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Tschüss Milchschaum!

Kategorie: Ernaehrung
 Ausgabe_06_2015 - 01.06.2015

Text:  Vera Sohmer

Ein dreiwöchiger Selbstversuch als Veganerin zeigt: Es geht ohne Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Aber nicht alles läuft rund.

Die Erfahrung mit dem morgendlichen Milchkaffee zeigt, wie sehr wir auf bestimmte Lebensmittel konditioniert sind, uns beim Genuss auf Gewohntes verlassen. Dass man also nach einem möglichst ebenbürtigen Ersatz sucht, ist nur menschlich. Doch für mich persönlich ist es die bessere und kulinarisch letztlich auch spannendere Lösung, etwas Neues wie den Schwarztee auszuprobieren, als einfach Sojamilch in den Kaffee zu schütten.

Wer Veganes kaufen will, kann inzwischen aus einem üppigen Angebot schöpfen. Bei verarbeiteten Produkten allerdings empfiehlt sich ein Blick auf die Verpackungsaufschrift. Oft hat es Flüssigei, Milchprotein oder Gelatine dort, wo es der Konsument kaum vermutet hätte. Vorbildlich: Manche Läden kennzeichnen auch unverpackte Produkte an der Selbstbedienungstheke. Vegane Backwaren etwa. Am einfachsten nähert man sich der veganen Küche mit unverarbeiteten Zutaten: Früchte, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse bilden die ideale Basis, um schmackhafte Gerichte zu kochen. Und Pasta aus Hartweizengries mit Gemüse oder Tomatensauce ist ohnehin schon vegan. Ein gutes Rezeptbuch wie beispielsweise «Cucina vegana» von Heike Kügler-Anger hilft, fixe Vorstellungen zu revidieren: So schmeckt ein Fenchel-Zitronen-Risotto auch ohne Butter und Parmesan hervorragend. Das Gericht ist erfrischend und macht satt, ohne schwer aufzuliegen.

Das Bauchgefühl.

Genussexperten sagen, dass das Bauchgefühl das Wichtigste sei beim Essen. Wenn sich wohlige Zufriedenheit einstellt, verleibt man sich das Richtige ein. Der Effekt macht sich bemerkbar nach einer reichlich bestückten Minestrone, oder einer Pfanne Bratkartoffeln mit Salat. In aromatischem Rapsöl schmurgeln die Würfelchen aufs Trefflichste goldgelb, Butter war gestern. Doch nicht jedes neue Gericht macht mich und meinen Bauch nachhaltig glücklich. Im Bio-Laden kaufe ich eine Tofu-Curry-Mango-Schnitte und eine Frischkäse-Alternative aus fermentiertem Bio-Soja und getrockneten Tomaten. Ersteres schmeckt, kalt oder kross angebraten, fantastisch, etwa in einem lauwarmen Linsensalat. Letzteres hat etwas unerklärlich Reines, aber auch Fremdes. Ich streiche die roséfarbene Paste auf Pumpernickel-Scheiben. So weit, so fein. Bis das Soja verdaut werden muss: Abends stellen sich schlimmste Blähungen ein, wie ich sie zuletzt nach dem Verzehr von Hummus aus Kichererbsen hatte. Am nächsten Tag starte ich gleich einen weiteren Versuch. Ich esse weniger von den Sojaprodukten – und werde mit nur noch mittelschlimmen Blähungen belohnt.

Der Fleischersatz.

Ich habe noch den aus Weizen-Eiweiss bestehenden Fleischersatz Seitan und Tempeh aus fermentierten Sojabohnen auf dem Speiseplan. Beides soll sehr bekömmlich sein, was sich bewahrheitet. Aus Seitan bereite ich Geschnetzeltes mit Curry und Kokosmilch zu. Das ist akzeptabel, wenngleich die Erwartung mitschwingt, dass es so zu schmecken hat wie Pouletfleisch, was natürlich nicht der Fall ist. Die Tempeh-Würfel mariniere ich in Sojasauce und brate sie mit Lauch-, Karotten- und Selleriestreifen an. Es ist keine Geschmacksoffenbarung und lässt mich unzufrieden zurück. Mein Körper verlangt die halbe Nacht nach Bratkartoffeln.

Ich stelle fest: Produkte, die nicht Fleisch sind, aber so tun, als seien sie es, werden nie mein Ding sein. Die der kundigen Verkäuferin aus dem Bioladen auch nicht. Sie ist Flexitarierin, ernährt sich hauptsächlich vegetarisch, gönnt sich aber durchaus einmal einen Bodensee-Felchen, lehnt Meerfisch jedoch ab. So wie sie auch viel anderes verwirft, was mit Raubbau an der Natur und artfremder Tierhaltung zu tun hat. Genau hinschauen, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie produziert wurden, lautet ihre Devise. Und wenn man es nicht vertreten kann, darauf verzichten. Ein Grundsatz, den ich unterstützen kann und der letzten Endes in meinen Vegan-Versuch mündete: Ist es möglich, sich ganz ohne tierische Produkte zu ernähren? Es ist. Man muss dabei aber auf eine ausreichende Vitamin-B-12-Zufuhr achten, empfiehlt die Vegane Gesellschaft Schweiz. Andernfalls handelt man sich unter Umständen einen Mangel dieses lebenswichtigen Vitamins ein – und kommt deshalb längerfristig nicht um eine Substitution herum. Würden wir leben wie früher, wäre es anders, schreibt Arzt und Psychotherapeut Ruediger Dahlke in seinem Buch «Vegan für Einsteiger». B 12 werde von Bakterien auf der Oberfläche unbelasteter (Feld)-Früchte gebildet. Glücklich, wer sie ungewaschen aus dem eigenen Bio-Garten verzehren kann.

Foto: fotolia.com

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