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Im Garten ist Erntezeit

Kategorie: Essen
 Ausgabe_09_19  - 06.08.2019

Text:  Frances Vetter

Der September ist eine Art Scheideweg zwischen Sommer und Herbst. Das macht sich vor allem auch bei der Gartenarbeit bemerkbar. Zum einen sind noch einige «sommerliche» Tätigkeiten zu verrichten, zum anderen muss der Garten schon auf die kalte Jahreszeit vorbereitet werden.

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«Auf den leeren Beeten säen wir Phacelia ein, damit der Boden nicht brach in vielen Gerichten. Auch andere für Salat den Winter geht. »


Frances und Remo Vetter*

Die Tage werden jetzt rasch kürzer; schon können bei uns die ersten Nachtfröste auftreten und die Blätter beginnen sich bereits leicht zu verfärben. Vor allem aber ist Erntezeit angesagt! Gurken, Zucchini und die in unserer Familie äusserst beliebten Tomaten in zahlreichen Variationen bereichern schon seit Wochen unseren Speiseplan. Unsere Ernteüberschüsse verarbeite ich zu Saucen oder mache sie ein. Für mich sind das die einfachsten Methoden, um vielerlei Gemüse zu konservieren. Meine Tipps: Tomaten als fertige Sauce einkochen und einfrieren, Gurken süss-sauer einlegen und die Kräuter schonend im Backofen trocknen.

Nun, wo unsere Zucchini und Tomaten schon fast alle geerntet sind, wird das Herbstgemüse erntereif. Die Salate und Radieschen spriessen derweil weiterhin auf den Beeten und Remo ist am Pflanzen von Feldsalat und Rucola, welche jetzt noch in die Erde können. Auf den leeren Beeten hat er Bienenweide (Phacelia) eingesät, damit der Boden nicht brach in den Winter geht.

Ganzjährig frische Salate
In unserem Aussaatkalender für den September steht der Feldsalat ganz zuoberst, denn wir lieben diesen klassischen Wintersalat. Man kann ihn jetzt grosszügig in abgeerntete Beete oder leere Töpfe und Blumenkästen säen. Auch Spinat darf jetzt noch in die Erde. Jung geniessen wir ihn im Salat, ausgewachsen mit einer Zwiebel angedünstet und Salz und Pfeffer gewürzt, ist dieses Gemüse eine wunderbare Beilage zu vielen Gerichten. Auch andere für Salat geeignete Pflanzen säen wir jetzt, etwa Winterportulak und vor allem die kältetoleranten Asia-Salate. Meist sind diese als Mischung erhältlich und bereits nach vier bis fünf Wochen kann der Asia-Salat wie Pflücksalat geerntet werden. Remo sät jetzt auch noch Winterkopfsalat aus, je nach Sorte ist dieser nicht kälteanfällig. Auch schnellwüchsiger Pflücksalat kann in geschützten und milden Lagen noch in die Erde. Unser Favorit ist hier der «Amerikanische Braune», der auch leichten Frost und Schnee verträgt.

Kompost für den Knoblauch
Wer, wie wir, Knoblauch zum Verfeinern von Speisen liebt, der sollte ihn bis in den Oktober hinein anbauen. Man kann Knoblauch zwar auch erst im Frühjahr stecken, dann ist die Knollengrösse zur Erntezeit im Juli und August aber meist kleiner. Wir geben dem Knoblauchbeet vor dem Stecken eine gute Gabe Kompost. Das lockert den Boden auf, belebt diesen und bietet dem Knoblauch einen guten Start in die Wachstumsphase.

Im Topf auf dem Balkon oder der Terrasse kann man jetzt noch Frühlingszwiebeln aussäen. Diese werden zwar dieses Jahr nicht mehr erntereif, aber im nächsten Frühjahr kann man dann kontinuierlich ernten. Die Frühlingszwiebeln werden knapp über der Erde abgeschnitten, sodass sie wieder nachwachsen.

Dann möchte ich Ihnen noch ein Wildgemüse ans Herz legen, das nahezu in Vergessenheit geraten ist: den Portulak. Es ist ganz einfach, ihn zu säen und das ganze Jahr über als frischen Salat auf den Tisch zu bringen. In milden, schneefreien Wintern kann Portulak noch dann geerntet werden, wenn sonst kein anderes Gemüse mehr wächst.


«Herabgefallenes Obst muss möglichst sofort gesammelt werden, denn sonst bildet es einen Nährboden für Schädlinge. »

Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt
Sie sind nicht nur für das menschliche Auge ein Genuss: Spätblühende Stauden wie Astern, Chrysanthemen oder Purpur- und Hohe Fetthenne in Töpfen und Beeten erfreuen auch nektarsuchende Insekten bis tief in den Herbst hinein. Auf alle abgeräumten Beete bringen wir ausserdem eine Gründüngung aus. Das gefällt nicht nur uns und den Insekten, sondern belebt und lockert auch die Erde und versorgt sie mit neuen Nährstoffen. Bienenweide, Rotklee, Winterwicke oder Gelbsenf eignen sich besonders gut für die Gründüngung im Garten.

Sommerblühende Stauden können jetzt durch Teilung vermehrt werden. Die Herbst- und Wintergemüse düngt Remo nochmals mit verdünnter Brennnesseljauche beziehungsweise Brennnesselwasser. Und auch der Rasen bekommt jetzt noch eine stärkende Düngung. Und da es bei uns im September schon ganz schön kalt werden kann, nehmen wir empfindliche Topfpflanzen ins Haus oder stellen sie zumindest an einen geschützten Platz. Auch Auberginen, Paprika und Peperoni in Töpfen stellen wir ab zehn Grad Nachttemperatur nachts auf die Fensterbank. Das ist von Vorteil für die Fruchtbildung, gerade wenn die Nachtschattengewächse noch blühen.

Gartenarbeiten im September

Nutzgarten


● Fortwährend wird geerntet.
Damit die Früchte ausreifen: Rosenkohl einspitzen, Tomatenblüten ausbrechen, Endivie und Bleichsellerie einbinden.

● Setzlinge von Wintersalaten, Zuckerhut, Chinakohl und Lauch auspflanzen.

● Rhabarber- und Beerensträucher kann man noch pflanzen.

● Setzzwiebeln und Knoblauch stecken.

● Gründüngung und Freilandsaaten sind bis Mitte/Ende Monat möglich: Feldsalat, Spinat, Radieschen und Winterportulak.

● Mehrjährige Kräuter teilen
und pflanzen.

● Kälteempfindliche Kräuter wie Rosmarin, Basilikum oder Lorbeer sollten vor dem ersten Frost vom Garten auf die Fensterbank oder ins Winterquartier umgesiedelt werden. Basilikum ist zwar nicht mehrjährig, aber durch die Umsetzung ist eine Ernte bis Dezember möglich. Mediterrane mehrjährige Kräuter, die im Garten überwintern, sollten mit Reisig oder einer Schicht Mulch geschützt werden. So wird sichergestellt, dass die Kräuter den Winter auch bei Frost überleben.

● Der Herbst ist der ideale Pflanzzeitpunkt für Himbeeren und andere Beerensträucher. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass es sich um gegen Pilz- und Viruskrankheiten widerstandsfähige Pflanzen handelt. So kann vielen Krankheiten vorgebeugt werden.

● Stachelbeeren gehören zu den grössten Beerenobstsorten. Sie enthalten viele wichtige Vitamine und schmecken besonders süss. Wenn Sie in Ihrem Garten jetzt Stachelbeeren pflanzen, können Sie schon im nächsten Sommer die leckeren Früchte geniessen.

● Erdbeeren düngen und mit ausreichenden Nährstoffen versorgen. So kann der Ertrag deutlich gesteigert werden.

● Herabgefallenes Obst muss möglichst sofort gesammelt werden, denn sonst bildet es einen Nährboden für Schädlinge.

● Ein Nussbaum im Garten liefert die besten Nüsse und braucht dabei kaum Pflege: Den Nussbaum zu schneiden ist nur dann notwendig, wenn er zu gross wird. Die beste Zeit dafür ist der September.

● Igel beginnen bereits im September mit der Suche nach einem geeigneten Winterquartier. Wir sind ihnen dabei behilflich und stellen ihnen ein Igelhaus oder Ast- und Laubhaufen zur Verfügung.

● Für viele Pflanzen ist der Herbst, der ideale Zeitpunkt zum Umsetzen und Teilen. Wenn der Garten umgestaltet werden soll, kann damit im September begonnen werden.

● Das ausklingende Gartenjahr ist ein guter Zeitpunkt, um über ein Hochbeet nachzudenken. Dieses macht die Gartenarbeit etwas bequemer und liefert einen hohen Ernteertrag auf geringem Platz (bis zu 30 Prozent grössere Erträge als in herkömmlichen Beeten). Ein Hochbeet selber bauen ist gar nicht so schwer. Anleitungen für Hoch- und Hügelbeete lesen Sie hier

Ziergarten


● Herbstdünger verabreichen, um eine optimale Frosthärte zu erlangen.

● Freie Beetplätze mit schnell wachsenden Pflanzen wie Gelbsenf oder Bienenweide (Phacelia) einsäen.

● Pflanzen ausputzen und wenn nötig zurückschneiden.

● Blumenzwiebeln und -knollen für eine frühe Blüte im Frühjahr möglichst bald (vor Mitte Oktober) pflanzen.

● Frühlingsblüher wie Gänseblümchen, Dotterlack, Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht pflanzen.

● Für immergrüne Sträucher ist jetzt die beste Pflanzzeit, ebenso für Clematis, Pfingstrosen und andere Stauden. Sie entwickeln noch vor dem Einwintern neue Wurzeln und sind so gerüstet für den Start im Frühjahr.

● Rasen nicht zu tief schneiden und nur auf nährstoffarmen Böden düngen. Stark vermooste Flächen mit dem Vertikutierer belüften.

● Nach einem warmen Herbstregen herrschen beste Bedingungen für die Aussaat von neuem Rasen und Wildblumen.

● Vor dem Einräumen der Pflanzen bietet sich im Herbst noch eine gute Gelegenheit, um Stecklinge zu schneiden. Der Vorteil für die spätere Nachzucht: Durch Stecklinge können wir die Eigenschaften einer gewählten Pflanze erhalten.

● Pflanzenschutz an den Kübelpflanzen vor dem Zügeln ins Winterquartier.

* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

 Fotos: iStock.com | dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch

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