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Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe_03_2013 - 01.03.2013

Text:  Heinz Knieriemen

Heinz Knieriemen über Huflattich und andere altbewährte Heilmittel geraten durch übereifrige Laboranalytik plötzlich in Verruf, um kurze Zeit später von den gleichen Stellen doch wieder rehabilitiert zu werden.

Der Huflattich gehört zu den ersten Frühjahrsblumen, deren Blüten vor der Entwicklung der Laubblätter erscheinen. Im Jahr 1994 wurde er in Deutschland als Heilpflanze des Jahres geehrt, doch zwei Jahre später wurde der Huflattich, ein altbewährtes Mittel gegen Husten, durch die Laboranalytik zu einem Kraut mit grossen Gefahren für die Gesundheit herabgestuft.

Massgeblich zur Verteufelung des Huflattichs beigetragen hat die deutsche sogenannte E-Kommission, die wissenschaftliches und erfahrungsheilkundliches Material zusammengetragen und neu bewertet hat. Mit den daraus entstandenen Monographien der Heilpflanzen wurde eine Standardisierung und ein Wirksamkeitsnachweis angestrebt. Im Rahmen dieser Analytik stiess die Kommission auf die Pyrrolizidin-Alkaloide, die im Tierversuch krebserregend und leberschädigend wirken. Nun sind die Aussagen der Tierversuche umstritten bis nichtssagend, da Stoffwechselvergleiche Mensch-Tier auch immer eine Frage der Dosis sind.

Umfassendes Pflanzenwissen

Der Buchautor Wolf-Dieter Storl, ein hervorragender Kräuterkenner, spricht beim Huflattich von einer mehr als 1000-fachen Überdosierung, mit der Mäuse in Tierversuchen zu Tode gequält worden sind, um zu fragwürdigen Ergebnissen zu kommen. Vermutlich könnte auf diese Art und Weise das gleiche Ziel auch mit der Gabe von Apfelsaft erreicht werden. Der Hintergrund ist klar: Wo kommen wir schliesslich hin, wenn jede Familie den Husten mit eigenen Tee- oder Sirupmischungen lindert und heilt und die Fertigpräparate und Arzneimittel in den Regalen stehenbleiben?

Für mich bildet daher das breitgefächerte Pflanzenwissen des verstorbenen Solothurner Drogisten Robert Quinche eine tragfähigere Grundlage, um mir ein Urteil über Heilwirkungen und Gefahren bilden zu können. Er rät, die Anwendung von Huflattich nicht über die Heilindikation hinaus auszudehnen, was übrigens auch für andere sogenannte Forte-Pflanzen wie Wermut oder Thymian gilt. Ein Huflattichtee ist also im Gegensatz zu den Zubereitungen mit Lindenblüten, Hagebutten oder Fruchtschalen kein geeignetes Getränk, um den täglichen Bedarf an Flüssigkeit zu decken. Wenn er seinen Zweck erfüllt hat, nämlich den Husten zu lindern, sollte er besser doch wieder abgesetzt werden.

Kaum haben die Märzensonne und der Föhnwind mit dem Schnee aufgeräumt, schauen die ersten Huflattichblüten goldgelb aus dem feuchten Braun der Erde hervor. Wir finden sie an Wald- und Wegrändern, in Kiesgruben und Schutthalden. Erst später spriessen auch die Blätter an kurzen Stielen aus den Knospen, sattgrün und mit gezähnten Rändern. Ein weisser Flaum bedeckt die Unterseite. Neben vielen weiteren Inhaltsstoffen enthält Huflattich heilende Substanzen für entzündete Schleimhäute, die besonders bei Reizhusten und zur Förderung des Auswurfs wirksam sind. Das geht auch aus der lateinischen Bezeichnung des Huflattichs hervor: Tussim agere = gegen Husten wirksam, den der Korbblütler auch im botanischen Namen Tussilago farfara noch trägt.

Hilft auch bei müden Beinen

Ein Tee ist schnell bereitet: Wir übergiessen einen gehäuften Teelöffel der geschnittenen Blätter und Blüten mit einer Tasse kochendem Wasser und lassen sie fünf Minuten ziehen. Der Tee kann mit etwas Honig gesüsst werden. Selbstverständlich kann der Tee auch durch Pflanzen mit ähnlichen oder ergänzenden Heilindikationen wie Anis, Fenchel oder Thymian angereichert werden. Sie können den Huflattich selber sammeln und die anderen Bestandteile hinzufügen. Des Weiteren kann starker Huftlattichtee mit Kleie angerührt werden. Das ergibt eine gute Gesichtsmaske bei unreiner Haut. Und nach langen Wanderungen mit müden oder leicht entzündeten Füssen hilft ein Wickel
mit zerquetschten Huflattichblättern.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT-Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: fotolia.com, schaefer_rudolf / flickr / cc

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