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Setzen Sie ein Zeichen

Kategorie: Essen
 Ausgabe_06_2016 - 01.06.2016

Text:  Vera Sohmer

Wie soll die perfekte Tomate sein? Dank einer unglaublichen Vielfalt an Sorten und Geschmäcken kann das heute jeder für sich entscheiden – am einfachsten gleich als Selbstversorger.

Die Tomate ist zum Politikum geworden. «Engagiere dich als Stadt-Tomaten-Botschafter», lautet der Appell eines ProSpecieRara-Projekts. Tönt nach angesagtem Urban Gardening, hat aber einen ernsten Hintergrund. «Ein paar wenige Konzerne produzieren das Saatgut für den weltweiten Markt und bestimmen so, was wir essen», schreiben die Initianten. Dagegen gelte es ein Zeichen zu setzen. Indem Tomaten auch auf Stadtbalkonen anpflanzt werden, und zwar jene, die – im Gegensatz zu den handelsüblichen Hybridsorten – noch vermehrbar sind. Das Saatgut lässt sich ernten und im Folgejahr wieder aussäen. Hobbygärtner können die Samen selbst verwenden und sie Freunden schenken oder auf einer der inzwischen beliebten Saatgut-Tauschbörsen anbieten. Das schaffe Unabhängigkeit und Vielfalt. Bei ProSpecie-Rara können Hobbygärtner unter 138 Sorten wählen. Die dicke Berner Rose ist ebenso dabei wie die ursprünglich aus Kasachstan stammende Zitronentomate.

Am Strauch gereift. Tomaten, die nach etwas schmecken, das war lange Zeit Fehlanzeige. So aromatisch wie schnittfestes Wasser, hiess es zu Recht. Das hat sich geändert. Auch Grossverteiler bieten heute eine Auswahl an, mit denen Wow-Effekte zu erzielen sind. Wer schon einmal eine Coeur de Boeuf oder eine Baselbieter Röteli probiert hat, wird künftig widerwillig nach der Standardware greifen. Mit der gerippten Marinda oder den diversen Cherrytomaten kann man ebenfalls Glück haben.

Ausschlaggebend für ein gutes, der Sorte entsprechendes Aroma sind laut Monika Fessler-Alig zwei Dinge: dass die Stauden in richtiger und guter Erde wachsen und dass die Früchte reif werden dürfen. Handelsübliche Tomaten wachsen meistens in erdfreiem Hors-sol-Anbau. Importierte Ware muss zudem lange Transportwege überstehen und wird deshalb oft unreif geerntet. Dass der Geschmack so auf der Strecke bleibt, liegt auf der Hand. Dennoch ist die Tomate des Schweizers liebstes Gemüse – noch vor dem Rüebli. Mehr als zehn Kilo isst jeder im Schnitt pro Jahr. Das Gemüse gilt als vitaminreich und kalorienarm, soll die Abwehrkräfte und das Herz-Kreislauf-System stärken. In der Küche sind Tomaten Alleskönner und praktisch unverzichtbar. Das war nicht immer so. Als spanische Eroberer die Tomate Ende des 15. Jahrhunderts nach Europa brachten, wollte sie keiner essen. Die Menschen hielten sie für giftig und verwendeten sie als Zierpflanze. Die Italiener unternahmen schliesslich die ersten Anbauversuche. Von Italien aus gelangte die Tomate ins nördliche Europa, wurde aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts zum Volksnahrungsmittel. Weltweit kennt man übrigens mehr als 13 000 Sorten, die sich in der Regel in vier Gruppen einteilen lassen: Rund-, Fleisch-, Flaschen- und Cherrytomaten.

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Geschmack des Sommers. Entscheidend für den Geschmack ist natürlich auch die Saison: Auf dem Hof in Hämikon dauert diese gerade einmal von Mitte Juli bis Mitte September. Und was macht die Produzentin, wenn sie danach Appetit auf Tomaten hat? Nur ganz selten kauft sie einmal welche. Stattdessen sorgt sie vor und konserviert sich den «Geschmack des Sommers» auf verschiedene Art und Weise. Tomaten lassen sich beispielsweise in Scheiben geschnitten im Dörrgerät oder im Backofen trocknen. Danach kann man sie in luftdichte Dosen verschliessen oder in Öl einlegen. Auch Sauce lässt sich leicht herstellen: Vollreife Tomaten je nach Gusto mit Kräutern, Knoblauch oder Chili verfeinern, einkochen, durch ein Sieb streichen, in Weckgläser geben oder einfrieren. Auch ein Chutney lohnt sich. Und die Kinder werden sich nach einem zuckerreduzierten oder mit Honig gesüssten Ketchup die Finger lecken.

Surftipps
• www.farbigetomaten.ch
• www.stadttomaten.ch
• www.prospecierara.ch

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