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Biologische Waffen damals und heute

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_07_2013 - 01.07.2013

Text:  Heinz Knieriemen

Biologische Waffen sind keine Erfindung des 20. und 21. Jahrhunderts. Im Mittelalter wurden Pestleichen über Stadtmauern geschleudert. Auch heute sind die Methoden teilweise sehr archaisch.

Im vergangenen April haben der US-amerikanische Präsident Obama sowie einige Senatoren mit Gift präparierte Briefe erhalten. Solche Attacken sind leider keine Ausnahmeerscheinung, sondern hinterhältige Ereignisse, die sich in regelmässigen Abständen wiederholen. Per Brief- oder Paketpost an prominente Persönlichkeiten kommen immer wieder zwei höchst toxische Substanzen ins Spiel. Einerseits die Erreger des Milzbrands (Anthrax), vor allem aber Rizin, das aus den Samenschalen des Rizinusbaumes gewonnen wird.

Noch giftiger als Cyankali

Der Rizinus gehört zu den Wolfsmilchgewächsen, einer Pflanzenfamilie, die die Tropen, Subtropen und das Mittelmeergebiet als Heimat kennt. Häufig findet man den Wunderbaum, Hundsbaum, Läusebaum oder die Palma Christi, wie Rizinus auch genannt wird, verwildert an Strassenrändern und auf Schuttplätzen. Der Rizinus ist äusserst schnellwüchsig. Innerhalb weniger Monate kann aus den schön gezeichneten Samen, die in Indien und Afrika zu Schmuckketten verarbeitet werden, ein drei Meter hoher Baum wachsen. Bei optimalen Wachstumsbedingungen wird der Baum bis zu 12 Meter hoch. Der Baum gilt als eine der ältesten Arzneipflanzen und ist schon im Papyrus Ebers der Ägypter um 1500 vor Christus erwähnt.

Die bestachelten Kapseln enthalten je drei Samen, die sehr ölhaltig sind. Rizinusöl war lange als ein mildes, auch für Kinder geeignetes Abführmittel bekannt, obwohl die Samen äusserst giftig sind. Der Eiweissstoff Rizin übertrifft in seiner Toxizität sogar noch Cyankali, und bereits drei Milligramm des gegen alle Verdauungsfermente stabilen Proteins wirken tödlich. Bei der Ölgewinnung bleibt das hochgiftige Rizin im Presskuchen zurück; und das Rizinusöl enthält keine toxischen Komponenten mehr. Dies übrigens ähnlich wie bei der grünen Gartenbohne, die erst durch Kochen und Hitze ihre giftigen Eiweissstoffe abbaut und geniessbar wird. Rizinus- oder Rizinenöl hat vor allem in der ökologischen Farbherstellung Bedeutung erlangt.

Makabere Rechenbeispiele

Mit tödlichen Giften und verheerenden Bakterien werden und wurden in der Vergangenheit jedoch nicht nur Einzelpersonen attackiert, sie dienten als biologische Waffen auch immer wieder der politischen Erpressung. «Die billigsten und effektivsten Waffen hat die Natur geschaffen.» Mit dieser Feststellung eröffnete der Friedensforscher Malcolm Dando seine Rede vor einigen Jahren an der Tagung «Biologische Waffen im 21. Jahrhundert» in Dresden. Der Biologie-Professor an der University of Bradford in England lieferte auch gleich den Hintergrund für seine Aussage.

Kühl rechnete er vor, wie teuer es ist, einen Quadratkilometer Fläche zu verheeren: Bei Atombomben und chemischen Waffen müssen erhebliche Summen investiert werden, bei Biowaffen dagegen nur ein Taschengeld: 10 Kilogramm Milzbrand-Bakterien töten bis zu 300 000 Menschen, eine Wasserstoffbombe von mehreren Megatonnen dagegen maximal die Hälfte. Makabre Rechenbeispiele.

Beim Einsatz von Krankheitskeimen als Waffe gegen potenzielle Feinde war bisher immer eine Hemmschwelle zu beobachten, können die Biowaffen doch auch auf jene zurückschlagen, die sie einsetzen. Mit der Entdeckung der Milzbrandbakterien durch Robert Koch im Jahre 1876 wurde die Bakteriologie begründet. Die biologische Kriegsführung ist zwar nicht die unausweichliche Folge des wissenschaftlichen Fortschritts – doch regte sie unbestreitbar die Fantasie von Verbrechern wie Militärs an.

Pockenviren als Waffe

Einem zeitgenössischen Bericht zufolge haben die Belagerer der Stadt Caffa in der Ukraine, einst ein genuesischer Aussenposten auf der Krim, im Jahr 1346 Pestleichen über die Stadtmauer katapultiert. Daraufhin brach in der Stadt die Pest aus. Die Bewohner flohen auf Schiffen nach Italien und schleppten die Seuche so in die Hafenstädte ein. Damit wurde der Seuchenzug des «Schwarzen Todes» ausgelöst, der im 14. Jahrhundert mehr als einen Viertel der europäischen Bevölkerung dahinraffte.

Eine bewusste Auslösung einer Infektionskrankheit, der Pocken, geschah nachweislich im Jahr 1763 bei der Bekämpfung aufständischer Indianer. Es waren auch nicht die Spanier unter Hernando Cortez, die Montezuma und sein Riesenreich besiegten, sondern die bis dahin in Lateinamerika völlig unbekannten Pocken, die in Mexiko 30 Millionen Menschen dahinrafften, was letztlich den Widerstand der Azteken brach und den Spaniern die Machtübernahme ermöglichte.

Im grossen Stil eingesetzt wurde bisher «lediglich» das Nervengift Sarin vom Irak im Krieg gegen den Iran sowie vom chilenischen Diktator Pinochet gegen Oppositionelle. Aktuell wird Syriens Regime vorgeworfen, bei einem Angriff in Aleppo das Giftgas verwendet zu haben. Doch trotz allen potenziellen Gefahren: Die Geschichte der biologischen Waffen ist vor allem eine der Nichtanwendung. Und das ist immerhin eine positive Botschaft.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.


Foto: Ilona Knieriemen, mauritius-images.com

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