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Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_04_2013 - 01.04.2013

Text:  Sabine Hurni

Gegen die Schwerkraft transportieren die Venen das Blut hoch zum Herzen – eine anatomische Meisterleistung. Die warme Jahreszeit, langes Sitzen und Stehen und erbliche Faktoren können das System schwächen.

Zeigt her eure Füsse, zeigt her eure Schuh», heisst es im Kinderlied über die fleissigen Wäscherinnen. Nach den langen Monaten, in denen die Füsse in schweren Winterstiefeln eingepfercht waren, verlocken die ersten warmen
Frühlingstage zum Schuhwechsel. Ein paar mutige Sonnenhungrige wagen sich gar schon mit blossen Füssen an die frische Luft.

Der Frühling ist die Zeit, in der die Winterlethargie einem neuen Tatendrang weicht und die Lust auf Bewegung von alleine erwacht. Die Venen freuts. Denn Bewegung ist die wirksamste Vorsorge für die Gesunderhaltung der Blutgefässe. Sie transportieren das Blut entgegen der Schwerkraft von den Füssen hoch zum Herz. Eine wahre Meisterleistung, die sie mit Hilfe von einigen anatomischen Feinheiten bewältigen. Venen bestehen aus elastischem Bindegewebe, das ausschliesslich mit Hilfe von umliegenden Muskeln in Bewegung gehalten wird. Überdies enthalten die Adern sogenannte Venenklappen. Wie innere Treppenstufen verhindern sie, dass das Blut nicht mit jedem Herzschlag wieder in die Füsse sackt, sondern nach und nach kleine Teilstrecken bewältigen kann. Voraussetzung für ein reibungsloses Funktionieren sind ein kräftiges Bindegewebe, bewegte Muskeln und ein gesundes Herz. Neben dem Transport des sauerstoffarmen Blutes hinauf zum Herz, sorgen die Venen aber auch für den Wärmeausgleich im Körper. Sind die Aussentemperaturen erhöht, weiten sich die Blutgefässe aus, damit die Körpertemperatur trotzdem konstant bleibt.

Prävention ist das A und O

Die Qualität des Bindegewebes ist zu 70 Prozent erblich bedingt. Ein Blick auf die Beine der Eltern verrät somit bereits viel über die geforderte Intensität der zu treffenden Vorsorgemassnahmen. Ist das Bindegewebe schwach, können die Venen regelrecht ausleiern. Vor allem in Zeiten in denen sie stark beansprucht werden. Zum Beispiel bei langem Stehen, in der Schwangerschaft, auf Flugreisen aufgrund der Druckveränderung und des langen Sitzens sowie bei sehr heissen Temperaturen. Sobald die Venen sich ausweiten, schliessen die Venenklappen nicht mehr gut und das Blut bleibt länger in den Knöcheln als erwünscht.
Oft tritt gleichzeitig Flüssigkeit ins umliegende Gewebe aus. Das führt dazu, dass die Füsse, Knöchel und Waden anschwellen, schmerzen und sich schwer anfühlen.

Wer schon in jungen Jahren eine Veranlagung zu Venenbeschwerden spürt, einer Arbeit nachgeht, in der man viel stehen oder sitzen muss oder abends öfters geschwollene Knöchel hat, soll früh genug vorsorgen. Zum Beispiel mit Ausdauersportarten wie Radfahren, Walken, Joggen und Marschieren. Besonders Schwimmen ist ein idealer Sport zur Kräftigung des Bindegewebes. Innerlich kann Kieselsäure (Silizium) das Bindegewebe nachhaltig stärken. Sie ist im Schachtelhalm und in der Brennnessel reichlich enthalten. Überhaupt ist bei Venenbeschwerden und zur Stärkung des Bindegewebes eine ausgewogene, basenreiche Ernährung angezeigt. Gemüse und Früchte dürfen nicht fehlen, allzu Salziges, Öliges und Frittiertes sollte vermieden werden. Ebenso stark erhitzende Lebensmittel sowie extrem scharfe Speisen, Kaffee, Alkohol oder Nikotin. Dies alles vor allem in den Monaten April bis September. Weil die venösen Blutgefässe in den warmen Monaten viel stärker gefordert sind, sollten sie in diesen Monaten gezielt unterstützt werden.

Im Frühjahr mit Kur beginnen

Auch geeignete Heilmittel müssen nicht über das ganze Jahr hinweg eingenommen werden. Wer im Frühjahr beginnt, kommt im Sommer gut über die Runden. Rosskastanie, Weinlaub und Mäusedorn schützen vor geschwollenen Füssen, müden Beinen und schmerzhaften Knöcheln. Die Rosskastaniensamen enthalten das Triterpenglykosid Aescin, Flavonoide und Cumarine. Diese Kombination wirkt kräftigend auf die Adern und verhindert, dass Flüssigkeit ins Gewebe austritt und so eine Schwellung verursacht. Die Wirksamkeit von Mäusedorn (Rusci aculeati rhizoma) wird den Steroidsaponinen Ruscin und Ruscosid zugeschrieben. In Experimenten konnte gezeigt werden, dass Ruscus-Extrakte die glatte Muskulatur in der Gefässwand aktivieren können. Das stärkt und stützt die erweiterten, venösen Gefässe. Der rote Weinlaubextrakt (Vitis viniferia folium) enthält als Hauptwirkstoff Flavonoide. Sie dichten die Gefässwände ab und beugen so Ödemen und Schwellungen vor.

Weitere Tipps für gesunde Venen in den warmen Monaten
• Ernährung: Während im Frühling scharfe und kräftig gewürzte Speisen ihre Berechtigung haben, sollten Chili, schwarzer Pfeffer, Zwiebeln und Knoblauch im Sommer nur noch zurückhaltend zum Einsatz kommen, weil sie den Körper durch ihre Scharfstoffe erhitzen. Besser sind frische Kräuter, Obst und Gemüse. Ebenso Joghurt und Frischkäse.
• Bewegung: Stop and Go-Sportarten wie Handball, Fussball oder Tennis können sehr anstrengend sein für die Venen. Besser sind sanfte Ausdauersportarten wie Schwimmen, Rad fahren, zügig Marschieren, Wandern, Joggen und Walken.
• Gut stützen: Verkäuferinnen, Coiffeusen und Flugbegleiterinnen leiden berufsbedingt im Sommer häufig an geschwollenen Knöcheln und müden Beinen. Echte Hilfe bieten Stützstrümpfe oder Stützkniestrümpfe, die dafür sorgen, dass die Beine auf der Höhe der Knöchel komprimiert werden, so dass sich dort keine Gewebeflüssigkeit ansammelt. Inzwischen gibt es auch elegante Variationen von Stützstrümpfen, die kaum von normalen Nylonstrümpfen zu unterscheiden sind.
• Kalte Güsse: Morgens beim Duschen, oder nach Möglichkeit auch zwischendurch, können kalte Güsse oder Wassertreten in kaltem Wasser wahre Erlösung bieten. Bei den Güssen sollte man beachten, dass man beim rechten Bein an der Aussenseite beginnt, zum Bauchnabel hoch und an der Innenseite zurück. Dann dasselbe links. Wer einen Brunnen in der Nähe hat, soll zwischendurch allen Mut zusammennehmen und im kneippschen «Storchengang» hindurch schreiten, sofern es die Brunnenform und die Situation erlaubt.
Leber stärken: Wer mit den Venen Probleme hat, sollte Leber- und Gallentätigkeit stärken. Die Leber ist die Produktionsstätte des Blutes. Sie ist also eng mit dem Blut- und Kreislaufsystem verknüpft. Vermeiden Sie deshalb im Sommer den Genuss von grossen Mengen Kohlenhydraten, essen Sie nicht zu fettig und nicht zu spät am Abend. Heilmittel für die Leber und die Galle sind Löwenzahn, Mariendistel und die Pfefferminze.
• Schüssler-Salze: Die Schüsslersalze Nr. 1 (Calcium phorphoricum) und Nr. 11 (Silicea) geben den Venen die nötige Stabilität und Elastizität. Zwei Mineralsalze, die über den ganzen Sommer hinweg eingenommen werden können. Unterstützung bietet auch die Nr. 4 (Kalium chloratum) und die Nr. 8 (Natrium chloratum) für die Fliessfähigkeit des Blutes und den Flüssigkeitshaushalt.

Waldmeister stärkt die Venen

Nicht wissenschaftlich erforscht, in der Volksheilkunde aber ein ausgewiesenes Heilmittel, ist Waldmeister (Asperula Odorata). Während seiner Blütezeit von April bis Juni, ist das Kraut reich an Cumarinen, Gerb- und Bitterstoffen. Das macht die Heilpflanze in der Volksmedizin zu einer ziemlich breit eingesetzten Teedroge. Waldmeister kann zum Beispiel eine beruhigende Wirkung auf das Herz haben und den Schlaf fördern.

Den Cumarinen wird eine venenstärkende und abschwellende Wirkung zugesprochen. Ebenso können die Cumarine Kopfschmerzen und Migräne lindern. Aber Vorsicht! Wer Cumarine zu lange und zu hoch dosiert zu sich nimmt, kann genau das Gegenteil bewirken – die Kopfschmerzen werden stärker. Waldmeistertee hilft auch bei Durchblutungsstörungen, Periodenkrämpfen, Leberleiden und zur Blutreinigung. Er unterstützt die Leberaktivität und kann gelegentliche Magenschmerzen lindern. Äusserlich angewendet eignet sich das Kraut als Badezusatz oder zerquetscht als Umschlag bei Ausschlägen und zur Behandlung von schlecht heilenden, eitrigen Wunden.

Der Waldmeister ist eine heimische Pflanze, die auf kalkreichen Böden, in lichten Wäldern wächst. Man erntet sie während ihrer Blütezeit Ende April bis Anfang Juni. Ganz typisch ist zu dieser Zeit ihr aromatischer Duft, der früher gerne als Duftmittel für die Wäsche verwendet wurde. Oft kommt er erst zur Geltung, wenn die gepfl ückte Pflanze langsam welkt.

Zum Trocknen legt man die frisch geernteten Waldmeisterpflanzen an einen belüfteten Ort im Schatten. So können dunkle Verfärbungen verhindert werden. Sobald das Kraut trocken ist, bewahrt man es in dunklen, gut verschlossenen Behältern auf. Für die Teezubereitung setzt man zwei Teelöffel des frischen, blühenden Krautes (oder ein Teelöffel des getrockneten Krautes) über Nacht mit einer Tasse voll kaltem Wasser an. Am Morgen kann man den Tee abseihen und trinken. Wichtig: Nicht überdosieren. Mit ein bis zwei Tassen täglich kann bereits eine Heilwirkung erzielen.

Fotos: fotolia.com

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