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Gott und Götter

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_09_2013 - 01.09.2013

Text:  Heinz Knieriemen

Wir tun uns schwer mit der Vielfalt der indischen Götterwelt. Wie kann ich einem Gott trauen, der Frauen beim Bade die Kleider stiehlt? Und wie einer Göttin, die waffenstrotzend auf einem Raubtier durchs Land reitet?

Für die meisten Sucher der letzten Wahrheit bleibt die von Gottheiten bis an den Rand gefüllte Welt Indiens ein absurdes Märchen- und Fabelland. Doch erst wenn wir zumindest Respekt aufbringen für die Religionen Indiens mit ihrer Vielfalt und den historisch gewachsenen Traditionen, werden wir auch die Hintergründe und den Alltag der Menschen verstehen lernen. Ich will Ihnen einen Einblick geben.

Die bedeutendsten Götter des Hinduismus sind Vischnu und Shiva. Die offizielle brahmanische Theologie hat den beiden einen dritten Gott, Brahma, zugesellt, mit dem zusammen sie die Trimurti, die Dreigestalt, bilden. Brahma ist der Schöpfer, Verkünder aller heiligen und segensreichen Hymnen, Verse und Schriften, Vischnu der Erhalter des Kosmos und Verteidiger der Rechte des Guten gegen die Dämonen und Shiva der Zerstörer, aber auch der Gott der Kunst und des Tanzes. In der Terminologie des Sanskrit versinnbildlicht Brahma Radschas, die bewegende, vorwärtstreibende Kraft, Vischnu dagegen Sattwa, das gute, bewahrende Prinzip, und Shiva schliesslich Tamas, das Element der Trägheit, der Negation, der Auflösung. Es sind die drei Aspekte der Erfahrungswelt, nicht nur im Hinduismus: der Aspekt des Entstehens, des Bestehens, und des Vergehens.

Götter tanzen und träumen

Der brahmanischen Theologie ist es zwar gelungen, die Götter Indiens in einer einheitlichen Weltschau zusammenfassend zu deuten. Trotzdem bleibt vieles nur graue Theorie und vermittelt kein Bild des Alltags der hinduistischen Gläubigen, von der Vielfalt und dem unendlichen Formenreichtum. Für Hindus ist der ganze Kosmos von göttlichen Wesen und Kräften erfüllt. Gott ist Wasser, reinigende und Leben erweckende Kraft, Ganges und Jumna, Quelle, Strom und Meer. Gott ist Feuer, vor dem dunklen Götterbild im Tempel brennend, Licht spendend und alles verwandelnd, was mit ihm in Berührung kommt. Gott ist Leben – in Pflanzen, Tieren und Menschen.

Im alten Baum am Dorfrand wie in allen Pflanzen erahnen die Hindus göttliche Kräfte, aber auch in der Kobra, im Affen, Elefanten und vor allem in der Kuh oder dem Rind. Das gilt übrigens auch für Buddhisten. Die sagen: Alle Lebewesen – auch die Pflanzen – haben Buddha-Natur. Gott ist Shiva, wilder Tanz und Geheimnis der Zerstörung, die neues Werden ermöglicht. Für den Gläubigen ist Shiva nicht der finstere Zerstörer; er ist der strahlende Herr, Ischwara, der prächtige, siegreiche, gütige, hilfsbereite Gott, dessen unendlich reiche schillernde Gestalt immer wieder fasziniert. Shiva ist Schöpfer, Retter und führt zur ewigen Erlösung.

Do you love India?

Zur Familie Shivas und Paravatis gehört vor allem auch noch Ganesha oder Ganapati, der Glücksgott. In ihm hat die indische religiöse Fantasie eines ihrer originellsten Symbole geschaffen. Elefantenköpfig, mit gutmütig glotzenden Augen, den riesigen Hängebauch vorgeschoben, so ist Ganesha ein Inbegriff der Zufriedenheit. Axt und Schlange, aber auch der Elefantenkopf, kennzeichnen ihn als alten Waldgott, während die Laddu-Kugel – eine Süssspeise aus Zucker und Mehl – die er in der linken Hand trägt, den freigiebigen, grossmütigen Geniesser kennzeichnet. Zahllos sind die Mythen, Legenden und Anekdoten, die über Ganesha umlaufen. Er ist der Spender häuslichen Behagens und wird von allen geliebt.

«Do you love India?» Diese Frage wird in Indien Besuchern häufig gestellt. Etwa von Ayjappa-Pilgern, bei denen ein ganzes Dorf vom Säugling bis zum Greis jährlich einmal ein hinduistisches Heiligtum aufsucht, aber auch bei anderen zufälligen Begegnungen. Die Frage scheint mir weniger Nationalstolz zu reflektieren, sondern spiegelt viel eher das Selbstverständnis kultureller Identität. Ja, ich liebe Indien! Die spontane Gastlichkeit, die Freude und das Leuchten in den Augen der Kinder, das Bunte, die Gerüche und eben auch die Vielfalt an Göttern. Indien ist eine Nation, die sich in weiten Bereichen die Redlichkeit des Herzens bewahrt hat. Die Welt würde ärmer, verlöre der Subkontinent seine Götter.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: okapia.com, freebird (bobinson|ബോബിന്‍സണ്) / flickr / cc

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