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Sich schön essen

Kategorie: Essen
 Ausgabe_01/02_2016 - 01.02.2016

Text:  Sabine Hurni

Ayurveda ist mehr als warmes Öl. Es ist eine Philosophie, die sich mit der Verbindung von Körper, Geist und Seele befasst. Die Rasayana-Ernährungsmethode hat das Ziel nährend und verjüngend zu wirken.

Ein langes Leben, die Bewahrung der Jugend und die Vermeidung von Krankheit – wer wünscht sich das nicht? Entsprechend viel lässt sich die westliche Gesellschaft die Erfüllung dieser Wünsche kosten. Doch bereits lange vor der Erfindung von Detox und Schönheitsoperationen haben sich die Verfasser der altindischen Ayurveda-Schriften mit dem Erhalt von Gesundheit, Jugendlichkeit und Vitalität beschäftigt. Die Ayurveda-Lehre befasst sich mit dem Wissen (veda) über die Verbindung von Körper, Seele und Geist als Grundlage des Lebens (Ayuh). Die Grundlage der Lehre des langen Lebens bilden die drei Lebensenergien Vata, Pitta und Kapha. Vata ist die windige Energie, die durch Stress, viele Gedanken und Reisen verstärkt wird. Pitta ist die Feuerenergie, die der Körper für Verdauungsvorgänge und Stoffwechselaktivitäten braucht. Kapha ist die Erdenergie, welche verantwortlich ist für die körperliche Stabilität und die Befeuchtung der Schleimhäute. Jede Pflanze, jedes Tier und jeder Mensch besteht im ayurvedischen Sinn aus einer Ansammlung dieser drei Grundenergien. Wobei je nach Menschentyp oder Lebensmittel die eine oder andere Lebensenergie dominant ist.

Geschmeidig und glänzend. Neben Yoga, Meditation und Kräuterheilkunde werden in den vedischen Schriften vier verschiedene Ernährungsformen beschrieben. Eine davon ist die Rasayana-Ernährung, welche aufbauend, nährend und verjüngend wirken soll. Rasayana bedeutet so viel wie «Methode zur Verwirklichung vorzüglicher Körpergewebe (Dhatu)». Nach ayurvedischer Sicht besteht der Körper aus sieben Gewebearten (Dhatus). Die Körperflüssigkeiten wie Lymphe, Blutplasma und Gewebeflüssigkeit zählen zum ersten Körpergewebe, dem Rasa-Dhatu, das durch die Rasayana-Ernährung gesund gehalten wird. Das zweite Körpergewebe bilden die Blutkörperchen (Rakta Dhatu). Die Muskeln, Sehnen und Bänder gehören zum Mamsa Dahatu und das Fettgewebe zum Meda Dathu. Danach folgt das Knochengewebe, Asthi Dhatu, das Majja Dhatu für das Nervengewebe und das Sukra Dhatu, zu dem die Fortpfl anzungsorgane gehören.

Weil das erste Körpergewebe, das Rasa-Dhatu, alle anderen Körpergewebe nährt, fällt diesem eine grosse Bedeutung zu. Sind die Rasa-Körpersäfte intakt, bleibt der Körper innerlich feucht und geschmeidig. Die Haut bleibt straff, die Lippen sind voll und die Augen haben einen schönen Glanz. Die Verdauung ist regelmässig, die Gelenke sind gut geschmiert und das Energieniveau ist hoch.

Lebensmittel, die guttun
Vor gut 7000 Jahren, als die ersten Bücher der vedischen Schriften verfasst wurden, beruhten die medizinischen Kenntnisse auf Beobachtung und Erfahrung. Das ayurvedische Heil- und Gesundheitssystem lässt sich deshalb nicht in jeder Hinsicht durch die wissenschaftliche Brille betrachten. Rasayana-Lebensmittel enthalten somit nicht bestimmte Nährstoffe oder Vitamine. Sie sind vielmehr in ihrer Grundqualität aufbauend, befeuchtend und nährend. Zudem stärken sie eines oder mehrere der sieben Körpergewebe. Hier eine Auswahl:
• Bratbutter
Bei uns verpönt, im Ayurveda ein Muss. Ghee ist nichts anderes als eingesottene Butter. Ghee befeuchtet den Darm, ist ein Geschmacksträger für die Gewürze und verbessert die Nährstoffaufnahme. Besonders im Winter ist Ghee das Kochfett der ersten Wahl.
• Milch mit Honig
Warme Milch mit Honig gilt hierzulande als Einschlafhilfe. Das ist im Ayurveda auch so. Milch, Wasser, Honig und Ghee sind die vier allerwichtigsten Rasayana- Grundbestandteile im Ayurveda. Entweder alles zusammen oder einzeln eingenommen, stärken diese Lebensmittel die drei Körperenergien Vata, Pitta und Kapha. Nicht nur am Abend, sondern ersatzweise auch morgens.
• Gewürze
Im Ayurveda ist Ingwer nicht wegzudenken. Seine wärmende Wirkung regt den gesamten Stoffwechsel an, fördert die Verdauung und nährt alle Gewebeschichten. Ideal auch zur Stärkung des Immunsystems. Genauso wichtig sind Kurkuma und Kardamom. Kurkuma ist energiespendend und reinigend, Kardamom regt die Verdauung an und sorgt  klaren Geist.
• Trockenfrüchte
Besonders Rosinen, getrocknete Aprikosen, Feigen und Datteln sind ausgezeichnete Aufbaumittel. Um Blähungen zu vermeiden, sollten ältere Leute und Personen mit Neigung zu trockener Haut und Verstopfung das Trockenobst vor dem Verzehr einweichen.
• Nüsse
Mandeln, Kürbiskerne, Sesamsamen und Sonnenblumenkerne enthalten wertvolle Fettsäuren, die den Körper nähren. Trocken geröstet werden sie bekömmlicher und schmackhafter.
• Weitere Rasayana-Lebensmittel
Safran, Aprikosen, Äpfel, Karotten, gekochter Knoblauch, Mangos, Muskatnuss, Geflügel, Eier, Hülsenfrüchte und gekochtes Getreide wie Reis, Mais oder Hafer-Porridge.

Altruismus macht schön. Falsche Ernährungsgewohnheiten und Verhaltensweisen schädigen die einzelnen Körpergewebe auf die Dauer und lassen den Körper schneller altern. Wer seinen Körper feucht, schön und gesund halten möchte, muss im Alltag einiges beachten. Denn in den Ayurveda-Lehrbüchern heisst es: «Nur die Menschen, die sich ohne Unterbrechung gesund ernähren und verhalten, die bei allem zwischen Gutem und Schlechtem unterscheiden und weise handeln, die nicht allzu sehr von Sinnesobjekten abhängig sind, die altruistische Gewohnheiten entwickeln, die alle als gleichwertig betrachten, die nur die Wahrheit sprechen, die eine verzeihende Natur besitzen und die Gesellschaft nobler Personen suchen, werden frei von Krankheit.»

Die Schönheit von innen erblüht durch gute Gewohnheiten wie drei regelmässige warme Mahlzeiten, einen regelmässigen Schlafrhythmus und frische, aufbauende Rasayana-Nahrung. Als Rasayana werden im Ayurveda diejenigen Lebensmittel, Gewürze und Heilmittel bezeichnet, die dem Körper konzentrierte Lebensenergie liefern, das Hormonsystem stimulieren und aufbauend auf die einzelnen Körpergewebe wirken. Sie werden nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, nach einem stressreichen Tag oder nach einem kräftezehrenden Streitgespräch eingenommen, um Körper, Geist und Seele wieder aufzubauen. Oder immer dann, wenn sehr viel Energie verbraucht wurde.

Tägliche Ölmassage.
Ein weiteres Schönheitsritual im Ayurveda sind Ölmassagen, die man täglich selber durchführen kann. Was für westliche Ohren etwas umständlich klingt, ist in der Realität gar nicht so fremd und unbedingt einen Versuch wert: Bevor man sich unter die Dusche stellt, nimmt man etwas Sesam-, Argan-, Oliven- oder Sonnenblumenöl und reibt sich von Kopf bis Fuss damit ein. Man beginnt mit dem Gesicht und streicht das Öl von oben nach unten. Bei den Gelenken darf man ruhig ein bisschen kreisend verweilen. Wie ein warmer, geschmeidiger Mantel hüllt das Öl den Körper ein. Wer Zeit hat, erwärmt es zuvor ein bisschen im Wasserbad. Danach warm duschen und sich zum Trocknen nur abtupfen, damit die Öl-Wasser-Emulsion auf der Haut bleibt. Das warme Öl reduziert Stress, gibt ein gutes Körpergefühl und pflegt die Haut nachhaltig.

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Fotos: zvg

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