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Der Sieg der Bio-Revoluzzer

Kategorie: Essen
 Ausgabe_06_2015 - 01.06.2015

Text:  Bruno-Thomas Eltschinger

Einer der besten Weine der Welt ist ein Bio-Wein – aber das war nicht immer so. Der Weinkenner Bruno-Thomas Eltschinger über den langen Weg eines ehemals eher sauren Nischenproduktes, das heute von Connaisseurs in den höchsten Tönen gelobt wird.

Ich konnte schon einige historische Weinmomente erleben, welche meine Einstellung zum Wein lenkten und beeinflussten. Im Guten wie im Schlechten. Schlechte Weine von früher haben mich vorsichtig gemacht und fast zum Biertrinker bekehrt. Zum Glück gibt es inzwischen sehr gute Weine, meistens von guten Menschen gemacht. Aus diesem Streben nach bester Qualität ist auch die Bewegung Bio-Wein geboren. Es gibt zwar viele hervorragende, klassisch gemachte Weine, aber plötzlich sind die Konsumenten, wie ich auch, vorsichtig geworden. Nach globalen Lebensmittelskandalen und Enthüllungen über Methoden und Praktiken wie unsere Essensrohstoffe produziert werden, fragte man sich unvermittelt was ist da drin, was esse oder trinke ich?

Ein erfolgreicher Kampf

Eine Schlacht war entfesselt um den Bio-Wein. Die Pro-Bewegung hat unzählige Studien, Analysen, Laborberichte und Goldmedaillen in den Kampf geschickt. Die Gegner haben nur eine Waffe benutzt, und zwar die magere Qualität der früheren Bio-Weine. Lange Zeit herrschte in dieser Revoluzzerszene eine Haltung von Guerillakampf gegen alles Bisherige. Mit Erfolg: Heute sind Bio-Weine akzeptiert und haben sich längst im Markt manifestiert. Aber auch die Kundenstruktur hat sich verändert. War die Klientel am Anfang hauptsächlich von «Bio-Hardlinern» geprägt, so sind es heute überwiegend Genussmenschen, die den biologischen Weinbau als positiven Zusatznutzen für sich selbst und die Umwelt sehen. Für Winzer bedeutet das, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Umwelt und Pflanze zu erhalten und im Einklang mit der Natur zu arbeiten.

Spinner und Sonderlinge

Was noch vor 20 Jahren wie eine Spinnerei von Sonderlingen anmutete, gehört im Spitzenweinbau längst zum Alltag. Der vielleicht berühmteste und teuerste Wein der Welt, der «Romanée Conti» im Burgund etwa, wird nach den Lehren der Biodynamik gezogen und gekeltert. Solche Weine spiegeln nicht nur Boden und Klima des Weinbergs wieder, sie sind auch Ausdruck einer Philosophie.

Wenn ich Winzer im Wallis oder in Südafrika, im Thurgau, in der Nahe in Deutschland, im Burgenland oder in Chile besuche, ist eine Erfahrung immer prägend; wo ich die besten Weine probiere und die glaubwürdigsten Winzer treffe, wird fast ausschliesslich biologischer Weinbau betrieben und natürlicher Wein produziert. Sehr oft ohne Zertifizierung und Bio-Etikette, aber nach viel strengeren Kriterien, als es das Gesetz verlangt. Natürliche Weine empfinde ich als extrem spannend und sehe sie als eine immense Bereicherung der Weinwelt. Bio-Weine sind oft wie Streicheleinheiten für unseren Gaumen und jeder Schluck erinnert daran, dass «Bios» auf Altgriechisch «Leben» bedeutet.

Zur Person
Bruno-Thomas Eltschinger, ist gelernter Koch, Gastwirt und Eidg. dipl. Maître d’hôtel und Sommelier. Er ist freier Journalist, Präsident des Schweizer Sommelierverbandes SVS/ASSP und Gründer der Schweizer Sommelier-Fachschule SFS, www.sommelierfachschule.ch

Fotos: zvg

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