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Die bittere Süsse des Zuckers

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 12 - 2012 - 01.12.2012

Text:  Heinz Knieriemen

Weltweit steigt rasant die Zahl von Diabetes-Erkrankungen bei Kindern. Ein Faktor dafür sind industriell hergestellte Nahrungsmittel, ein anderer die vielen Kaiserschnitte.

Achtung: Hat Ihr Kind immer Durst, muss es oft auf die Toilette, ist es gereizt, müde, nimmt an Gewicht ab und klagt über schlechtere Sehleistung – dann können das Anzeichen für Diabetes Typ I sein. Bei dieser Stoffwechselerkrankung produziert die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Insulin. Und dieses Hormon reguliert den Blutzuckerspiegel – ein lebenswichtiger Prozess.

Die Zahl der Diabetes-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ist in den letzten Jahren drastisch angestiegen, und bei vielen kleinen Diabetikern wird die Krankheit viel zu spät entdeckt. Diese Stoffwechselerkrankung muss jedoch frühzeitig erkannt werden, um körperliche Folgeschäden zu verhindern.

Die Zahlen insgesamt sind erschreckend: In der Schweiz schätzt man, dass rund 350 000 Personen an Diabetes erkrankt sind, weltweit sollen es fast 300 Millionen sein. Gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO starben 2010 schätzungsweise mehr als 5 Millionen Menschen an den Folgen von Diabetes-Erkrankungen. Man unterscheidet in zwei Typen:
• Typ I Jugenddiabetes. Rund 10 Prozent der Betroffenen benötigen tägliche Insulinspritzen.
• Typ II Altersdiabetes. Etwa ein Drittel der Betroffenen braucht täglich Insulin zur Kontrolle der Krankheit.
Besonders auffällig ist hier, dass sich die Erkrankungen vom Typ II vom Alter immer mehr in die Jugend verschiebt. Die wichtigsten auslösenden Faktoren sind Bewegungsmangel, Fehlernährung mit Übergewicht – häufig verbunden mit Bluthochdruck. Die Fettzellen solcher Menschen sind gegen Insulin unempfindlicher geworden, sodass sie erheblich mehr Insulin benötigen. Dieses Mehr an Arbeit muss die Bauchspeicheldrüse verrichten, bis sie erschöpft.

Diabetes kann in jedem Kindesalter auftauchen, am häufigsten geschieht das jedoch ab dem 5. Lebensjahr und zu Pubertätsbeginn. Ein kürzlich in der Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlichter Artikel geht von einer Verdopplung neuer Fälle von Typ-I-Diabetes bei europäischen und amerikanischen Kindern unter 5 Jahren und einem Anstieg von insgesamt 70 Prozent bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren aus – eine Krankheitsrate, die in einem 10-Jahres-Rhythmus über alle vorherigen Prognosen hinausgeht.

Zucker macht krank

Bei der heutigen Ernährung kommen viele Kohlenhydrate aus industriell weiterverarbeiteten Produkten mit Weissmehl und Zucker, vor allem den aus Maisstärke gewonnenen Einfachzuckern wie Glukose und Glukosesirup. Diese Form der Kohlenhydrate wird schnell vom Körper in Energie umgewandelt und in die Blutbahn aufgenommen. Das löst einen hohen Insulinbedarf aus.

Bei weitgehend naturbelassener, nicht bearbeiteter Nahrung wirkt die Zellstruktur der Stärke und Faserstoffe als Barriere gegen einen schnellen Abbau. So steigt nach Verzehr von 25 Gramm Kohlenhydraten aus industriell zugefügtem Traubenzucker (Glucose) – der nichts mit Trauben zu tun hat, sondern aus Mais gewonnen wird – der Blutzuckerspiegel um 92 Prozent an. Wird dieselbe Menge Traubenzucker mit einem grossen Apfel aufgenommen, so steigt der Blutzuckerspiegel lediglich um 35 Prozent. Die gleiche Menge Kohlenhydrate erfordert also je nach Art der Ernährung unterschiedliche Mengen Insulin.

Ein hoher Blutzuckerspiegel durch schnell resorbierte Kohlenhydrate regt eine Insulinproduktion über Bedarf an. Hierdurch fällt der Blutzuckerspiegel rasch wieder ab; der niedrige Blutzuckerspiegel löst wiederum Hungergefühle aus, was zu einem eigentlichen Teufelskreis, zu einem Suchtverhalten führen kann. Genau diese Situation treffen wir heute bei vielen Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen an, die durch die Schlaraffisierung ihres Alltags, durch ständige Werbeverführung für Ungesundes und Krankmachendes zur Sucht erzogen werden.

Fehlentwicklungen von Geburt an

Prägungen im Säuglings- und Kleinkindalter haben einen massgeblichen Einfluss auf die Gesundheit. Körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes bei ihrem Kind bereits erheblich.

Was Hebammen in ihrer Alltagsarbeit bereits seit langem feststellen, wird nun von einem Wissenschaftler-Team unter Leitung von Anette-Gabriele Ziegler, Vorsitzende des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, bestätigt: Per Kaiserschnitt entbundene Kinder haben laut einer Studie ein mehr als doppelt so hohes Risiko, an Diabetes Typ I zu erkranken, als bei einer natürlichen Geburt zur Welt gekommene.

Eine Erklärung dafür sieht die Forscherin in der Tatsache, dass ein Kaiserschnitt die Zusammensetzung der kindlichen Darmflora verändert und damit die Entwicklung von Autoimmunkrankheiten begünstigt. «Somit ähnelt die Darmflora dieser Kinder der gestörten Darmflora von Diabetikern», erklärt Ziegler. Ein weiterer Beleg dafür sei, dass mit der Verdoppelung der Diabetes-I-Fälle von Kindern sich gleichzeitig auch die Zahl der Kaiser- und Dammschnitte etwa im gleichen Ausmass erhöht hat.

Weltweit wurden nach Angaben der WHO im Jahr 2011 für die Behandlung von Diabetes über 336 Milliarden Franken aufgebracht, was einem Anteil von 11,6 Prozent an den gesamten Ausgaben für Gesundheit und Pflege entspricht. Und: Obgleich 70 Prozent der Diabetiker in ärmeren Ländern leben, wurden mehr als 80 Prozent des Geldes in den reichsten Nationen der Welt ausgegeben.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Laborwissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika.

Foto: fotolia.com

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