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Zeit für Zitrusfrüchte

Kategorie: Essen

Text:  Angela Bernetta

Sie sind orange, gelb, rosa oder grün und werden ihrer Frische und Vitamine wegen geliebt: Zitrusfrüchte haben jetzt Hochsaison. Sie können auch bei uns erfolgreich auf dem Balkon, im Garten und in der Wohnung kultiviert werden.

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Orangen, Mandarinen, Clementinen, Zitronen oder Grapefruits schützen mit viel Vitamin C vor lästigen Erkältungen und sind im Winter überall frisch erhältlich. «Sobald es im Spätherbst kalt wird, schnellt der Konsum in die Höhe», sagt Boris Jost, Agronom ETH und Geschäftsführer der Casa del Mas in Küsnacht (ZH). Das Unternehmen baut Bio-Zitrusfrüchte in Spanien an, importiert sie in die Schweiz und verkauft sie direkt an Privatabnehmer. «Geerntet werden Zitrusfrüchte in Südeuropa im Winter. Frühe Sorten ab November, späte bis im Mai», ergänzt er. Eine alte Regel besage allerdings, man solle keine Orangen, Clementinen und Co. vor dem Samichlaustag kaufen.

Bio liegt im Trend
«Grundsätzlich haben Zitrusfrüchte zu Beginn der Saison mehr Säure und gegen Ende mehr Süsse», sagt Jost. Die Farbe der Schale hingegen sage wenig über den Reifegrad und die Qualität der Frucht aus. «Nicht die Sonne verleiht dem Obst ein sattes Orange, sondern die tiefen Nachttemperaturen im Winter.» Zwar könne die Lagerung in Kühlräumen die Färbung künstlich anregen; doch zu früh gepflückte Orangen würden nach der Ernte nicht mehr nachreifen. Jost: «Zitrusfrüchte lassen sich zwar gut lagern, doch der Geschmack einer frisch geernteten Orange ist unendlich viel besser, als wenn das Obst bereits drei Wochen im Kühlschrank gelegen hat.» Selbstverständlich. Doch noch haben erst wenige zuhause eigene Zitrusfruchtbäumchen. Die meisten sind also auf gekaufte Ware angewiesen. Zuhause lagert man Orangen, Clementinen und Zitronen idealerweise zwischen 1 und 5°C, Grapefruits zwischen 8 und 10°C. Die Früchte sollte man regelmässig auf Schimmel untersuchen. Bei guten Bedingungen halten sie drei bis vier Wochen.

Am beliebtesten hierzulande sind Orangen, gefolgt von Clementinen, Zitronen und Grapefruits. Bio macht gemäss Jost bei den Orangen etwa 10, bei den Zitronen etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Es dürfte gerne mehr sein, nicht nur wegen der Umwelt: Einer US-Studie zufolge weisen Orangen aus ökologischem Anbau bis zu 30 Prozent mehr Vitamin C auf, als konventionell angebaute. Als mögliche Ursache geben die Forscher den Verzicht auf leicht löslichen Stickstoffdünger im ökologischen Landbau an. Ist viel Stickstoff vorhanden, lagern die Pflanzen mehr Wasser ein und verdünnen so den Nährstoffgehalt.

Sorten für Haus und Garten
Zitrusfrüchte sind Rautengewächse und gehören zu den ältesten Obstsorten der Welt: Bereits vor über 4000 Jahren wurden sie in China kultiviert. Der Seidenstrasse entlang brachten Händler sie nach Europa. Einige Zitrusfrüchte mögen gemässigte Temperaturen; die meisten jedoch werden in tropischen und subtropischen Gegenden rund um den Äquator kultiviert, dem «Zitrusgürtel». Im Laufe der Jahrtausende gab es zahlreiche Kreuzungen, aus denen immer wieder neue Früchte hervorgingen. «Weltweit gibt es heute über 5000 verschiedene Sorten», weiss Peter Enz, Leiter des Botanischen Gartens der Universität Zürich.

Zitruspflanzen wachsen aber nicht nur auf den Plantagen dieser Welt, sondern auch in heimischen Stuben und auf Balkonen. Sie zählen zu den beliebtesten Kübelpflanzen überhaupt. Mit der richtigen Pflege gedeihen sie gut und tragen auch reichlich Früchte, die botanisch übrigens zu den Beeren zählen. Zitruspflanzen können (und sollten) in der frostfreien Zeit, also etwa von Mitte April bis November, im Freien stehen. Dort benötigen sie einen sonnigen Standort, der Wurzelballen darf aber nicht überhitzen. «Auch vertragen sie keine Staunässe, da das Wurzelfäulnis nach sich ziehen kann», betont Jost. Erst wenn sich die Blätter einzurollen beginnen, empfiehlt er zu giessen. Peter Enz vom Botanischen Garten rät zu Kies unter den Wurzeln und nur wenig organischem Material wie Torf oder Kompost im Topf. «Weil es verpappt und den Wurzeln die Luft zum Atmen nimmt. Ausserdem erschwert es die Nährstoffaufnahme. Gut strukturiertes Material wie Lavastücke, Kalksteinbruch, Perlit oder Vermiculit sind besser geeignet.» Ausserdem solle man Zitruspflanzen im Sommer regelmässig mit Citrus-Dünger giessen.

Haus(halts)mittel mit Zitrone

Die Zitrone hat von allen Zitrusfrüchten am meisten Vitamin C (ca. 55 mg/100 g). Zitronensaft stärkt aber nicht nur das Immunsystem, er regt auch den Stoffwechsel an und lindert im Kaffee oder Espresso getrunken Kopfschmerzen.

Die Inhaltsstoffe der Zitrone hemmen Keime, deshalb eignet sich ihr Saft als Putzmittel: Er entfernt in konzentrierter Form Kalk und bleicht hartnäckige Flecken aus. Wer Randen raffelt, kann lästige, rote Flecken mit Zitronensaft entfernen. Auch verhindert der Saft, dass aufgeschnittene Äpfel und Rüebli oxidieren oder Gemüse wie Spinat oder Brokkoli beim Andünsten braun werden.

Darüber hinaus wirkt Zitronenduft beruhigend und regt die Konzentration an. Ferner ist die Zitrusfrucht der Schönheit zuträglich: Wer natürliche Badeöle schätzt, gebe fein gestossene, unbehandelte Zitronenschalen ins Badewasser. Das ätherische Öl der Schale verbreitet einen wohltuenden Duft und schmeichelt Haut, Haaren und Nägeln.

Kochen mit Zitrusfrüchten

Zitrusfrüchte weisen neben Fruchtsäure
Aromen auf, die je nach Frucht zwischen blumig und grasig oder pfefferig und würzig variieren. Diese Aromen sorgen zusammen mit dem Zucker (Glukose und Fruktose) für den sortentypischen Geschmack und regen den Appetit an. Neben Fruchtfleisch und Saft verleihen Zitronen- und Orangenschalen vielen Gerichten eine frische Note. Man reibt sie ab und würzt damit Saucen und Gebäck oder hobelt Zesten aus der Fruchtschale und verfeinert damit Drinks und Süssspeisen. Zitrusfrüchte schmecken auch warm, etwa mit Feigen und Gewürzen. Wer die Schale mit verwendet, sollte Bio-Früchte verwenden.

Warmer Orangensalat mit Feigen und Gewürzen
• 3 süsse Orangen
• 1 Bitterorange
• 2 Äpfel
• 2 getrocknete Feigen
• 1 Zitrone (Saft und Schale)
• Zimt, Muskat, frischer Ingwer (fein gerieben)
• 1 Prise Salz und Chili

Die Früchte in Schnitze, Scheiben oder Würfel schneiden. Die Feigen ebenfalls in kleine Würfel schneiden und mit wenig Wasser und den Gewürzen aufkochen. Ca. 5 Minuten leicht köcheln, dann abkühlen lassen. Früchte und Feigen mischen und 15 Minuten ziehen lassen. (Rezept von Ernährungsberaterin Sybille Binder)

Gesund, aber mit Mass

Zitrusfrüchte haben kaum Kalorien, wenig Fett und sind gesund. Sie enthalten Mineralstoffe wie Calcium und Kalium sowie Vitamine, die unser Immunsystem stärken. Bereits eine Grapefruit und zwei bis drei Orangen decken den täglichen Bedarf an Vitamin C eines Erwachsenen. Der Säuregehalt der Zitrone hilft dem Magen, die Nahrung aufzuspalten; zudem regt er die Bildung von Galle in der Leber an. Das sorgt für eine sanfte Regulierung der Verdauung und kann bei Verstopfung oder Durchfall helfen. Zitronensaft kann darüber hinaus Nierensteine auflösen und einer erneuten Bildung von Nierensteinen vorbeugen. Auch auf Gelenke wirkt er sich positiv aus, etwa bei Gicht.

Des Weiteren sind Zitrusfrüchte reich an Polyphenolen. Diese sekundären Pflanzenstoffe wirken antioxidativ und antimikrobiell. Polyphenole und Ballaststoffe befinden sich im weissen Gewebe unter der Schale. «Die alte Heilkunde zählt Zitrusfrüchte zu den kühlenden Lebensmitteln, die in südlichen Ländern vor allem im Sommer verzehrt werden», sagt Sybille Binder, Ernährungsberaterin FH. Im Winter oder in stressbeladenen Zeiten empfiehlt sie, zwischen Zitrusfrüchten und anderen Vitamin C haltigen Lebensmitteln wie Peterli oder Kohlgemüse zu variieren. Denn: «Die Säure der Zitrusfrüchte kann bei übermässigem Konsum Magen und Darm reizen.» Und: «Wer Medikamente einnimmt, sollte auf mögliche Wechselwirkungen insbesondere mit Grapefruits achten.» Auch für die Zähne ist der zu häufige Genuss von Zitrusfrüchten problematisch: die enthaltenen Säuren greifen den Zahnschmelz an.

Schutz vor Kälte und Sonne
Zitruspflanzen sind nicht frosthart. Spätestens wenn sich die Temperaturen dem Nullpunkt nähern, müssen sie deshalb ins Winterquartier geräumt werden. Ein heller, frostfreier Wintergarten bietet sich auch als ganzjähriger Standort an. «Vor dem Einwintern sollte man die Pflanzen auf Krankheiten und Schädlinge kontrollieren», sagt Peter Enz. «Schild- und Schmierlaus oder Spinnmilben richten im Winterquartier viel Schaden an. Grüne Früchte kann man über den Winter am Baum lassen. Sie reifen im nächsten Jahr aus.» Zitruspflanzen können entweder hell und warm (zwischen 8 und 12 Grad) oder dunkel und kühl (zwischen 3 und 8 Grad) überwintern. Stehen sie hell, muss man sie laut Enz regelmässig giessen und einmal im Winter düngen. «Überdies schätzen die Pflanzen eine angemessene Luftzirkulation. Beim Lüften kann zu kalte Luft allerdings Frostschäden an den Blättern verursachen.» Überwintert die Pflanze kühl und dunkel, empfiehlt Enz nur wenig zu giessen, etwa einmal im Monat.

Zitruspflanzen müssen alle zwei bis drei Jahre umgetopft werden, wenn die Erde komplett mit Feinwurzeln durchzogen ist. Das neue Pflanzgefäss sollte nur wenig grösser sein als das Vorherige. Ein geeigneter Zeitraum für das Umtopfen ist März oder April, bevor die Pflanze frisch austreibt. Im Spätherbst und Winter, also in der Vegetationsruhe, sollte man nicht umtopfen, da die Zitruspflanzen in der Zeit keine neuen Wurzeln ausbilden und es dann zu Schäden am bestehenden Wurzelwerk kommen kann.

Mit dem Düngen von Zitruspflanzen fängt man mit Beginn des Austriebs im Frühjahr an, also etwa ab März respektive nach dem Umtopfen. «Nach draussen stellen sollte man sie während einer Schlechtwetterperiode», rät Enz. Der Grund: Die Blätter bauen im geschützten Winterquartier den UV-Schutz ab. Stellt man sie zu früh in die Sonne, bekommen sie einen Sonnenbrand. «Zitruspflanzen brauchen etwa zehn Tage, bis sich der UV-Schutz regeneriert hat», erläutert Enz. «Während dieser Zeit schützt man sie mit einem Flies vor Sonneneinstrahlung oder stellt sie in den Schatten. Anschliessend vertragen sie – ausreichend Wasser und Dünger vorausgesetzt – Hitze und Wind gut.» Zitruspflanzen sollte man häufig, dabei aber nur wenig schneiden. Die Zweige werden im Sommer eingekürzt, wenn sie zu lang werden. Sind grössere Kronenkorrekturen erforderlich, wählt man dafür den Spätwinter, also kurz bevor die Zitruspflanzen frisch austreiben. Sehr dichte Kronen sind für die Ausbildung von Früchten problematisch, da kaum Licht hineingelangt. Die von Natur aus sehr kompakt wachsenden Kronen von Mandarinen, Clementinen oder Kumquats sollten deshalb regelmässig ausgelichtet werden; bei den eher locker wachsenden Zitronenbäumen und Zitronatzitronen muss man weniger oft zur Schere greifen. Grundsätzlich rät Enz dazu, Pflanzen immer gleich zu behandeln: «Pflanzen passen sich an und mögen keine Veränderungen.»

Buchtipps


Monika und Thorsten Klock: «Zitruspflanzen: Zitrone, Orange, Kumquat & Co.», BLV 2015, ca. Fr. 18.–


Dominik Gross Holtforth: «Zitruspflanzen: gestalten – pflanzen – ernten», Franckh Kosmos Verlag 2020, ca. Fr. 13.–

Fotos: iStock.com | zvg

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