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Sanftes Verweben

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 07 - 2012 - 01.07.2012

Text:  Lioba Schneemann

Tantra bedeutet in Sanskrit «verweben» und ist ein spiritueller Weg um mehr Lebensenergie, ein erfülltes Liebesleben und letztlich auch mehr Gesundheit zu erlangen.

Sex ist ein natürlicher Bestandteil des Lebens. Leidenschaftlich begehrt zu werden und zu begehren ist mehr als Verlangen und Wunsch. Das Thema begleitet Mann und Frau meist ein Leben lang. Die Beschäftigung mit dem Körper macht nicht nur Spass, sie macht auch munter und hält Geist und Körper fit. Allein schon Küssen schüttet einen Cocktail von Hormonen aus, und das Wasser, das einem dabei im Munde zusammenläuft, enthält allerlei Abwehrstoffe und Mineralien, die etwa das Immunsystem stärken und die Zähne vor Karies schützen.

Die Liste der positiven Effekte einer befriedigenden Sexualität ist lang und füllt ganze Bücher. Genauso kann sexuelle Unerfülltheit und ein unglückliches Liebesleben einen grossen Einfluss auf diverse Krankheiten haben. So fanden Forscher vom Institut für Bioenergetische Analysen in New York beispielsweise heraus, dass der Mangel an unerfüllter Liebe ein entscheidender Faktor für einen Herzinfarkt ist.

In Selbstliebe üben

Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir erst einmal in den Spiegel sehen. Denn Liebe und Sexualität beginnen bei sich selbst. Wer sich nicht mag und wertschätzt, wer keinen positiven Kontakt zum eigenen Körper entwickelt, hat es schwer, Liebe und Sexualität ohne Einschränkungen zu erfahren. «Die meisten Menschen lieben sich selbst nicht. Das ist für viele das grösste Problem», sagt Peter A. Schröter. Der Partner hat dann die unmögliche Aufgabe, das Loch der fehlenden Selbstliebe zu füllen. «Nur wenn ich mich selbst liebe und mein Bedürfnis nach Liebe nicht auf andere projiziere, steht mir der Weg zu wahrer Liebesfähigkeit offen», erklärt der Sexual-, Paar- und Körperpsychotherapeut. Seit über 30 Jahren führt er zusammen mit seiner Frau Doris Christinger in Zürich eine Praxis für Persönlichkeitsentfaltung. Einer der wichtigsten Schritte in ihrer therapeutischen Arbeit mit Singles und Paaren besteht darin, die Frauen und Männern erst einmal zu sich selbst zu führen. Die Aussage im Psycho-Jargon, «über das Ich zum Du», über das sich Loriot in seinem Film «Ödipussi» lustig machte, scheint also doch zu stimmen.

Den Kopf abstellen

Bedauerlicherweise trägt unsere Kultur nicht dazu bei, die Menschen in die höheren Genüsse und tieferen Wonnen der Sexualität einzuweihen. Dies mag vor allem daran liegen, dass Sexualität viel zu sehr im Kopf stattfindet. Schröter rät darum: «Die Menschen müssen vom Kopf in den Körper hinein.»

Durch die Medien haben wir unzählige Bilder im Kopf, was man unter Sexualität versteht oder verstehen soll, was vermeintlich richtig ist. Und alle scheinen zu wissen, wie es geht. Meist fehlt jedoch die eigene Erfahrung. Peter A. Schröter: «Einerseits sind wir extrem pornografisiert, andrerseits ist das Sexualleben der Menschen oft recht eintönig.» Es scheint zwar keine Tabus mehr zu geben, Ängste, Unsicherheiten und Scham sowie das Gefühl der Unzulänglichkeit seien jedoch immer noch ständige Begleiter vieler Männer und Frauen, weiss der Psychotherapeut. Die Medien verstärken diese Gefühle noch, denn sie vermitteln zum Teil abstruse Vorstellungen, wie gute Sexualität auszusehen hat. Und der Konsument glaubt dies oft kritiklos. Etwa die Mär von der Dauererektion, die man nur mit Potenzmitteln herstellen kann und vor allem muss. Dass sich offenbar, wie Sexualtherapeuten beklagen, zunehmend auch junge Männer nur noch mit der «blauen Pille» mit einer Frau ins Bett wagen, ist eine Folgerung von Internet und Werbung.

Die Komfortzone verlassen

Wir entfernen uns, so scheint es, immer weiter von einer glücklichen, gesunden, natürlich gelebten Sexualität. Man kann jedoch seine Liebesfähigkeit entwickeln. Eine Möglichkeit bietet Tantra. Peter A. Schröter und Doris Christinger arbeiten seit Jahrzehnten damit, sie leisteten im deutschsprachigen Raum Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Bezeichnenderweise reden sie von einer Lebens- und Liebesschule: Es gehe um eine «bewusste Hingabe an sich selbst, an einen anderen Menschen und an das Leben».

In den von den Therapeuten durchgeführten Kursen soll man nicht nur einen neuen Blickwinkel auf die Sexualität erhalten. Es geht bei den Tantra-Kursen, wie bei allen Meditationspraktiken, auch um die essenziellen Fragen: «Wer bin ich? Wer bin ich in Kontakt mit einem anderen? Was will ich, was will ich nicht?» «Wenn wir unbewusst bleiben, verharren wir in alten Reaktionsmustern, anstatt sie zu bearbeiten», erklärt Schröter. Das heisst, raus aus der Komfortzone und sich an die Grenzen herantasten. Dafür braucht es Mut. «Nur so findet Weiterentwicklung statt. Hier spüren wir Angst, aber auch die grosse Lebendigkeit. Wenn wir das aushalten, gewinnen wir an Freiheit.»

Tantra ist eine Art, das Leben zu betrachten und zu leben. Das Wort Tantra kommt aus dem Sanskrit und bedeutet «verweben». Es wurde vor über 2000 Jahren von buddhistischen Mönchen in Tibet entwickelt. Bei Tantra wird ein spiritueller Weg aufgezeigt, wie Sexualität, Liebe und Bewusstsein in Einklang gebracht werden. Mit tantrischen Techniken wird eine Veränderung und Entwicklung der Persönlichkeit und damit spirituelles Wachstum ermöglicht. Das ursprüngliche Tantra ist ein System, in dem die sexuelle Liebe heilig ist. Für die westliche Kultur wurde ein angepasstes Neo-Tantra entwickelt, das heute verschiedene Schulen lehren.

Sexuelle Energie verwenden

Im Gegensatz zu Zen oder Yoga betrachtet Tantra die Sexualität als Schlüssel zu spirituellem Wachstum, zur Ekstase und Erleuchtung. Der Körper gilt nicht als sündig, sondern nur durch ihn ist eine Verbindung mit dem Göttlichen möglich. Die sexuelle Energie wird für die persönliche Transformation verwendet. Im ursprünglichen Tantra geht es darum, dass man lernt, seine Lebensenergie zu steigern, um so zu höchster Bewusstheit zu gelangen. Im Kamasutra lernt der Tantriker 64 Künste, darunter Dichtung, Verteidigungskampf oder Kochen, die Sexualpraktiken sind nur ein Aspekt unter vielen.

Foto: fotolia.com

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