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D’Spys

Kategorie: Essen
 Ausgabe_06/2017 - 01.06.2017

Text:  Vera Sohmer

Früher Heilkost, heute auf fast jedem Frühstückstisch die Alternative zu Gipfeli und Konfi: Müesli ist in aller Munde. Bei fertigen Mischungen empfiehlt sich ein Blick auf die Zutatenliste.

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Gute Erfindungen fallen selten vom Himmel. Sie brauchen Inspiration, Beobachtungsgabe, Geschick und den richtigen Zeitpunkt. Beim Birchermüesli kamen mehrere solcher Faktoren zusammen. Dem Aarauer Arzt Maximilian Bircher Benner (1867–1939) kam die zündende Idee auf einer Bergwanderung. In einer Alphütte setzte die Sennerin dem Arzt ein ihm bislang unbekanntes Gemisch aus Milch, Getreide, Äpfeln und Nüssen vor. Den Brei löffelten mit Appetit auch vor Kraft strotzende Sennen, die mit am Tisch sassen.

Was den Arzt zum Schluss brachte: In dieser Speise steckt offenbar das Geheimnis für Gesundheit und Vitalität. Also verabreichte er sie fortan den Patienten seines Zürcher Sanatoriums. Morgens und abends kam eine verfeinerte Variante auf den Tisch, «Apfeldiätspeise» oder einfach «d’Spys» genannt: In Wasser eingeweichte Haferflocken wurden mit gezuckerter Kondensmilch, Zitronensaft und geraffelten Äpfeln samt Kerngehäuse vermischt. Als Garnitur gabs geriebene Nüsse. Zwar gilt Hafer als eines der gesündesten Getreide, ist er doch überaus reich an Ballaststoffen, B-Vitaminen, Eiweiss und Eisen. Bircher-Benner ging es aber hauptsächlich um den mit der Raffel geriebenen Apfel. Wenn der Doktor wüsste, dass Fertigmüesli heute vor allem gezuckerte Getreidemischungen sind!

Perfekter Start in den Tag.
Das Birchermüesli, später auch Müesli oder Müsli genannt, war bald weitherum bekannt und ist im Laufe der Zeit international zum Begriff geworden. Es gilt als gesunde Frühstücks-Alternative, die zudem länger satt macht als Weissbrot mit Konfi. Allein Haferflocken, oft noch immer Hauptbestandteil im Müesli, gelten als perfektes Grundnahrungsmittel.

Kein Wunder finden Hotelgäste im In- und Ausland inzwischen Flocken, Saaten und Samen aller Art auf den Frühstücksbuffets. Und daheim hat wohl jeder seine bevorzugte Mischung, nach Gusto angereichert mit Kernen und Nüssen, getrockneten oder frischen Früchten sowie Milch, Joghurt oder Quark. Wer es rein pflanzlich mag oder keine Kuhmilch verträgt, kann die Flocken zuerst in Wasser einweichen und dann Kokosmilch dazugiessen. Das schmeckt mit frischem Mango oder Papayamus und Erdbeeren besonders gut. Es gibt keine Grenzen bei der Müesli-Kreativität: getrocknete Datteln oder Feigen, frische Blau-, Him- oder Johannisbeeren, Kokosflocken, gepuffter Amaranth, gedörrte Cranberrys, Mandelmilch und natürlich Chiasamen on top.

Die Beispiele zeigen: Vieles ist heute weit weg vom Ursprungsrezept, das einem karg vorkommen mag. Zudem ist süsse Kondensmilch nicht jedermanns Geschmack.

Das Müesl des Spitzenkochs. Birchermüesli ist kein geschützter Begriff. Frisch zubereitete Mitnehm-Portionen vom Bäcker nennen sich so, aber auch trockene Fertigmischungen. Letztere haben den Vorteil, dass das Frühstück daheim blitzschnell auf dem Tisch steht. Es empfiehlt sich jedoch ein Blick auf die Zutatenliste: Konservierungsmittel, künstliche Aromen oder Schokolade müssen nicht sein. Auch zusätzlicher Zucker erübrigt sich, zumal die oft beigemengten getrockneten Fruchtstückchen bereits Zucker enthalten.

Renato Wüst, Spitzenkoch im Grand Resort Bad Ragaz, macht aus dem allerdings kein eisernes Gesetz. «Wer gesund ist und keine Kalorien zählen muss, darf sein – selbst produziertes – Müesli durchaus mit etwas Zucker verfeinern», sagt er. Andere könnten die Zuckermenge reduzieren oder nur mit Honig süssen. Für Wüst ist auch geschlagener Rahm erlaubt, zumindest gelegentlich. Schliesslich sei genau dies das Interessante am Müesli: «Es ist vielfältig und kann nach Belieben angepasst werden.»

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