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Der Charme der stinkenden Rose

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_05_2013 - 01.05.2013

Text:  Heinz Knieriemen

Feine Nasen aufgepasst: Im Juli treffen sich in Kalifornien heuer bereits zum 35. Mal Knoblauchverehrer aus der ganzen Welt. Am Garlic-Festival feiern sie die kulinarischen und gesundheitlichen Vorzüge der Knolle.

Ob man zum ersten Mal hingeht oder Stammgast ist, das Gilroy Garlic Festival in Kalifornien ist und bleibt ein duftendes Erlebnis für alle Knoblauchfreunde. Drei Tage lang dreht sich fast alles um den Knoblauch – es gibt Knoblauch-Kochwettbewerbe, eine Feinschmecker-Avenue, Handwerksstände und auch eine Jury, die das Dargebotene bewertet. Weit bis aufs Meer hinaus schwebt eine Duftwolke von Knoblauch. «Lovers of the stinking rose», Liebhaber der stinkenden Rose, nennen sich amerikanische Knoblauchfans, die sich in einem Klub im kalifornischen Berkeley zusammengeschlossen haben.

Knoblauch gehört wie der Spargel, der Schnittlauch und die Zwiebel zur etwa 300 Mitglieder zählenden Lauchfamilie und wird als Marspflanze der noch weiter verzweigten Sippe der Liliengewächse zugeordnet – wie die Tulpe und das Maiglöckchen. Die Maiglöckchen ins Poesiealbum und die Lilien in die Hände von Jungfrauen und Bräuten. Und der Knoblauch?

Nicht nur Vampire scheinen ihn zu fürchten. «Seine Kräfte sind heiss und liebeweckend und bringen den Frommen ab vom rechten Weg», heisst es beispielsweise in einem Lehrsatz brahmanischer Priester in Indien. Die Brahmanen, die oberste Kaste der Hindus, bezeichnen Knoblauch als «tamasic», als sinnesbetäubend, und rühren ihn daher nicht an. Den buddhistischen Mönchen war Knoblauch aus demselben Grund verboten. Und auch der römische Senat untersagte den Knoblauchgeniessern den Besuch des Kybele-Tempels und der Rituale zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttin, da er wilde Ausschweifungen befürchtete.

Ganz anders sah das Maurice Mességué, der berühmte Phytotherapeut aus der Gascogne. Einem potenzschwachen Mann riet er, sich das Rückgrat mit Knoblauch einreiben zu lassen. In Mességués Heimat ist es Brauch, den Buben bei der Taufe einen Tropfen Branntwein und etwas Knoblauch über die Zunge zu streichen, damit sie lebenstüchtig und viril heranwachsen, fast wie bei den Kampfhähnen, denen man Knoblauch ins Futter mischt.

Stinkt und tut gut

Stinkbalster, Knobel, Knofl, Chnobli oder Stinkrose ist ein eigentliches Lebenselixier. Das hat eine Vielzahl guter Gründe: Knoblauch regt die Verdauung und den Stoffwechsel an, beschleunigt die Ausscheidung giftiger Stoffe. Blutkreislauf, Blutfettwerte, Blutdruck und Sauerstoffversorgung der Organe, vor allem des Herzens, werden günstig beeinflusst – und schliesslich wirkt regelmässiger Knoblauchgenuss der Arteriosklerose, der Verkalkung der Arterien, entgegen.

Vor allem aber tut regelmässiger Knoblauchgenuss Magen und Darm gut. Das in der Knolle enthaltene Öl wird zum Teil im Dünndarm resorbiert und gelangt über den Blutkreislauf in die Lungen, wo es – ähnlich wie beispielsweise das ätherische Öl des Thymians oder des Fenchels – mit der Atemluft abgegeben wird. In der Atemluft sorgt Knoblauch für Schleimverflüssigung und Keimhemmung. Deshalb ist er seit alters her ein Mittel, das bei Atemwegserkrankungen, insbesondere Bronchialverschleimung, eingesetzt wird. Ähnlich wie beim nahen Verwandten, der Zwiebel, ergänzen sich hier die schleimlösenden Wirkungen mit den keimhemmenden. Natürlich wird mit der Atemluft Knoblauchöl auch wieder ausgeatmet und verursacht den berühmt-berüchtigten Geruch.

Zu allen Zeiten und in vielen Ländern hat der Knoblauch Namen bekommen, die ihn auszeichnen und ihm Achtung zollen: Wunderzwiebel, Allheilmedizin, Segen der Armen und Liebeskraftverleiher. Es ist keine Schwärmerei von Naturaposteln, sondern durch langjährige Beobachtung gesicherte Erkenntnis, dass bei den Knoblauch essenden Völkern Herzkrankheiten, Altersdemenz und sogar Krebs seltener auftreten.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Fotos: fotolia.com, krossbow / flickr / cc

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