsatzgebiet wird das Mistelextrakt mit der Spritze direkt ins Blutsystem verabreicht. Bei der Langzeittherapie von Bluthochdruck hingegen nimmt man die Tinktur oder den Misteltee als Heilmittel ein.

Die Teezubereitung unterscheidet sich von herkömmlichen Anwendungen: Man setzt einen Teelöffel voll Mistelkraut in einer Tasse kalten Wassers an. Der Auszug soll zehn bis zwölf Stunden ziehen, bevor man ihn raumwarm oder leicht erwärmt trinkt. Bei Bluthochdruck sollten täglich ein bis zwei Tassen Misteltee getrunken werden. Bei der Tinktur richtet sich die Dosierung nach den Empfehlungen des Handelsproduktes. Kombiniert mit Weissdorn bewährt sich die Mistel darüber hinaus zur Behandlung von Herzschwäche.

Ein Halbschmarotzer

Die immergrüne Mistel mit den weissen Beeren ist ein Halbschmarotzer: Sie profitiert vom Baum, auf dem sie wächst, indem sie ihm Wasser und darin gelöste Mineralsalze aus dem Holz entzieht. Im Gegensatz zu einem Vollschmarotzer schadet der Halbschmarotzer dem Baum nicht. Im Laufe der Jahre wachsen Misteln zu kugeligen Büscheln heran, die bis zu einen Meter Durchmesser erreichen können. An den Enden der verzweigten Mistelsprosse sitzen ledrige Blätter. Die Anzahl der Verzweigungen verrät das Alter der Mistel: Jede Abzweigung steht für ein Jahr Wachstum. Die Früchte der Weissen Mistel sind weisse, runde Scheinbeeren, aus denen sich je drei bis vier Embryonen ausbilden.

Die Samen der weiblichen Pflanzen werden durch Vögel über deren Verdauungstrakt verbreitet. Keimt ein auf einem Baum gelandeter Same, wachsen nach mehreren Monaten die sogenannten Senker in den Baum hinein. Dadurch verändern sich die Baumzellen, sodass sie eine Verbindung der Mistel zum Leitsystem zulassen. Viscum album, die in Heilmitteln verwendet wird, wächst auf Laubholz. Oft entdeckt man sie auf Ahorn, Pappeln, Weiden, Weissdorn oder Obstbäumen. In den alten Mythen wurde die Mistel wie ein Heiligtum verehrt. Ihre Vorliebe für Baumwipfel liess den Glauben entstehen, dass Götter ihren Samen gestreut hätten. Deshalb, so heisst es, verleihe die Mistel übermenschliche Kräfte. In alten Darstellungen sind Mistelzweige in der Hand von Göttern, Medizinmännern, Priestern, Feldherren und Königen zu finden. Die Druidenpriester der Kelten zogen im Winter bei zunehmendem Mond in den Wald zu den misteltragenden Eichen, um dort ihre Gebete und Opfer zu verrichten. In weisse Gewänder gehüllt, stiegen sie in die mächtigen Kronen und schnitten mit goldenen Sicheln die Mistelzweige, die Helfer mit weissen Tüchern auffingen. Keinesfalls durfte die göttliche Mistel die Erde berühren.

Foto: thinkstock.com

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