Artikel Gesundheit :: Natürlich Online

Gutes und böses Cholesterin

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_08_2013 - 01.08.2013

Text:  Heinz Knieriemen

Über zwei Drittel aller Schweizerinnen und Schweizer leben mit einem zu hohen Cholesterinspiegel. Mögliche Folgen davon sind Herz- und Gefässerkrankungen. Aber: Medikamente dagegen haben viele Nebenwirkungen – und krank werden längst nicht alle.

Cholesterin hin oder her, Herz- und Gefässerkrankungen sind in der Schweiz wie auch in allen andern Industriestaaten die häufigsten Todesursachen. Grund genug für eine sorgfältige Spurensuche auf den verschlungenen Pfaden des Cholesterins.

Die Geschichte des Cholesterins als ein spezieller Risikofaktor für die Gesundheit geht in die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg zurück. Damals wurden 5000 Bewohner der amerikanischen Kleinstadt Framingham auf einer Suche nach dem Auslöser der arteriosklerotischen Erkrankungen untersucht. 1961 stellten dann Wissenschaftler nach Auswertung der Daten in der Framingham Heart Study einen nicht klar definierten Zusammenhang zwischen dem Blutcholesterinspiegel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fest.

Schnell wurden deshalb Normwerte für Cholesterin fixiert und viele Menschen daraufhin in den Krankenstand versetzt. Cholesterin als ein messbarer Wert im Blut schwebt seither wie ein Damoklesschwert über Menschen in der Industriegesellschaft.

Der Mensch braucht Cholesterin

Der Name Cholesterin, abgeleitet von griechisch chole = Galle und stereos = fest, hart, deutet auf die Theorie hin, wonach sich an entzündeten Schlagadern (Arterien) cholesterinhaltige Verklumpungen und Verhärtungen (Arteriosklerosen) aus Abwehrzellen und Fetten anlagern, die die Blutbahn verengen und schliesslich zum Herzinfarkt führen. Cholesterin gehört wie Lecithin zu der Form von Lipiden, der fettähnlichen Stoffe, die der Körper selbst aufbauen kann.

Es ist ein Baustein für Zellwände und Ausgangssubstanz für Sexualhormone, Gallensäuren, Cortisol, Wasser ausscheidende Hormone und Vitamin D. Es mag etwas überraschend klingen, aber ohne Cholesterin sind viele lebenswichtige Funktionen nicht möglich. So können Fette ohne Gallensäure vom Körper nicht resorbiert werden und Vitamin D oder die Sexualhormone würden nicht hergestellt. Insgesamt beträgt der Körperbestand eines erwachsenen Menschen an Cholesterin etwa 140 Gramm. Von der Gesamtmenge an Cholesterin im Körper befinden sich aber lediglich 6 bis 8 Prozent im Blut. Mit der üblichen Messung des Cholesterinspiegels im Blut beobachten und bewerten wir also nur einen geringen Teil des gesamten Körpervorrats.

Eine Frage der Dichte

Als Idealwert wird für Menschen über 30 Jahre ein Blutcholesteringehalt von 200 mg pro 100 ml Blutserum angesehen. Nach diesem Grenzwert weisen 70 Prozent der Mitteleuropäer zu hohe Cholesterinspiegel auf – mit sinkenden Raten Richtung Süden. Die entscheidende Frage lautet nun: Lassen diese Grenzwerte Voraussagen über die Entwicklung arteriosklerotischer Erkrankungen mit mangelhafter Durchblutung der Adern und Herzkranzgefässe zu?

Cholesterin wird durch seinen Eiweissanteil wasserlöslich und kann so im Blut transportiert werden. Solche Lipoproteine werden nach ihrer Dichte in Low Density Lipoprotein (LDL) und High Density Lipoprotein (HDL) unterschieden. Sie bestimmen die Eigenart des Cholesterins. Das HDL wirkt durch seine hohe Dichte protektiv. Es schützt die Zellen. Das LDL mit seiner geringeren Dichte hingegen überfrachtet die Zellen der Gefässwand, lagert sich an den Oberflächen ab. Damit kann es einen Belag bilden, der sich schliesslich sklerotisch verhärtet. Die neuere Forschung geht davon aus, dass vor allem das Verhältnis von LDL zu HDL eine Aussagekraft als möglicher Krankheitsfaktor besitzt. Man nennt die Messzahl aus LDL: HDL den arterogenen Index. Bei gesunden Menschen beträgt er 3,5. Bei Werten über 4,5 wird von einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose gesprochen.

Bis zum Infarkt

Was sind es denn nun für Krankheiten, für die hohe Cholesterinwerte einen unter mehreren Risikofaktoren bilden? Allgemein gesprochen geht es um Verkalkungen in den Blutgefässen mit einer Minderdurchblutung von Gewebe, was zu Durchblutungsstörungen führt. Am häufigsten betroffen sind die Herzkranzgefässe (Angina pectoris), das Gehirn (Schlaganfall, Demenz) und die Beine (Raucherbein). Die venöse Erkrankung der Beine mit Krampfadern ist ein spezieller Bereich; Sie kann jedoch gemeinsam mit den arteriellen Problemen auftreten. Der Überbegriff für Durchblutungsstörungen durch Gefässverkalkungen lautet Arteriosklerose, also Arterienverkalkung oder -verhärtung.

Angina Pectoris ist die Folge einer koronaren Herzkrankheit und steht im Krankheitsverlauf vor dem Herzinfarkt. Die koronare Herzkrankheit führt zu Verengungen der Herzkranzarterien, die das Herz mit Blut versorgen. Braucht das Herz bei körperlicher und seelischer Belastung mehr Sauerstoff, wird dieser Mehrverbrauch in der Regel über eine vermehrte Durchblutung gedeckt.

Sind die Herzkranzarterien durch Verkalkungen nicht mehr in der Lage, sich durch Dehnung einer gesteigerten Blutversorgung anzupassen, wird das Herz unterversorgt. Schmerzen im Brustbereich signalisieren Angina Pectoris. Schreitet die Verengung der Korona, der Herzkranzarterien, weiter fort, wird irgendwann die Blutzufuhr unterbrochen, die nicht mehr versorgte Herzregion stirbt ab. Herzinfarkt.

Was ist zu tun?

Wer zu der grossen Gruppe von Menschen gehört, die einen zu hohen Cholesterinspiegel aufweist, fragt sich natürlich, welche gesundheitlichen Risiken bestehen und welche therapeutischen oder diätetischen Massnahmen angezeigt sind. Wie und wann es zu erhöhten Blutfettwerten kommt, ist in weiten Bereichen unbekannt. Der erhöhte Cholesterinspiegel selbst verursacht in der Regel keinerlei Symptome. Erst wenn Gefässverkalkungen fortgeschritten sind, kommt es zu Beschwerden.

Das Cholesterin im menschlichen Organismus stammt zum einen aus der Nahrung, zum anderen produziert es der Körper selbst. Die vom Körper gebildete Menge ist wesentlich höher und beträgt bis zu 80 Prozent. Dabei ist der Organismus fähig, die Aufnahme des Nahrungscholesterins, die Resorptionsrate vom Darm ins Blut, je nach Bedarf zu variieren. Das bedeutet, dass bei einem Menschen mit gesundem Stoffwechsel bei wenig Cholesterin in der Nahrung viel aus dem Darm resorbiert wird und umgekehrt bei viel in der Nahrung wenig aus dem Darm.

Das lässt nun den Schluss zu, dass eine cholesterinarme Diät häufig keinen Erfolg hat, da die Gesamtmenge des aufgenommenen Cholesterins durch den Anpassungsmechanismus gleich bleibt. Mit der Nahrung aufgenommenes Cholesterin bildet also nur einen Risikofaktor – einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass dieser Bereich völlig vernachlässigt werden kann.

Risikofaktoren ernst nehmen

Nun könnte die Meinung aufkommen, der Cholesterinspiegel – und da vor allem das Verhältnis HDL zu LDL – sei in jeder Lebenslage zu vernachlässigen. Das ist falsch! Er kann als einer von vielen Risikofaktoren das Zünglein an der Waage sein. Schauen wir einmal einen Extremfall an: Ein Raucher und Trinker, gestresst, hektisch, erblich vorbelastet, übergewichtig und ohne Fitness, mit gestörtem Fett- und Zuckerstoffwechsel, fehlernährt, in fortgeschrittenem Alter, männlichen Geschlechts und zudem noch mit Blutcholesterinwerten über dem Grenzwert – dieser Mensch schwebt in grosser Gefahr, eine arteriosklerotische Erkrankung zu erleiden, da sich bei ihm die Risikofaktoren kumulieren.

Kritisch-nüchtern sollten auch die Medikamente betrachtet werden. Bei den beschriebenen arteriellen Durchblutungsstörungen der Beine werden durchblutungsfördernde Mittel wie Buflomedil (in der Schweiz verboten), Praxilene, Dinostral oder Trental eingesetzt – mit nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen. Durch die Einnahme von Durchblutungsförderern erweitern sich vor allem die gesunden Blutgefässe. Statt durch die arteriosklerotisch verengten Adern fliesst das Blut also in die Gewebe ohne Gefässverengungen, die auf eine stärkere Blutversorgung gar nicht angewiesen sind – in den kritischen Regionen kommt dagegen kaum noch etwas an. Diese unerwünschte Umverteilung des Blutflusses nennt man Raubeffekt.

Noch kritischer gilt es Nutzen und Risiko von Lipidsenkern zu betrachten. Als Mittel der Wahl, wenn eine Fettstoffwechselstörung medikamentös behandelt werden muss, gelten die CSE-Hemmer (Lescol, Zocor, Selipran), früher auch als Statine bezeichnet. Als Nebenwirkungen sind Sodbrennen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Verstopfung, Durchfall, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Muskelentzündungen und eine Erhöhung der Leberwerte bekannt. Die Behandlungsdauer ist auf Jahre, möglicherweise lebenslang ausgelegt. Dies muss bei der Entscheidung zu einer Behandlung immer bedacht werden.

Heilsame Bitterstoffe

Eine wirksame Massnahme, um die Cholesterinwerte ohne Risiken in Schach zu halten, sind für mich Bitterstoffe, Amara, mit denen die Ausscheidungs- und Reinigungsorgane Leber, Nieren und Milz unterstützt werden und die durchblutungsfördernd, entzündungshemmend und antibakteriell wirken. Die Natur hält vieles bereit: Salbei, Tausendgüldenkraut, Bitterklee, Chinarinde, Isländisch Moos, Hopfen, Löwenzahn und Schafgarbe und die tibetischen Bitterstoffe Padma 28.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: thinkstock.com

Tags (Stichworte):

Kategorie: Gesundheit

Der Film

Kommt der Mensch zur Ruhe, findet er zu sich selbst.

Kategorie: Gesundheit

Kosmetik: Risiko Nagelstudio

Künstliche Fingernägel sind bei Frauen beliebt.

Kategorie: Gesundheit

Zu schnell für die Hand

Mit Tempo 230 servieren Weltklasse-Tennisspieler ihren Aufschlag.