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Wasser ist Leben

Kategorie: Essen
 Ausgabe_03/2017 - 01.03.2017

Text:  Marion Kaden

Wasser ist Leben! Es ist das Wasser, das im Blut den Sauerstoff und die Nährstoffe transportiert, stoffwechselnd Produkte aus den Zellen holt und die Nieren aktiviert. Und ohne Wasser? – Ist man bald tot!

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Für alle Funktionen essenziell. Auch für die menschliche Gesundheit ist Wasser von existenzieller Bedeutung. Schliesslich besteht der Mensch bis zu 70 Prozent aus Wasser. Sämtliche Körperfunktionen basieren auf dem Molekül H2O. Während Menschen ohne Nahrung bis zu einer Dauer von zwei Monaten auskommen können, kann Wassermangel schon nach wenigen Tagen zu grossen Problemen führen: Stoffwechselprobleme treten auf, die sich in Schwindelgefühlen, Kopfschmerzen, Herzproblemen äussern können. Eine weitere Austrocknung führt schliesslich zur tödlichen Vergiftung zellulärer und organischer Lebensprozesse. Die tägliche Zufuhr von frischem Wasser ist besonders wichtig, weil jeder Mensch nicht nur über die Ausscheidungsorgane Darm und Nieren, sondern auch über Stoffwechselaktivitäten wie beispielsweise das Atmen oder die Regulierung des Wärmehaushalts Wasser verliert – etwa 1,5 bis 2 Liter täglich. Oder mehr, je nach dem wie aktiv der Mensch unter welchen Umweltbedingungen ist. Deshalb wird in jedem Gesundheitsratgeber litaneiartig der Hinweis auf eine «ausreichende tägliche Trinkwassermenge» gegeben. Gemeint sind nicht irgendwelche zuckerhaltigen Softdrinks oder Milch. Diese Gesundheit Wasser enthalten zwar Wasser, müssen jedoch als Lebensmittel erst aufwendig vom Körper verstoffwechselt werden. Auch Kaffee und Tee – ob nun schwarz, grün oder heilpflanzlich – kommen als echte Wasserlieferanten nicht infrage. Sie sind Genussmittel oder haben arzneiliche Wirkungen.

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Durst ist Wassermangel. Gesundheitlich wertvoll ist klares, reines und möglichst frisches Wasser. Über die täglich notwendige Trinkmenge scheiden sich die Geister. Manche geben pseudowissenschaftliche Trinkformeln heraus, die jedoch nicht durch Studien belegt sind. Allgemein werden Erwachsenen zwischen 1,5 bis 2 Liter pro Tag bei «normalen», meist sitzenden Tätigkeiten empfohlen. Wer Sport treibt oder sich viel in warmen Räumen aufhält, wird mehr benötigen.

Wer Schwierigkeiten hat, sich die richtige Trinkmenge einzuverleiben, braucht sich eigentlich nur die vielen vorteilhaften Wirkungen des Wassers klarzumachen: Es denkt sich besser, wenn der Körper mit genügend Wasser versorgt ist; auch ist man konzentrierter; die Verdauung läuft mit genügend Wasser «wie geschmiert» – besonders im Alter ist eine zu geringe Wasseraufnahme die häufigste Ursache für chronische Darmträgheit; man ist wacher und fitter und, und, und.

Bei Trinken nach Uhr oder Gewohnheit geht das natürliche Durstempfinden verloren. Nur der natürliche Durst garantiert uns aber eine richtige Wasseraufnahme, das heisst: nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel! Wer wieder lernt, dem eigenen Durst zu folgen (zum Beispiel durch eintägigen Trinkverzicht), wird kühles, frisches Wasser ohne jegliche Zusätze als Labsal für Körper, Geist und Seele erleben.

Hahnenwasser ist ein Industrieprodukt.
Knapp zwei Drittel aller Schweizer trinken regelmässig Hahnenwasser, so die eigenwerbliche Online-Auskunft des Schweizer Gas- und Wasservereins. Neben dem täglichen Trinkwasserverbrauch verwendet jeder Schweizer durchschnittlich 170 Liter Wasser pro Tag, im Haushalt vor allem für die Toilettenspülung (>40 l) und Duschen und Baden (36 l) – eine Verschwendung der wertvollen Ressource sondergleichen!

Unser Trinkwasser wird zu gut 80% aus Quell- und Grundwasser und knapp 20% aus Uferfiltrat gewonnen. Ein Drittel davon muss nicht aufbereitet werden; ein Drittel wird zur Sicherheit entkeimt, in der Regel mittels UV-Bestrahlung; und ein Drittel muss mehrstufig aufbereitet werden über Kaskaden verschiedener Filtersysteme. Hahnenwasser gilt als das am besten kontrollierte Lebensmittel. Es untersteht der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LVG). Die Darstellungen der Wasseranbieter lesen sich vernünftig und beruhigend. Doch wer sich schon einmal mit der industriellen Wasseraufbereitung beschäftigt hat, bekommt eine Ahnung von den wahren Zuständen: oft ist es ein aufwendig hergestelltes Industrieprodukt, das zu seiner Fertigstellung einer komplizierten, aufwendigen Klärung, Reinigung und Wiederaufbereitung bedarf. Auch Speicherung und Transport des angeblichen «Lebensmittels» lassen vom frischen Bergquellwasser-Image nur wenig übrig.

Risiko Medikamente und Hormone.
Experten fordern seit Jahren einen besseren Schutz der Süsswasser-Ressourcen. So beklagen Umweltverbände wie BirdLife Schweiz, Pro Natura oder WWF Schweiz den unverhältnismässig hohen Pestizideinsatz in der Landwirtschaft. Dies gefährde die Biodiversität, schade den Böden und somit auch dem Grundwasser. Immerhin, politische Änderungen wurden eingeleitet: Mit einem Aktionsplans soll der Einsatz von Schädlings- und Unkrautbekämpfungsmitteln um ein Viertel verringert werden. Kritikern ist der Vorschlagskatalog jedoch nicht ambitioniert genug. Als Gegenentwurf entstand deshalb der «Pestizid-Reduktionsplan Schweiz». Erarbeitet wurde er unter Mitwirkung zahlreicher Fachexperten und in Zusammenarbeit mit Organisationen, die sich für eine wirksame Reduktion der Pestizidbelastung in der Schweiz einsetzen. Sie fordern deutlich schnellere und wirksamere Massnahmen zum Wasser- und Naturschutz.

Neben der (Agro-)Industrie sind wir Menschen selbst bedeutende Wasserverschmutzer. Beispielsweise durch unüberlegte, massenhafte Nutzung von starken Wasch- und Reinigungsmitteln, Verwendung von Kosmetika mit Mikroreinigungsstoffen oder unbedarften Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln im Garten. Ein weiteres grosses Problem stellt die Einnahme von Medikamenten oder Hormonen dar. Der grösste Teil davon wird wieder ausgeschieden und gelangt trotz Kläranlagen ins Grund- und dann ins Trinkwasser. Die Werte von Fremdstoffen liegen zwar im Nano- und Mikrobereich knapp an der Nachweisbarkeitsgrenze. Das sagt jedoch nicht unbedingt etwas über deren Risiken aus. Es sei zwar keine gesundheitliche Gefahr zu erwarten, so der Branchenverband SVGW. Dennoch nimmt man das Thema ernst: In den nächsten Jahren wird die Schweiz ihre Kläranlagen mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe ausrüsten, die Mikroverunreinigungen entfernen soll.

Die zunehmende Trinkwasserbelastung mit Chemikalien, Medikamenten, Hormonen usw. ist laut vielen Experten unzureichend untersucht. Sie warnen vor negativen Langzeitwirkungen von verseuchtem Trinkwasser. Sicher ist: Damit nachfolgende Generationen gesundes Trinkwasser vorfinden, sind grosse Anstrengungen nötig. Doch ein schnelles Handeln seitens der Regierung oder Industrie ist aufgrund wirtschaftlicher Interessen eher unwahrscheinlich.

Buchtipps
• Kröplin/Henschel, «Die Geheimnisse des Wassers. Neueste erstaunliche Erkenntnisse aus der Wasserforschung», AT Verlag, 2016, Fr. 31.90
• Theodor Schwenk, «Das sensible Chaos: Strömendes Formenschaffen in Wasser und Luft», Freies Geistesleben, 2010, Fr. 51.–
• Andreas Wilkens, «Wasser bewegt», Haupt Verlag, 2009, Fr. 48.90

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