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Wenn der Kopf schlappmacht

Kategorie: Gesundheit
 Ausgabe 06 - 2012 - 01.06.2012

Text:  Tertia Hager

Ermüdung entsteht im Gehirn: Erstmals konnten Forscher das Zusammenwirken von neuronalen Strukturen und Muskelermüdung genau nachweisen.

Macht der Körper einmal Probleme, beschwert sich der Mensch sogleich. Dass er in der Regel Tag für Tag ohne zu Mucksen seine Arbeit tut, wird hingegen kaum je positiv vermerkt. Deshalb sagen wir es an dieser Stelle: Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk, das uns nicht selten auch vor Dummheiten schützt. Zum Beispiel davor, so lange zu joggen oder Rad zu fahren, bis wir halb tot umkippen würden.

Zürcher Forscher konnten nämlich erstmals nachweisen, dass unser Gehirn bei ermüdenden Ausdauerleistungen ein entscheidendes Wörtchen mitredet – und uns so vor Schlimmerem bewahrt. In einer ersten Untersuchung zeigten die
Forscher auf, dass im Verlauf einer Kraft zehrenden Aufgabe Nervenimpulse aus dem Muskel das primäre motorische Areal hemmen: Wir werden müde, die Leistung lässt nach. Die Studienteilnehmer mussten eine Übung so lange
wiederholen, bis die Kraft dazu nicht mehr ausreichte. Später wurde die gleiche Belastung nochmals durchgeführt, jedoch unter Betäubung des Rückenmarks. Somit wurde die Rückmeldung an den Muskel unterbunden, die entsprechenden ermüdungsbedingten Hemmprozesse fielen bedeutend schwächer aus. Ein zweiter Schritt machte es möglich, mittels Magnetresonanztomografie die involvierten Hirnregionen zu lokalisieren. Und zwar jene, die kurz vor Abbruch einer anstrengenden Leistung einen Aktivitätsanstieg verzeichnen. Es sind dies der Thalamus und der insuläre Kortex – beides Areale, die unter anderem Informationen analysieren, die dem Organismus eine Bedrohung wie Schmerz oder Hunger anzeigen. Dass die hemmenden Einflüsse auf die motorische Aktivität tatsächlich via Kortex vermittelt werden, konnte der dritte Teil der Untersuchung belegen. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Kommunikation zwischen dem insulären Kortex und dem primären motorischen Areal mit fortschreitender Ermüdung intensiver wurde. Die neuronalen Systeme würden nicht nur das Gehirn informieren, sondern regulierend auf die Aktivität des Muskels einwirken, heisst es in einer Pressemitteilung der Universität Zürich.
Für die Wissenschaftler ist diese Erkenntnis über das Zusammenwirken von Gehirn und Muskel wichtig, um bei Krankheiten mit verminderter Muskelleistung gezielter forschen zu können. Zum Beispiel beim sogenannten chronischen Erschöpfungssyndrom, das bis jetzt ohne erkennbare Ursache diagnostiziert wird. Anhaltende reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit kann aber auch eine Begleiterscheinung von gewissen Medikamenten sein.

Foto: swiss-image.ch/Christof Sonderegger

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