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Colonialwaren & Conserven

Kategorie: Essen
 Ausgabe 4 - 2009 - 01.04.2009

Text:  Heini Hofmann

In Zürichs Altstadt steht ein Lebensmittelgeschäft, an dem die Zeit scheinbar spurlos vorbeigegangen ist: der Kolonialwarenladen H. Schwarzenbach. Tradition und Authentizität sind sein Erfolgsrezept.

Colonialwaren & Conserven

In der Zürcher Altstadt, rechts von der Limmat, zwischen Ober- und Niederdorf, keine hundert Meter vom Grossmünster entfernt, der Grabkirche der Stadtheiligen Felix und Regula, und schräg vis-à-vis vom Cabaret Voltaire im Haus der avantgardistischen, nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen Dada-Bewegung steht es, das Kolonialwarengeschäft Schwarzenbach – selbst ein Kuriosum, aber erstaunlicherweise ein flott florierendes Zeitdokument.

Gelebte Tradition

Das Kolonialwarengeschäft in der Zürcher Altstadt mag durch sein Traditionsbewusstsein antiquiert erscheinen. Doch das trügt; denn bezüglich Firmen-Imaging und Corporate-Identity-Auftritt stellen die Schwarzenbachs alles in den Schatten. Wo sonst in der Schweiz gibt es ein Detailhandelsgeschäft als Familienunternehmen, dessen Patron in fünfter Generation den gleichen Vornamen trägt und das seine ursprüngliche Firmenbezeichnung, «Colonialwaren», beibehalten hat? Seine Schaufensterauslagen und die Ladeneinrichtung haben sich seit Bestehen kaum verändert.

Delikatessen mit eigenem Charakter

Die inzwischen magische Institution im Bereich alteingesessener, spezialisierter Lebensmittelgeschäfte erinnert an einen Krämerladen aus früherer Zeit. Was vor 144 Jahren mit Teigwaren, Eiern, Gewürzen und Kaffee begann, ist heute ein riesiges Sortiment von rund 3000 Artikeln: darunter nicht weniger als 150 Teesorten und 17 verschiedene Kaffeemischungen. Gross ist auch die Auswahl an Honig, Konfitüre, Schokolade und kandierten Früchten, an Salz-, Senf- und Gewürzspezialitäten, Öl und Essig, Hülsenfrüchten, Mehl und Flocken, Reis und Teigwaren. Hier gibt es keine Selbstbedienung, sondern, wie es sich gehört, kompetente Verkaufsberatung.

Aus allen Ecken der Welt

Im Mittelmeerraum war die Feige einst ein wichtiges Nahrungsmittel; denn sie enthält mehr Zucker und Vitamine als jede andere Frucht, und mit ihrer grossen Menge an Ballaststoffen wirkt sie sich vorteilhaft auf die Darmtätigkeit aus. Beim Betrachten der kunterbunten Auslagen haben Auge und Gaumen die Qual der Wahl: Feingeschnittene, hocharomatische Mangoscheiben aus Mexiko wetteifern mit fruchtzucker-gesüssten Mangostreifen, limesaftbeträufelten Papayaschnitzen, getrockneter Cavaillon-Melone oder schmackhaften Kokosstreifen aus Thailand, mit kandiertem, saftig-scharfem australischem Ingwer, biologischer Jackfruit aus Sri Lanka, bittersüssen Kumquats von den Philippinen, säuerlich-saftigen Nektarinenhälften aus Kalifornien oder naturbelassenen Kiwischeiben aus dem Iran.

Im Rückspiegel der Geschichte
Kolonien waren die von europäischen Staaten erworbenen, meist überseeischen Besitzungen. Der neuzeitliche Kolonialismus begann parallel zu den grossen Entdeckungen im 15. Jahrhundert und war ein Mix aus Handelsinteressen, Rohstoffausbeutung, politischen Absichten und Missionie­rungsdrang. Trotz Entkolonialisierung blieben die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen den ehemaligen Kolonien und dem «Mutterland» grossenteils bestehen. Die kleine Schweiz hat zwar selber nie Kolonien besessen - doch indirekt nahm auch sie am Prozess der europäischen Expansion teil. Deshalb gab es früher überall in den Städten und auf dem Land diese exotisch anmutenden Kolonialwarenläden mit ihrem fremdländischen Sortiment. Um der Geschichte und der politischen Korrektheit Genüge zu tun, verschwand diese Bezeichnung nach dem Zweiten Weltkrieg nach und nach gänzlich. Schwarzenbachs Kolonialwarengeschäft in der Zürcher Altstadt blieb ein Kolonialwarengeschäft.

Zwetschgen, Äpfel, Beeren, Trauben, Nüsse

Natürlich fehlen auch einheimische Produkte nicht, so etwa saueraromatische Fellenberger Zwetschgen, Schweizer Apfelringli mit Schale, Apfelschnitze mit Schale wie zu Grossmutters Zeiten. Aber auch Birnen «Gute Luise» als Snack, für Aufläufe oder Birnbrot, die selbst neben den saftigs-süssen kalifornischen Jumbo-Früchten gute Figur machen. Auch Nüsse und Kerne gibts in allen Variationen: erlesene Grenobler Baumnüsse zum Knacken oder nährstoffreiche chilenische Baumnusskerne, ganz und gemahlen, Haselnüsse aus Italien, geröstet oder gemahlen, und dazu die extra grossen Römer Riesen. Die Aufzählung lässt sich beliebig weiterführen: Spanische Nüssli und geröstete, mit einer Wasabi-Kruste ummantelte Erdnusskerne, die fast so etwas wie süchtig machen können. Aus Bolivien die fettreichen Paranüsse, dreikantige «Samen» des wild wachsenden Brasilnussbaumes, aus Indien die speziell gut verträglichen Kernels oder Cashew-Kerne, die zu den fettärmsten Nüssen zählen, und aus Kenia die Macademia-Nüsse, deren ursprüngliche Heimat Australien ist und die zu den Feinsten gehören.

Beziehung zu Kunden und Produzenten

Nicht zu vergessen die gerösteten und gesalzenen Apéro-Pistazien aus Kalifornien, die leicht harzig schmeckenden Pinienkerne aus Portugal, die als Samen des Pinienbaums in den brau­nen Zapfen reifen. Und schliesslich noch die Sonnenblumen- und Kürbiskerne, letztere aus Österreich. Sehr beliebt sind die hauseigenen Nussmischungen oder Tutti-Frutti mit gleichen Anteilen an Beeren und Nüssen. Heute, wo die Kundschaft häufig selber reist und fremdländische Spezialitäten kennen und schätzen lernt, wandelt und vergrössert sich das Angebot und passt sich der Nachfrage an. Das Angebot ist dauernd in Bewegung. Mit sichtlichem Stolz sagt der 42-jährige Ururenkel des Firmengründers und derzeitige Unternehmensleiter in fünfter Generation, Heini Schwarzenbach: «Weil ein Kleinunternehmen agiler ist, kann es rascher auf Kundenwünsche reagieren. Überhaupt spielt neben der Qualität des Angebots die Nähe zum Kunden und dessen individuelle Beratung eine ausschlaggebende Rolle; denn die Rückmeldungen aus der Kundschaft lassen uns bei der Assortierung des Sortiments sofort richtig reagieren.»

Internet
www.schwarzenbach.ch

Bild: © FSZ

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