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Wintergemüse aus dem eigenen Garten

Kategorie: Essen
 Ausgabe_12_19 - 06.08.2019

Text:  Frances Vetter

Was machen Selbstversorger im Winter? Frisches Gemüse aus dem Garten geniessen. Zumindest wenn sie fleissig und achtsam sind. Tipps von den Profis.

@ unsplash.com /jennifer schmidt

Man will ja nicht nur von Eingemachtem Leben. Deshalb ist die Selbstversorgung mit frischem Gemüse aus dem eigenen Garten rund um das Jahr der Wunschtraum vieler Hobbygärtner. Ob er erfüllbar ist, hängt von vielerlei Faktoren ab. In erster Linie spielen die Grösse und Lage des Gartens eine wichtige Rolle. Denn nur eine ausreichend grosse Anbaufläche (ca. 500 m2 für eine vierköpfige Familie) mit guten Bedingungen (Erde, Sonne) ermöglicht eine Ernte, die eine Familie versorgt. Zum anderen hängt der Erfolg davon ab, welchen Arbeitseinsatz man zu leisten bereit ist, denn der Gemüseanbau im grösseren Stil erfordert doch einiges an Zeit. Im Frühling, Sommer oder auch Herbst ist es noch relativ einfach, genügend frisches Gemüse aus dem eigenen Garten zu ernten; manchmal kommt es sogar zu regelrechten Schwemmen. Anders ist es im Winter, wenn der Garten scheinbar ruht. Aber eben nur scheinbar.

Vorteil Mistbeet
Da wir auch im Winter frisches Gemüse ernten wollen, ziehen wir auch Sorten wie Lauch, Blumen- oder Grünkohl. Sie wachsen im Sommer und Herbst und können im Winter lange auf dem Beet stehenbleiben. So können wir bei Bedarf stets frisch ernten. Allerdings gibt es ein Problem: Als Gärtner können wir im Herbst kaum vorhersehen, wie der kommende Winter werden wird. Umso wichtiger ist es, das Wetter und die Gemüsekulturen im Blick zu behalten, um rechtzeitig reagieren zu können. Schwankende Temperaturen, Stürme und viel Niederschlag sind Herausforderungen für jeden Gärtner. In höheren Lagen gibt es auch schon Frost.

Pflanzen, denen grössere Regenmengen nicht so viel ausmachen, können lange im Freiland bleiben. Sie brauchen aber oft einen Schutz vor wechselnden Temperaturen und starkem Frost. Am einfachsten ist dabei die Abdeckung mit einer Lochfolie oder einem Gartenvlies. Im Handel werden sie meist auf Rollen in unterschiedlicher Breite angeboten. Beide sind licht- und wasserdurchlässig und können bei Bedarf flächig auf das Beet gelegt werden. Sie sollten knapp doppelt so breit sein wie das Beet, sodass man sie locker und luftig über den Pflanzen ausbreiten kann. Damit sie bei Wind nicht davonfliegen, gräbt man sie an den Seiten etwas ein und befestigt sie mit Steinen oder etwas Erde. Gartenvlies ist ein haltbares und leichtes textiles Gewebe. Auf dem Beet lässt Vlies Licht, Luft und Wasser an die Pflanzen und schützt sie vor starkem Frost. Ausserdem hält es die Wärme im Boden und wirkt ausgleichend bei stark schwankenden Bodentemperaturen. Vlies wird eingesetzt, um die Erntezeit von Wurzelgemüse zu verlängern. Der Boden bleibt länger frostfrei, was die Ernte von vielen Gemüsearten vereinfacht. Ausserdem schattiert Vlies die Pflanzen ein wenig, was ihnen gerade an sonnigen, aber sehr frostigen Tagen gut tut.

Eine weitere Variante, um die Ernten zu verlängern oder das Gartenjahr im kommenden Frühling frühzeitig zu beginnen, sind Mistbeete. Diese sind uns meist aus historischen Gartenbüchern bekannt, als es noch wenig beheizte Gewächshäuser gab. Das Vorgehen ist relativ einfach: Man füllt Frühbeetkästen mit organischem Material, das langsam verrottet und dabei Wärme abgibt. Dazu hebt man im Frühbeet eine ca. 90 Zentimeter dicke Schicht Erde aus und füllt das Loch zu zwei Dritteln mit Pferde- oder Kuhmist; aber auch Laub, Stroh, Grünabfälle, Häckselgut und Kompost eignen sich. Darüber kommt eine etwa 20 Zentimeter dicke Schicht Gartenerde, in die gepflanzt wird. Das Beet wird mit Glasfenstern abgedeckt, was zusätzliche Wärme durch Sonnenlicht bringt. Werden die Nächte sehr kalt, deckt man die Fenster mit Strohmatten ab. So kann im Mistbeet über längere Zeit frostfrei angebaut werden. Zum regelmässigen Lüften müssen die Fenster leicht zu öffnen sein.

Langsames Gedeihen
Zu den Wintergemüsen zählen unter anderem Kohl, Spinat, Mangold, Karotten und Pastinaken. Sie gelten als ausgesprochen kältetolerant und lassen sich in Gegenden mit mildem Klima ganzjährig im Freiland kultivieren. Auch Lauch, Sauerampfer, Endivien, Rucola und Petersilie sind Gemüse, die man im Winter ernten kann. Sie haben teilweise einen geringeren Lichtbedarf als andere Pflanzen und wachsen auch im Winter noch recht gut. Und weil diese Arten in warmen Sommern oft an Hitzestress leiden, ist ihre Qualität besonders gut, wenn man sie im Winter und Frühjahr erntet. Für die Winterernte kommen in erster Linie mittlere und späte Sorten infrage und solche, die sich gut lagern lassen.

Wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, wachsen alle Pflanzen langsamer. Manchmal erreichen sie auch nicht ihre gewohnte Grösse und brauchen mehr Zeit zum Reifen. Gut ist, dass die meisten Gemüse in den Wintermonaten mit weniger Platz auskommen, als wir es vom Anbau im Sommerhalbjahr gewohnt sind. Wir können darum viel enger säen und pflanzen, als wir das normalerweise im Frühjahr tun.

Wenn das Gemüse langsamer wächst, bedeutet das auch, dass der Boden nicht mehr so viele Nährstoffe zur Verfügung stellen muss wie in den Sommermonaten. Besonders Stickstoff, der wichtigste Nährstoff für das Pflanzenwachstum, wird in einem geringeren Mass benötigt. Eine Düngung ist beim Winteranbau meist nicht notwendig. Oft genügen die im Boden vorhandenen Restmengen an Stickstoff aus dem Sommer aus, um das Gemüse im Winter zu versorgen. Die vielleicht wichtigste Pflegemassnahme im Winter ist das Ausputzen der Pflanzen, denn absterbende Blätter sind ein Hort für Krankheitserreger.

Keine Sonnenanbeter
Auch wenn man für den Winteranbau kältetolerante Gemüse wählt, ist der Winterschutz doch ein wichtiges Thema. Eine Abdeckung mit Fichtenzweigen, Laub, Mulch oder Stroh schützt Pflanzen vor strengen Frösten. Bei dieser Abdeckung geht es weniger um die Erhöhung der Bodentemperatur als vielmehr darum, die Blätter im Winter vor zu viel Sonne und Wind zu schützen. Wintergrüne Pflanzen verdunsten ständig Wasser, das auf durchgefrorenen Böden nicht ausreichend durch die Wurzeln nachgeliefert werden kann. Die Folge: Die Pflanzen verdursten. Werden die Blätter bei strengen Frösten jedoch beschattet, stellen die Pflanzen ihren Stoffwechsel und damit ihren Wasserverbrauch weitgehend ein.

Um den Boden für die Ernte von Wurzelgemüse oder Lauch möglichst lange frostfrei zu halten, breiten wir wie schon erwähnt ein Frostschutzvlies über die Beete aus oder bedecken sie mit einer dicken Mulchschicht. Die Erde bleibt dadurch länger warm und wir können auch bei frostigen Lufttemperaturen noch ernten. Bei lang anhaltender Kälte reichen Vlies oder Mulch jedoch nicht mehr aus. Am besten ist es dann, rechtzeitig zu ernten und einzulagern.

Pflanzen wie Salat, Spinat oder Radieschen wachsen unter Vlies nicht besonders gut. Für diese Kulturen ist es besser, vorsorglich einen Folientunnel zu bauen. Der Tunnel kann direkt nach der Aussaat oder Pflanzung aufgestellt werden. Oder man stellt ihn dann auf, wenn längere Kälteperioden zu erwarten sind. Remo und ich sind der Überzeugung, je länger die Pflanzen unter der Sonne im Freiland wachsen können, desto aromatischer werden sie im Geschmack.

Frisch vom Balkon
Wer keinen Garten hat, kann Wintergemüse auch auf dem Balkon oder der Terrasse kultivieren. Diese sind meist nicht sehr gross und haben ganz unterschiedliche Lagen. Bevor man hier Gemüse anbaut, sollte man deshalb die vorherrschenden Bedingungen prüfen. Denn Pflanzen haben ganz eigene Ansprüche an Temperatur, Licht, Wasser, Erde und Nährstoffe. Um die richtige Erde und das Wässern können wir uns kümmern; anders ist es mit dem Licht: Als Balkongärtner sind wir gut beraten, nur Pflanzen auszuwählen, die mit den vorhandenen Lichtverhältnissen gut zurechtkommen. Liegt der Balkon Richtung Süden, kann fast jede Gemüseart gepflanzt werden; liegt er Richtung Norden wird es eher schwierig. Mangold, Dill, Petersilie oder Römischer Ampfer sollten als Schattenpflanzen mit den Bedingungen zurechtkommen. West- und Ostseiten haben zumindest einen halben Tag Sonne und können für Gemüsearten genutzt werden, die auch im Halbschatten gut wachsen. Da ist die Auswahl schon gross. Unabhängig von der Himmelsrichtung sollte man vor dem Pflanzen kontrollieren, ob die Sonne im Spätherbst und Winter überhaupt über die Nachbarhäuser oder nahen Bäume steigt und den Balkon oder die Terrasse ausreichend besonnt.

Auch wenn es in den Städten im Winter etwas wärmer ist als auf dem Land, können Wind und Frost den Topfpflanzen stark zusetzen. Abhilfe kann man schaffen, indem man für so viel Schutz wie möglich sorgt. Das fängt mit der richtigen Platzierung der Pflanzgefässe an. In der Nähe von Hauswänden ist es besonders warm; ein geeigneter Windschutz hält die Kälte zudem etwas ab. Auch die Grösse der Pflanzgefässe ist wichtig: je grösser, desto besser. Denn in grossen Pflanzkästen friert die Erde nicht so schnell durch – so sind die Wurzeln der Pflanzen besser geschützt. Als Material eignen sich am besten Holzkisten, denn Holz isoliert sehr gut und hält die Erde warm. Auch geeignet sind Tongefässe. Für den Anbau von Gemüse im Kübel empfiehlt sich eine Mischung aus Gartenerde und einer ordentlichen Menge Kompost. Kompost verrottet auch im Winter und gibt dadurch Wärme ab.

Nicht alle Wintergemüse wachsen in Gefässen gut. Für Balkon und Terrasse sind schnell wachsende Arten am besten geeignet, die nicht zu viel Platz benötigen. Salate und Endivie wachsen gut; auch Blattgemüse wie Mangold oder Spinat liefern ausreichende Ernten. Dasselbe gilt für Kohl und Wurzelgemüse. Da sie tief wurzeln, benötigen sie entsprechend hohe Pflanzgefässe. Gepflegt werden alle Kulturen wie im Garten. So sollte man auch auf dem Balkon immer einen geeigneten Winterschutz, wie z. B. ein Vlies, bereithalten.

Gartenarbeiten im Dezember

  

● Immergrüne Pflanzen auf dem Balkon benötigen «Winterstiefel» (Luftpolster und Vlies) um den Topf, damit die Wurzeln nicht in Eis erstarren, sondern bei milden Temperaturen die Blätter mit Wasser versorgen können.

● Am 4. Dezember Zweige früh blühender Ziersträucher (Forsythie, Weide, Hartriegel) und Obstbäume (Apfel, Kirschen) schneiden. Eingestellt in der Vase werden sie um Weihnachten erblühen.

● Zimmerpflanzen wie Orchideen und Ficus in Fensternähe platzieren. Amaryllis eintopfen. Balkon- und Fensterkistchen mit Winterschmuck dekorieren.

● Kübelpflanzen im Winterquartier regelmässig kontrollieren. Nur wenig giessen.

● Laub auf Wegen und Rasen zusammenrechen, unter Sträuchern aber liegen lassen. Dort bietet es den Wurzeln Kälteschutz und Kleintieren Lebensraum.

● Kastanienlaub via Kehricht entsorgen, denn darin überwintern die Puppen der gefürchteten Kastanien-Miniermotte.

● Frostgefährdete Wasserleitungen und -becken leeren. Teiche winterfest einrichten und Laub abfischen; Ziergräser und Schilf stehen lassen.

● Rosen mit Tannästen abdecken. Rosenbäumchen mit Vlies einpacken.

● Lauch, Feder- und Rosenkohl sind nach den ersten Frösten erntereif.

● Winterblumenkohl, Kopfsalat und Zichorien schätzen bei trockener Kälte einen Winterschutz (z.B. Vlies).

● Auf der Fensterbank Kresse und Sprossen ziehen.

● Gartengeräte pflegen, Tongefässe vor Frost schützen, Nistkästen reinigen.

● Gartenkataloge und -bücher studieren und die nächste Gartensaison planen.



* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: unsplash.com/jennifer schmidt | dave brüllmann, at verlag, www.at-verlag.ch | iStock.com

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