Artikel Gesundheit :: Natürlich Online

Im Strahlenmeer

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 11 - 2012 - 01.11.2012

Text:  Andreas Krebs

Immer und überall mit der Welt vernetzt sein: Die Technikeuphorie ist ungebrochen. Experten warnen vor zunehmender Strahlenbelastung, offizielle Stellen beschwichtigen – und immer mehr Leute leiden durch Handys, WLAN und Co.

Gemäss Umfrage des Bundesamts für Umweltschutz (Bafu) aus dem Jahre 2004 litten bereits damals fünf Prozent der über 14-Jährigen an elektromagnetischer Hypersensibilität (EHS). Am häufigsten brachten sie Schlafstörungen und Kopfschmerzen mit Expositionen durch Stromleitungen und Mobiltelefone in Verbindung. Weitere 53 Prozent der Befragten äusserten sich besorgt hinsichtlich gesundheitlicher Risiken durch elektromagnetische Felder (EMF). Doch Mikrowelle, Induktionsherd, Schnurlos- und Babytelefon, Bluetooth und WLAN, Tablet-PC und Handy sind zum Standard geworden. Im Zug, im Café, in der Schule, am Arbeitsplatz, auf dem Sofa, im Bett – überall geht es bequem und per Highspeed ins World Wide Web.

Es wird aufgerüstet

Immer mehr Techniken arbeiten mit sogenannt gepulsten Dauersendern: neben WLAN und Bluetooth zum Beispiel UMTS, DECT, WIMAX, DVB-T, Tetra, Digital-TV und -Radio; die durch den Äther geschickten Datenmengen sind gigantisch. Laut Biologe und Physiker Ulrich Warnke ist der technische Funk ein «Angriff auf die Matrix des Lebens». Seit 1969 forscht er über die Wirkungen elektromagnetischer Schwingungen und Felder auf Organismen. Und der Baubiologe und Autor Wolfgang Maes schreibt: «Die Mikrowellen des Mobilfunks und der vielen Schnurlostechniken in den Häusern sind der grösste und uneinschätzbarste physikalische Eingriff in die natürliche Umwelt seit Menschengedenken. Es geht um eine milliardenfach stärkere technische Überlagerung der sensiblen biologischen Ordnung. Wie Mensch, Tier, Baum, Wetter, die ganze Natur jetzt oder in folgenden Generationen darauf reagieren, das ahnt – geschweige weiss – noch keiner.»

Der Funk stösst zunehmend an seine physikalischen Grenzen und stört sich gegenseitig. Wenn die eine Computermaus die andere beeinflusst, ist das ärgerlich. Wenn aber Polizei- und Rettungsfunk gestört werden – wie das in manchen Grossstädten der Fall ist –, kann das verheerende Folgen haben. Mit Glasfaserkabel könnte man weit mehr Daten zwar immobil, aber unproblematisch transportieren. In Bayern, Italien und Frankreich wird in Schulen aus Gesundheitsgründen wieder via Kabel gesurft; Handys sind verboten.

Bei Anruf Hirntumor

Derweil machen immer mehr Menschen geltend, dass sie unter den künstlichen Strahlen leiden. Man geht heute von 10 bis 15 Prozent aus, die an EHS leiden. Seit Beginn des flächendeckenden Mobilfunks vor gut 20 Jahren verzeichnen Ärzte auch signifikant mehr psychische Krankheiten, Krankheiten der Nerven- und Sinnesorgane, Stoffwechselprobleme und Tumore. Das mag vielerlei Gründe haben. Ein Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern wird oft verneint. Obwohl seit vielen Jahren Studien darauf hinweisen; mittlerweile Tausende.

Die Grenzwerte seien sicher, wiederholt die Industrie gebetsmühlenartig und verweist auf entsprechende Studien. Dahinter steckt System, wie eine Untersuchung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern vermuten lässt. Es hat 59 Studien (aus den Jahren 1995 bis 2005) zu gesundheitsrelevanten Effekten der Mobilfunkstrahlung untersucht und kam zum Schluss: «Studien, die nicht von der Industrie finanziert wurden, fanden zehnmal häufiger statistisch signifikante Effekte als solche, die rein von der Industrie finanziert wurden.»

Schutz gegen Elektrosmog
1. Über das Festnetz, statt mit dem Handy telefonieren.
2. Schnurlos-Haustelefone, die nicht mit Ecomode-Plus arbeiten, ersetzen und entsorgen. Besonders zu empfehlen sind schnurgebundene, magnetfeldfreie Piezotelefone.
3. Kein WLAN im Haus. Internet und TV nur über das Festnetz und hausintern über Kabel. WLAN-Funktion am PC deaktivieren.
4. Wenn auf einem Nachbardach oder Nachbargrundstück eine Mobilfunkantenne geplant ist, Einsprache erheben. In 1. Instanz ist dies ohne Kostenfolge, ausgenommen im
Kanton Zürich.
5. Keine 80-Prozent-Energie-Sparlampen verwenden. Diese erzeugen Hochfrequenz-Felder zwischen 42 und 50 kHz (entspricht Langwellen-Radiosendern). Alternative: 30-Prozent-Sparlampen (Birnen) mit Hochvolt- Halogen-Einsatz.
6. Keine Magnetfeld-Kochherde (Induktions-Kochherde) verwenden.
7. Radiowecker nur mit Batterie und nicht mit Netzgerät verwenden. Bei Schlafproblemen vom Elektro-Installateur für die Schlafräume Netzfreischalter einbauen lassen.
8. Falls sich im Untergeschoss Ihres Hauses eine Trafostation befindet, beim Elektrizitätswerk eine fachgerechte Abschirmung der Trafos und weiterer Apparaturen oder eine Verlegung ausser Haus verlangen.
9. Falls in Ihrer Umgebung eine neue oberirdische Hochspannungs- Leitung geplant ist oder eine bestehende aufgerüstet werden soll, Einsprache erheben. Solche Leitungen gehören heute unter den Boden, wo sie 10- bis 100-mal kleinere Magnetfelder verursachen.
Niederfrequente Felder, wie unter Punkt 8 und 9 beschrieben,
lassen sich nur an deren Quellen abschirmen. Alles andere ist wirkungslos oder unbezahlbar teuer. Empfehlungen von Gigaherz.ch, der Schweizerischen Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener.

Es klingeln die Kassen

Wenn nur die ökonomischen Zwänge nicht wären. Gemäss Economiesuisse, dem Dachverband der Schweizer Wirtschaft, generierte die Informations- und Kommunikationsbranche 2010 eine Wertschöpfung von rund 25 Milliarden Franken. Im Februar 2012 hat die Eidgenössische Kommunikationskommission Frequenzpakete für knapp 1 Milliarde Franken versteigert. Dies entspricht den Konzessionsgebühren bis Ende 2028 für alle Mobilfrequenzen. Zusätzlich bezahlen die drei Mobilfunkbetreiber jährlich etwa 11,5 Millionen Konzessionsgebühren und 10 für die Zubringernetze. Es steht viel digitaler Kommerz auf dem Spiel.

Literaturtipps
• Wolfgang Maes: «Stress durch Strom und Strahlung», Institut für Baubiologie + Ökologie IB, 2005
• Silvio Hellemann: «Funklos glücklich», Synergia 2011
• Barbara und Peter Newerla: «Strahlung und Elektrosmog», Neue Erde 2007
• Barbara und Peter Newerla: «Elektrosmog – Abhilfe leicht gemacht»,
Neue Erde 2009

Fotos: Patrice Kunte, flickr / Kecko / cc, flickr / twicepix / cc, jenni from the block / flickr / cc

Tags (Stichworte):

Kategorie: Gesundheit

Aus eigener Kraft

Wer krank ist, eilt oft vorschnell zum Arzt. Dabei kann der Körper die meisten...

Kategorie: Gesundheit

Es juckt!

Ob durch Insektenstiche, Hautallergien oder aufgrund eines chronischen Leidens:...

Kategorie: Gesundheit

Allergie: Auf den Apfel kommt es an

Blasen, Schwellungen und Juckreiz: Mit diesen Symptomen reagieren...