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Kopf ein – Kiste aus

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_10_2013 - 01.10.2013

Text:  Marion Kaden

Fernsehen löst Stress aus, frisst Lebenszeit, macht fett, dumm und asozial. Und trotzdem zieht die Glotze uns weiter in ihren Bann.

Gerne entspannt man sich vor dem Fernseher. Zum Beispiel nach einem anstrengenden Arbeitstag, wenn zu allem anderen die Lust fehlt, scheint das TV-Gerät Erholung zu bieten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wissenschaftler haben herausgefunden, dass fernsehen Stress auslöst. Verschiedene Faktoren sind dafür verantwortlich: die Helligkeit des Bildschirms, die schnelle Bilderabfolge, das Flimmern, das durch die Abstrahlung der Lichtinformationen in unterschiedlichsten Wellenbereichen entsteht. Ausserdem gelangen Milliarden von Bildinformationen zum Gehirn und müssen dort zu einem verstehbaren Ganzen zusammengefügt werden.

Um all dies bewältigen zu können, wird unter anderem das Stresshormon Adrenalin ausgeschüttet, der Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Ausserdem wird die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) aktiviert, das bedeutendste Steuerorgan aller Lebensvorgänge. Sie schüttet beim Fernsehen Hormone aus, die eng mit dem Fettstoffwechsel verknüpft sind.

Zunahme von Adipositas und Diabetes

Kein Wunder also, dass die vielen werblichen Botschaften für Schokolade, Chips, Fertignahrung oder Alkohol, die täglich über die Bildschirme flimmern, vielfältige hormonelle Reaktionen auslösen. Hungergefühle können sich leicht einstellen und werden oft auch mit Hochkalorischem aller Art befriedigt. Eine Verquickung und Steigerung dieser ungünstigen Umstände wird besonders stark bei Menschen ausgelöst, die sich aufgrund ihres ohnehin schon vorhandenen Übergewichts wenig bewegen: Forscher konnten zeigen, dass die Bewegungslosigkeit vor dem Fernseher die Anzahl adipöser Menschen (Übergewicht mit einem Body-Mass-Index > 25) deutlich erhöht. Sie bilden damit einen unübersehbaren Widerspruch zu den in der Werbung gezeigten schlanken Menschen der Werbewelt.

Wunsch und Wirklichkeit könnten zukünftig noch weiter auseinanderklaffen. So wurde der stetig ansteigende Fernsehkonsum bei allen Altersgruppen unter die Lupe genommen. Ärzte einer Kinderklinik der US-amerikanischen Stadt Ontario zum Beispiel untersuchten übergewichtige Jugendliche und brachten einen mehrstündigen Fernsehkonsum mit dem Anstieg der Rate an jugendlichen Diabetikern in Verbindung. In einer Langzeitstudie einer Gruppe neuseeländischer Forscher der Ontago-Universität wurde festgestellt: Fernsehen in Kindheit und Jugend führt oft zu Übergewicht (vermehrtem Konsum von Fertignahrung), schlechter Fitness (wenig Bewegung), vermehrtem Rauchen und hohen Cholesterinwerten im Erwachsenenalter.

Abschalten ist gesund

Die Amerikanische Akademie für Pädiatrie (AAP) finanzierte zahlreiche Studien und warnt regelmässig vor den krankmachenden und entwicklungsschädigenden TV-Auswirkungen. Auch wenn Kinderprogramme oder Kleinkind-DVDs noch so pädagogisch aufgezogen sein sollen oder sogar grossartige Lernerfolge versprechen, so kommt doch heraus: Kinder, die fernsehen, lernen langsamer sprechen, haben einen geringeren Wortschatz, weniger motorische Fähigkeiten, verschiedene soziale Defizite (verringerte soziale Kontrolle, schlechtere Interaktion mit anderen) und können Verhaltensstörungen zeigen. Zudem haben sie häufiger Konzentrationsstörungen und schlafen schlechter. Das Resümee der AAP: Die Erwachsenen sollten ihren Fernseher ausschalten und sich lieber um ihre Sprösslinge kümmern.

Wer viel fernsieht, stirbt früher

Fernsehen schadet aber auch Erwachsenen. Erweitert werden die AAP-Erkenntnis frei nach dem Motto «was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr». Kinder mit Defiziten im Kindesalter holen diese im Erwachsenenalter schlecht auf. Vor allem sind diese Erwachsenen mit dieser neuzeitlichen Errungenschaft sozialisiert und können sich ein Leben ohne TV eigentlich nicht mehr vorstellen.

Die oben genannten negativen Folgen sind auch bei Erwachsenen mit wissenschaftlichen Studien belegt: Zunahme von Adipositas, Diabetes Typ II, ungesündere Essensgewohnheiten oder mangelnde körperliche Aktivität. Sogar die unsäglichen, sich in ihrer Dummheit und Banalität kaum zu übertreffenden Talk-Shows, Serien oder Soaps wurden an Frauen untersucht. Fazit: Durch regelmässiges Schauen dieser Machwerke konnten sich die Frauen weniger merken, zeigten generell eine verringerte Konzentration und allgemein geringere Wahrnehmungsfähigkeiten im Alltag. Mittlerweile haben Neurologen das Fernsehen hinsichtlich eines möglichen Anstiegs von Demenz-Erkrankungen untersucht und bestätigt. Und nicht zuletzt: Fernsehen verkürzt die Lebenszeit stellten amerikanische Wissenschaftler schon 2008 fest.

TV aus und selber denken

In Anbetracht der zahlreichen negativen Auswirkungen dieses Mediums ist die Verbannung des TVs am konsequentesten und folgerichtigsten. Wie ausgeführt, sorgt fernsehen bei Erwachsenen für «Gehirnverflüssigung», um es böse auszudrücken. Bei Kindern sind Entwicklungsstörungen die Folge; diese sind oft nicht mehr aufzuholen. Ausserdem ist der Fernseher primär ein effizientes Werbemedium für zumeist unnötige Produkte. Und es wirkt, wie die genannten, schwergewichtigen Probleme belegen.

Was kann dabei auch herauskommen, wenn ältere Menschen stundenlang bewegungslos vor dem Bildschirm sitzen oder liegen? Sie werden passiv «belebt», anstatt am Leben aktiv teilzuhaben. Dies kann «Die Dicken vor dem TV bilden einen Widerspruch zu den schlanken Menschen in der Werbung.» politisch durchaus gewollt sein oder der Altenpflege Kosten sparen. Die Alten werden vor dem Fernseher ruhiggestellt – und sterben früher. Umso besser, denn so fordern die Alten wenigstens den ihnen gebührenden Platz in der Gesellschaft nicht mehr ein. Auch bei jüngeren Generationen könnte sich die Abschaffung des Fernsehens durchaus als bedenklich erweisen: Wenn Menschen anfangen, wieder selbst zu denken, könnten sie auch Zeit haben, sich für eine bessere, gerechtere und gesündere Welt einzusetzen.

TV weg – viel gewonnen

Die Abschaffung des Fernsehers ist übrigens auch ganz im Sinne der Naturheilkunde: Berühmte Schweizer wie Alfred Vogel oder Johann Künzle würden rotieren im Grabe angesichts der fatalen gesundheitlichen Auswirkungen dieses Mediums. Schon zu ihren Lebzeiten ermahnten sie ihre Zeitgenossen, sich der ordnungspolitischen, naturheilkundlichen Regeln zu erinnern. Diese haben sich seither nicht geändert: Dazu gehört beispielsweise, sich um genügend erholsamen Schlaf oder eine ausreichende Regenerationszeit nach der Arbeit zu kümmern. Oder sich gesund und mässig zu ernähren und zudem für Bewegung am besten in freier Natur zu sorgen. Denn so haben Menschen Teil an den Rhythmen der jahreszeitlich bedingten Veränderungen, die sich erholsam und gesundend auf den menschlichen Körper auswirken.

Vogel und Künzle wiesen ebenso auf die geistig-seelische Gesundheit hin: Es mag antiquiert erscheinen, aber Hobbys wie das Lesen von Büchern oder Hören guter Musik sind nach wie vor wichtig. Viele meinen nun für solche geradezu luxuriösen Tätigkeiten erst nach der Pensionierung Zeit zu haben – wie die kleine obige Rechnung zeigt, irren sie gewaltig.

Fotos: fotolia.com, thinkstock.com

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