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Spriessende Kraftpakete

Kategorie: Essen
 Ausgabe_12/17 - 01.12.2017

Text:  Eva Rosenfelder

Sprossen und Keimlinge sind eine knackig frische Quelle für wertvolle Vitalstoffe. Es ist ganz einfach, seine tägliche Portion Gesundheit selber zu ziehen.

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Gerade in der Winterzeit ist unser Organismus besonders angewiesen auf abwehrstärkende Vitamine und vitale Pflanzenstoffe. Nur: Was tun, wenn draussen alles brach liegt und sich im Ladenregal nur noch schlaffes Gemüse findet mit wenig Nährwert und Geschmack, das oft unter riesigem Energieaufwand um die halbe Welt transportiert worden ist? Jegliches längere Lagern von Gemüse und Früchten vermindert deren Nahrungsqualität und Inhaltsstoffe markant. Viele wertvolle Bestandteile, wie zum Beispiel Enzyme, die wichtige Stoffwechselfunktionen haben, sind bereits wenige Stunden nach der Ernte nur noch in sehr geringen Mengen vorhanden.

Sprossenkraft von A–Z
Alfalfa: Regt den Stoffwechsel an. Eine Handvoll Sprossen besitzt gleich viel Vitamin C wie sechs Tassen Orangensaft.
Bockshornklee:
Reinigend für den gesamten Organismus, vor allem für Leber und Niere.
Broccoli: Enthalten Antioxidantien gegen freie Radikale sowie krebshemmende Wirkstoffe; hoher Kalziumgehalt.
Erbsen: Sehr eiweissreich. Aufgrund ihres niedrigen glykämischen Indexes durch die komplexen Kohlenhydrate können Hülsenfrüchte einen Beitrag zur Prävention des Diabetes mellitus bieten.
Flohsamen: Wirken ähnlich wie Leinsamen gegen Verstopfung; helfen zudem den Blutzucker und Cholesterinspiegel zu reduzieren.
Kresse: Kann unterstützend wirken bei Magen-Darm-Beschwerden, Lungenproblemen, Nierensteinen, Menstruationsbeschwerden, Krebserkrankung.
Tipp: Kresse immer zusammen mit Alfalfa einweichen.
Mungo-Bohnen: Schmerzlindernd, bei Wechseljahrbeschwerden und PMS.
Radieschen: antibakteriell, verdauungsfördernd, reinigend und entgiftend; schleimlösend in den Atemwegen.
Rotklee: Enthält natürliches Östrogen, unterstützt bei Wechseljahrbeschwerden.
Zwiebeln/Lauch: Wirken entschlackend, verdauungsfördernd, krebsvorbeugend; schützen Immun- und Herz-Kreislauf-System.
Tipp:
Lauchsprossen sind einfacher zu ziehen als Zwiebelsprossen.

Leben erzeugt Leben. «Ein grosser Teil unserer Gemüsesorten ist auf Lagerfähigkeit gezüchtet. Deshalb fehlen oft auch die ganzen Bitterstoffe und Geschmacksstoffe», erklärt der Bio-Landwirt Marco Vonmoos von der naturwerker GmbH. Auch die Früchte werden aus lager- und transporttechnischen Gründen nicht mehr zur Zeit ihrer Vollreife geerntet. Doch genau diese letzten Wochen des Reifens haben einen entscheidenden Einfluss auf den gesunden Gehalt einer Frucht: Bis zu 80 Prozent der Inhaltsstoffe würden in dieser letzten Reifephase in die Früchte eingelagert. Würden – denn die meisten Früchte lagern zu dieser Zeit längst in Kühlhäusern, wo sie ihre Kraft schon abbauen, längst bevor sie der Konsument verwendet. Wird eine Pflanze bereits vor ihrer Reife geerntet, so trennt man sie von ihrem natürlichen Lebensprozess und sie geht über in den Abbauprozess mit dem Endziel, Humus zu werden. Um unseren Körper vital zu halten, brauchen wir aber belebende Nahrung, die unseren Körper mit Vitalkraft unterstützt, so Vonmoos.

Hans-Peter Rusch, Wegbereiter für die ökologische Landwirtschaft, bringt es auf den Punkt: «Nur Leben erzeugt Leben.» Das leuchtet ein. Und das wäre auch die eigentliche Bedeutung von «Lebensmittel», das eben viel mehr heisst, als sich einfach bloss mit leerem Nahrungsballast den Bauch zu füllen. Um den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen, braucht es frische Lebensmittel. Wer jedoch keinen Garten bepflanzt, nicht direkt beim Produzenten vom Feld einkaufen kann, weder Wildpflanzen sammelt, noch Sprossen zieht, kommt kaum je in den Genuss wirklich frischer Lebensmittel – und läuft Gefahr, bald selbst wie ein schlaffer Salat umherzuwandeln.

So geht das Sprossenziehen
1. Achten Sie auf Qualität! Verwenden Sie nur Samen aus kontrolliert biologischem Anbau, die für die Sprossenzucht vorgesehen sind. Die höchste Qualität an Sprossen bekommen Sie, wenn die Samen genügend Platz haben – also nicht zu viele Samen ankeimen. Der Vorteil von speziellen Keimgläsern mit Siebeinsatz und schräger Halterung ist, dass überflüssiges Wasser gut abfliessen kann und die Sprossen nicht im Wasser faulen.
2. Einweichen: Geben Sie ein bis zwei Esslöffel der Samen in ein Sieb und spülen Sie diese gut mit fliessendem Wasser ab. Füllen Sie die Samen in ein Keimglas und bedecken Sie sie mit der doppelten Menge zimmerwarmem Wasser. Je nach Samensorte (vgl. Packungsangabe – Kresse zum Beispiel muss nicht eingeweicht werden) wird zwischen vier und zwölf Stunden eingeweicht. Das ist wichtig, denn mit dem Einweichen
lösen sich die Hemmstoffe, die den Kern in der Natur vor zu frühem Austreiben schützen.
3. Abspülen: Die Keime dann in ein Sieb abschütten und gut unter fliessendem Wasser zwei- bis dreimal abspülen. Je besser gespült wird, desto mehr wird es spriessen. Tipp: Nutzen Sie das gehaltvolle Einweichwasser zum Blumengiessen!
4. Aussortieren: Sortieren Sie etwaige nicht gequollene Samen und leere Samenschalen heraus. Da sie nicht mehr
keimen, könnten sie in der feuchten Umgebung faulen und Bakterien verbreiten.
5. Keimgut gut abtropfen, ins Glas zurückgeben und dieses mit der Gaze ( bzw. dem Sieb ) verschliessen. Jetzt kann der Keimvorgang beginnen. Bereits am ersten Tag finden im Innern der Samenkörner gewaltige Stoffwechselvorgänge statt und lassen die gesunden Inhaltsstoffe der Pflanze stark ansteigen.
6. Stellen Sie das Glas auf den Kopf, damit überflüssiges Wasser ablaufen kann.
7. Mehrmals täglich spülen: Spülen Sie die Keimlinge täglich mindestens zwei- bis dreimal mit lauwarmem Wasser, um Schimmelbildung und Bakterienbefall zu verhindern. Auch eine möglichst kühle Raumtemperatur zwischen 18 und 20 Grad Celsius reduziert die Keimbelastung.
8. Machen Sie den Sinnestest: Riechen die Sprossen modrig? Sehen sie irgendwie komisch aus? Wenn Sie unsicher sind, werfen Sie sie weg und starten lieber nochmals von vorne.
9. Vor dem Verzehr sollten sie die Babypflänzchen nochmals gut unter fliessendem Wasser waschen.
10. Nach drei bis sieben Tagen können Sie Ihre knackigen Kraftpaketchen geniessen.

Eine Portion Lebenskraft. Warum also nicht einfach ein «Sprossengärtchen» im Glas anlegen auf der eigenen Fensterbank? Keimsprossen – auch Keimlinge oder Sämlinge genannt – sind die Jungaustriebe, die aus den Samen von Gemüse- und Getreidepflanzen keimen. Diese spriessenden Samen sind etwas vom Hochwertigsten, was die Natur anbieten kann: Sprossen sind zum Zeitpunkt des Verzehrs noch voll im Aufbau und tragen das ganze Potenzial der Pflanze unversehrt in sich.

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Gültig bis 31.12. 2017, Link: www.sprossensamen.ch, E-Mail: infowhatever@sprossensamen.ch, Per Telefon: Marco Vonmoos: 076 406 72 71 oder Michael Koller: 079 912 37 91, Profitieren Sie vom Gratisdownload der Anleitung mit Bildern: www.sprossensamen.ch/downloads

Wer selber Keimlinge zieht, kann sich ohne viel Aufwand das ganze Jahr über frische Lebenskraft zuführen. Zudem sind Sprossen unübertrefflich, was Geschmacksintensität, Vitamine, Enzyme, Proteine, sekundäre Pflanzenstoffe und Spurenelemente anbelangt. So sind sie nicht nur eine ideale Quelle für abwehrstärkendes Vitamin C, sondern liefern auch Eisen, Zink, Kalium, Kalzium und Magnesium. Vor allem das hohe Enzymvorkommen in den Keimlingen ist verantwortlich für ihren grossen Nähr- und Heilwert. In keinem anderen pflanzlichen Lebensmittel ausser in Grünkraut, Knospen und Blattachsen der Pflanzen sind Enzyme so stark vorhanden wie in Sprossen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Pflanze nur das Beste bereithält für ihre Sprösslinge. Enzyme wirken gemäss Kurt Allgeier, Autor von «Die Enzym-Therapie» basisch, entgiften den Körper und beseitigen so Krankheitsherde, insbesondere von chronischen Krankheiten; sie mildern gar vorzeitiges Altern. Die meisten dieser kostbaren Mineralien, Vitamine und Aminosäuren bilden sich erst beim Keimen einer Pflanze richtig aus. Im Kontakt mit Feuchtigkeit und Wärme vervielfacht sich der Vitalstoffgehalt in nur wenigen Stunden. Es lohnt sich also, frische Keimlinge möglichst oft auf den Tisch zu bringen.

«Sprossen sind aber nicht gleich Sprossen», betont Marco Vonmoos und schwört auf die richtige Gerätschaft, bei der das Wasser ab iessen kann. Feuchte Watte, kleine Konfitürengläser mit Gazetuch, Keimschalen oder Kresse-Igel haben ihre Tücken, denn: Im feuchten Milieu, in dem die Samen keimen, ist auch die Gefahr der Bakterienbildung relativ hoch. Und diese kann zu unliebsamen Folgen führen – so stehen Sprossen etwa in Verdacht, für die EHEC-Epidemie von 2011 in Japan und Deutschland verantwortlich gewesen zu sein. Deshalb sollten Keimsprossen, die sehr schleimig sind oder faulig riechen, sicherheitshalber auf dem Kompost entsorgt werden. Doch sauberes Arbeiten und gutes Zubehör vorausgesetzt, kann eigentlich nichts schief gehen. Und so werden die geschmackvollen Sprösslinge Sie bald zu neuem Leben erwecken.

Buchtipps
• Barbara Rias-Huber: «Keimlinge und Sprossen. Vitamine und Mineralstoffe von der Fensterbank», Mankau Verlag, 2017, Fr. 14.90
• Lina Wallentinson: «Sprossen, Keimlinge, Mikrogrün», BLV Buchverlag, 2017, Fr. 27.90

Fotos: istockphoto.com

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