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Sogenannt gute und schlechte Öle

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 07 - 2012 - 01.07.2012

Text:  Heinz Knieriemen

Es fehle uns an Omega-3-Säuren, verkünden Ernährungswissenschaftler seit ein paar Jahren unablässig. Humbug, sagt jetzt der österreichische Biochemiker Gerhard Spiteller. Lassen wir das Olivenöl also bloss nicht ranzig werden.

Deutsche und schweizerische Gesellschaften für Ernährung sorgen sich um die falsche Zusammensetzung der Omega-Fettsäuren im täglichen Speisezettel. Nach Meinung der Ernährungsüberwacher nehmen wir zu viel Omega 6 (Linolsäure) zu uns und zu wenig Omega 3 (Linolensäure). Eine der Begründungen: Unsere Vorfahren in weit zurückliegenden Generationen haben noch viel mehr Omega 3 zu sich genommen. Heute nimmt der Anteil von Omega 3 immer mehr ab. Grund genug für einen pseudowissenschaftlichen Gesundheitsaktivismus.

Ein Blick auf altbewährte Ernährungsgewohnheiten zeigt jedoch, dass die Empfehlungen jeder Grundlage entbehren. In Italien wird traditionell praktisch nur das Omega-3 arme Olivenöl verwendet, doch Italiener galten und gelten auch heute noch als gesundes Volk. In Russland war und ist Sonnenblumenöl weitverbreitet und bildet eine gesunde Nahrungsgrundlage, ganz ohne Omega-3-Gehalt.

Nicht gesünder als Butter

Was soll also der unsinnige Hinweis, in einer aus gewogenen Ernährung müsse weniger Sonnenblumen-, Maiskeim-, Distel- und Olivenöl verwendet werden, dafür mehr Omega-3-haltiges Raps-, Hanf-, Lein-, Soja-, Walnussöl und am besten noch angereicherter Functional Food oder Fischölkapseln?

Das mühsam konstruierte Gebäude von Ernährungsempfehlungen im Zusammenhang mit Speiseölen hat nun der in Bayreuth lehrende österreichische Biochemieprofessor Gerhard Spiteller zum Einsturz gebracht. Seine Aussage nach langjähriger Beschäftigung mit der Materie: Omega-3-Fettsäuren sind nicht gesünder als Schweineschmalz oder Butter – eine Erfahrung, die ich übrigens seit meiner Kindheit ohne gesundheitliche Probleme mache. Auch dass meine Familie und ich genau das geringgeschätzte, weil Omega-3-arme Sonnenblumen- und Olivenöl bevorzugen, zeigt keine negativen Auswirkungen.

Omega 3 als Wundermittel

Um nicht missverstanden zu werden: Wir brauchen die ungesättigten Fette, sie sind lebenswichtig. Da der menschliche Körper sie nicht selber herstellt, müssen sie mit der Nahrung aufgenommen werden. Vor mehr als 30 Jahren entdeckten Mediziner diese Substanz, und bereits kurz danach setzte ein Rummel um ihre Vermarktung ein. Omega 3 wurde zum Wundermittel hochstilisiert, von dem es hiess, es verhindere Krebs, Herzinfarkt, es wirke im Hirn, stärke den Geist, dämpfe Depressionen und bringe das Gedächtnis auf Trab.

Seit dieser Zeit werden die ungesättigten Omega-3-Zauberfette mehr oder minder aufdringlich all jenem beigemischt, was ohnehin schon Fett enthält: von Fischstäbchen über Gebäck bis hin zu Babynahrung, Joghurt, Brot und gar Eiern über Futterzusätze, und eben jenen Kapseln, die es in verschiedenen Omega-3-Dosierungen in Drogerien, den Gesundheitsregalen der Supermärkte und vor allem dem Internethandel gibt. Und Speiseöle werden in gute, weil Omega-3-reiche und minderwertige, weil Omega-3-arme eingeteilt.

Fragwürdig sind schon die Grundlagen, auf denen die Ernährungsempfehlungen beruhen. Es waren Versuche an krebskranken Ratten, mit denen die Hoffnung aufkeimte, reichlich Omega 3 könne Tumore zum Schrumpfen und Abklingen bringen. Wie der Biochemiker Spiteller gehen inzwischen jedoch viele Fachleute davon aus, dass mehrfach ungesättigte Fette wie etwa die Omega-3-Säuren ihren Ruf als Gesundheitselixiere nicht verdienen. Sie stellen sogar ein Risiko dar. In grossen Dosen seien sie in jedem Fall gesundheitsschädlich, sagt Spiteller.

Das sieht auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) so. Es fordert seit vergangenem Herbst Grenzwerte für ungesättigte Fettsäuren in Lebensmitteln und warnt davor, zuviel zu sich zu nehmen. Eine Überdosis schwäche die Immunabwehr, sorge für Blutungen und erhöhe bei Herzpatienten die Gefahr eines plötzlichen Herztodes. Kinder könnten sich durch Extrarationen von Omega 3 später Übergewicht und erhöhten Blutdruck einhandeln, heisst es in der Einschätzung.

Was bleibt: Wählen Sie das Speiseöl, das Ihnen mundet und zusagt, und verweigern Sie dem Omega-3-Rummel Ihre Gefolgschaft. In Feldsalat und Spinat etwa sind die nötigen ungesättigten Fettsäuren enthalten. Und laut der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA (Behörde zur Überwachung von Lebensmitteln und Medikamenten) wird bereits mit einer Handvoll Walnüsse am Tag, etwa 50 Gramm, der Bedarf an Omega 3 abgedeckt.

Zur Person
Seit über 20 Jahren setzt sich Heinz Knieriemen für «natürlich» kritisch mit den Methoden und den Auswirkungen der Schulmedizin und der Labor wissenschaft auseinander. Im AT Verlag hat er mehrere Bücher herausgegeben, unter anderem über Vitamine, Mineralien und Spurenelemente oder Inhaltsstoffe in Lebens mitteln und Kosmetika.

Foto: fotolia.com

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