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Schlankmacher Molke

Kategorie: Essen

Text:  Vera Sohmer

Sportlernahrung, Schlankmacher, Schönheitsquelle: Molke wird als Alleskönner vermarktet. Tatsächlich hat das Abfallprodukt aus Käsereien ein paar gute Inhaltsstoffe. Notwendig ist es für die Gesundheit aber nicht.

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Eine trübe, grüngelbe, säuerlich schmeckende Flüssigkeit: Pure Molke ist nicht jedermanns Sache. Deshalb kommt sie heute verarbeitet und aufgepeppt in den Handel – als Erfrischungsgetränk mit Fruchtgeschmack oder als Pulver, das man sich ins Wasser rührt. Ernährungsfachleute empfehlen: Bei den verarbeiteten Produkten auf die Zutatenliste schauen. Denn oft wird Zucker oder künstliches Aroma beigemischt. Wer das nicht will, dem bleibt die unverarbeitete, also lediglich pasteurisierte Variante und die Hoffnung, dass sich der Gaumen irgendwann daran gewöhnt. Oder eine Mixtur nach eigenem Gusto. Akzeptabel schmeckt Molke beispielsweise mit frisch gepresstem Limettensaft und ein bisschen Honig.



Molke ist eigentlich ein Abfallprodukt; es handelt sich um jene Flüssigkeit, die bei der Käseproduktion übrigbleibt. Es gibt Sauermolke, bei der die Milch mit Milchsäurebakterien zersetzt wird, und Süssmolke, auch Labmolke genannt. Sie entsteht, wenn beim Käsen Lab verwendet wird, ein Enzym aus dem Kälbermagen. Im Milch- und Käseland Schweiz fallen jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen Molke an. Der Grossteil davon wird für die Schweinemast verwendet oder landet in der Biogasanlage. Zirka 325 000 Tonnen werden zu Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet. Molke ist Bestandteil von Babynahrung oder Backwaren, wird für Käsesorten wie Ricotta oder Ziger verwendet, dient als Protein-Lieferant für Kraftsportler oder findet sich im Rivella. Hinzu kommt eine breite Palette von Körperpflegemitteln – vom Badezusatz über die Gesichtscreme bis hin zum Shampoo.

«Schlank und fit mit Molke – das funktioniert tatsächlich wunderbar.»

Ein altbewährtes Heilmittel
Eine neue Idee ist es indessen nicht, das «Käsewasser» für allerlei innere und äussere Anwendungen zu nutzen. Molke soll bereits in der Antike als sanftes Heilmittel genutzt worden sein. Auch Hippokrates und die alten Römer schworen darauf. Im 18. und 19. Jahrhundert boomten im deutschsprachigen Raum Molkekuren. Gais im Appenzellerland, Interlaken oder Vevey zählten zu den beliebten Zentren, in denen Darmbeschwerden oder Hautkrankheiten mit Molke behandelt wurden. Es sollen damit sogar Lungenleiden geheilt worden sein, was allerdings nicht belegt ist. Das angebliche Wundermittel war mit der Industrialisierung dann dem Untergang geweiht. Erst seit ungefähr zwanzig Jahre wird das Nebenprodukt aus den Käsereien wieder angeboten. Beworben werden vor allem Wellnessgetränke für Gesundheitsbewusste.

Ein paar Vorzüge hat Molke tatsächlich. Sie ist nahezu fettfrei und damit ein kalorienarmes Milchprodukt; es besteht zur Hauptsache aus Wasser. Und dennoch ist Molke nahrhaft. Dies aufgrund der Inhaltsstoffe wie Milchzucker und Mineralstoffe (Kalzium, Phosphor und Kalium), Vitamin A, eine Reihe von B-Vitaminen sowie dem Eiweiss Lactalbumin. Dieses ist hochwertig und eignet sich gut für den Muskelaufbau beziehungsweise den Muskelerhalt. «Allerdings muss man jeden Tag viel Molke trinken, um davon zu profitieren», sagt Präventivmediziner und Ernährungsexperte David Fäh. Zu grossen Mengen würde er wegen des Milchzuckeranteils – vier bis fünf Gramm pro Deziliter – aber nicht raten. Ungeeignet ist Molke bei einer Laktoseintoleranz und für Menschen, die allergisch auf Milcheiweiss reagieren.

Fasten mit Molke



Molke-Trinkkuren
sind wieder beliebt. Dabei gibt es nur Flüssiges, neben Wasser, Fruchtsäften oder Tee täglich einen Liter Molke, der portionsweise getrunken wird. Die Molkenproteine sollen verhindern, dass körpereigenes Eiweiss abgebaut wird. Gleichzeitig wird der Körper mit Mineralstoffen und Vitaminen versorgt.

Das Molke-Fasten gilt als radikale Kur, bei der man sich am besten fachkundig beraten und begleiten lässt. Eine Alternative dazu ist, nicht ganz auf feste Nahrung zu verzichten, sondern beispielsweise einmal pro Woche einen Molke-Tag einzulegen.

Grundsätzlich gilt: Fasten kann ein Startschuss sein für eine dauerhafte Ernährungsumstellung, eignet sich aber nicht als Diät und zur längerfristigen Gewichtsabnahme. Senioren, Schwangeren, Stillenden, Jugendlichen oder Kindern wird vom Fasten abgeraten. Auch wer leber- oder nierenkrank ist oder Diabetes hat, sollte keine Fastenkuren machen.

Molke, ein Nebenprodukt der Käseherstellung, entschlackt, löscht den Durst und gibt Kraft.


Studie
Gras macht Milch gesünder



Milch enthält deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren, wenn die Kühe nur Gras und Heu fressen – so wie es die Natur vorgesehen hat. Schon ein kleiner Anteil an Kraftfutter vermindert die gesunden Fette in der Milch. Das zeigt eine Studie von Forschern der Universität Minnesota (USA).

Sogenannte «Heumilch» ist aber keine Garantie für gesunde Fette. Denn die Richtlinien verlangen bei «Heumilch» nur einen Raufutteranteil von 75 Prozent. Bei der IP-Suisse-Wiesenmilch ist kein fester Prozentsatz vorgeschrieben. Ein «K-Tipp»- Test zeigte: Besser ist Milch mit der Bio-Knospe. Diese Kühe fressen mindestens 90 Prozent Raufutter. Belegt ist es nicht, aber anzunehmen: Aus gesunder Milch entstehen gesunde Produkte wie Käse oder Molke. gesundheitstipp/krea

Ob Molke einen sinnvollen Beitrag zur ausgewogenen Ernährung leistet, darüber scheiden sich die Geister. Milch- und Käseproduzenten lassen keinen Zweifel daran, während es Ernährungsfachleute neutraler sehen. Fäh: «Wer Molke mag, kann sie gerne trinken.» Sie sei aber nicht zwingend notwendig, um gesund zu bleiben. Ausserdem ist klar: Mit Molke lässt sich unausgewogene Ernährung nicht wettmachen. Einig sind sich beide Seiten in einem Punkt: Molke als Heilmittel anzupreisen, entbehrt der Grundlage. Es existiert keine Studie, die einen gesundheitlichen Nutzen glaubhaft belegt. Was es aber gibt, sind Erfahrungswerte. Und die besagen: Möglichst naturbelassen, kann Molke eine wohltuende Wirkung auf Magen und Darm haben und die Verdauung ankurbeln. Und ein Molkebad macht samtweiche Haut. Das ist ja schon mal etwas.

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