Raus, auch bei Regenwetter!

Was in Norwegen gilt, hat auch in der Schweiz Gültigkeit: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

@ istockphoto.com, zvg, foss

Vor bald 50 Jahren hat die Firma Gore-Tex die Sport- und Outdoorbekleidung revolutioniert: Mit der ersten dauerhaften, winddichten und atmungsaktiven Membrane ist Gore-Tex bei der Textiltechnologie in neue Sphären vorgestossen. Endlich war es möglich, den Schweiss nach aussen abzuleiten und gleichzeitig Wind und Regen abzuweisen. «Kleben statt nähen», heisst es seither und lange Zeit wurde beim «Alleinunterhalter Gore» über Umweltprobleme bei Produktion und Entsorgung dieser Laminate hinweggesehen. Erst seit der Jahrtausendwende ist es der Konkurrenz gelungen, alternative Membranen mit ähnlich guter Wirkung zu entwickeln und zu günstigeren Preisen anzubieten. Funktion und Optik sind seither auf breiter Basis kein Widerspruch mehr.

Naturburschen in Hightechklamotten. Es sind definitiv nicht mehr die roten Socken, die Naturfreunde verbinden. Der Markt hat die «Outdoor-Eitelkeit» entdeckt und bewirtschaftet sie mit einer Vielzahl von Polyester-Shirts, Fleece-Pullovern, Regenjacken und knieverstärkten Hosen. Die Palette ist riesig. Doch was macht Sinn? Und was kostet das alles? Die Preise für Marken-Hightechprodukte sind im edlen Hochpreissegment in Höhen gestiegen, die vor der Jahrtausendwende kaum denkbar waren. Mit einem Budget von 700 Franken ist aber schon vieles möglich. Wer mehr zur Verfügung hat, kann auch weit über 1000 Franken alleine für eine Jacke ausgeben. Doch gilt auch hier: Der Preis allein ist keine Garantie für Topqualität.

Wie ist man «draussen zu Hause»? Die richtige Ausrüstung trägt viel bei zu einem ungetrübten Naturerlebnis ohne böse Überraschungen. Das Schlagwort heisst Multifunktionalität, denn eine Schlechtwetterausrüstung sollte warm halten, vor dem Wind und Regen schützen, auf der Haut für ein trockenes Klima sorgen und erst noch möglichst leicht sein. Klingt unmöglich, ist es aber nicht: Dank Hightechmaterial und dem altbewährten Zwiebel- oder Dreischichtenprinzip.
Zur ersten Schicht gehört alles, was auf der Haut getragen wird, Unterwäsche und Shirts also. Sie müssen den Schweiss schnell aufnehmen, grossflächig verteilen und zur nächsten Schicht weiterleiten, sodass die Feuchtigkeit verdunsten kann. Das verhindert ein Auskühlen der Körperoberfläche. Am besten eignen sich dazu synthetische Materialien, Mischgewebe und Merinowolle, die auf der Haut nicht «beisst».
Die zweite Schicht muss vor allem warm halten. Dafür bietet sich ein langärmliger, atmungsaktiver Faserpelz an, der sogar in nassem Zustand die Körperwärme speichert. Wie warm ein Fleece ist, wird in Gramm pro Quadratmeter Stoff angegeben. Die Skala reicht von 100 bis 300 – je höher die Zahl, desto wärmer das Produkt. Auch eine Softshelljacke kann als zweite Schicht dienen. Sie funktioniert gleich wie der Faserpelz, ist aber zusätzlich winddicht und wasserabweisend. Ganz wasserdicht sind Softshelljacken aber nicht, deshalb können sie nicht die dritte Schicht ersetzen.
Die dritte und äusserste Schicht muss verlässlich vor auskühlendem Wind und starkem Regen schützen. Sie muss atmungsaktiv sein, also den Schweiss von der zweiten Schicht übernehmen und nach aussen transportieren. Jacke und am besten auch Hose sollten eine wasserdichte Membrane haben oder beschichtet sein. Eine Alternative zur Membrane bietet etwa das schwedische Unternehmen Fjällraven an: Es macht dichtgewobene Baumwollstoffe mit einem Wachs wasserabweisend.

Die Macht der Konsumenten. Unterwegs in unberührter Natur und dank entsprechender Kleidung entspannende Erlebnisse bei jedem Wetter, das ist dass was wir uns wünschen. Aber nicht selten begleitet uns das Gift auf Bergtouren und Velofahrten, ohne dass es uns bewusst ist. Denn gesundheitsschädigende per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) machen noch immer viele Jacken und Schuhe wasserdicht und schmutzabweisend.

Doch immer mehr Menschen kümmert das – sie berücksichtigen deshalb bei der Wahl ihrer Ausrüstung auch umweltrelevante Faktoren. So ist Nachhaltigkeit verstärkt zu einem Verkaufsargument geworden, und dies wiederum ist der Beweis, dass das Verhalten der Konsumenten durchaus einen Einfluss auf die Produktionsweisen hat.

Marktführer Gore will entgiften. Die Umweltorganisation Greenpeace versucht seit Jahren die Outdoorbranche wachzurütteln. Lange mit mässigem Erfolg. In den letzten zwei Jahren aber haben sich immer mehr Hersteller mit umweltfreundlichen Alternativen, also PFC-freien Kleidern, auf dem Markt etabliert. Die Schweizer Outdoormarke «Sherpa Outdoor» etwa oder der Nischenplayer «R’adis» gehörten zu den ersten, die schon vor Jahren reagiert haben und PFC-freie, qualitativ hochstehende Dreilage-Jacken auf den Markt gebracht haben. Die grossen Namen hingegen lassen sich mehr Zeit. Im Februar dieses Jahres hat sich nun aber Gore Fabrics, die Branchenleaderin und Herstellerin von Gore-Tex-Produkten, mit Greenpeace auf ein gemeinsames Ausstiegsszenario geeinigt: Gore hat sich verpflichtet, bis Ende 2020 ökologisch bedenkliche PFCs in den Laminaten zu ersetzen und bis 2023 alle Vorprodukte für Outdoorkleider zu entgiften. Die ersten Gore-Produkte mit einer PFC-freien Imprägnierung sollen ab der Herbstsaison 2018 im Handel verfügbar sein.

Nachhaltig gegen Wind und Regen. Mit einem neuen System die Nase vorne hat aktuell Columbia. Die amerikanische Marke präsentierte diesen Frühling die erste umweltfreundliche Outdry Regenjacke ohne PFCs. Outdry steht seit einem Jahr für eine neuartige Aussenschichtverarbeitung. Die Membrane wird, anders als bisher, direkt auf das Aussenmaterial aufgetragen. Das neue System kehrt die bisherige Architektur einer Jacke um: Die wasserabweisende Membrane ist nicht im Innern der Jacke, sondern aussen und damit direkt dem Wetter ausgesetzt. So können Wasser und Schmutz nicht in Zwischenräume und Materialschichten eindringen. Wenn keine Feuchtigkeit über die äusserste Schicht hinaus nach innen gelangt, verringert sich auch das Risiko von Schimmelpilzen und Bakterien, die gedeihen können, wenn innere Stofflagen feucht werden. Die innere Gewebeschicht wird im Gegenzug laminiert, sodass sie Feuchtigkeit aufnehmen, verteilen und verdampfen kann.

Bei der Herstellung der Eco-Regenjacke von Columbia wird vollständig auf PFCs verzichtet. Die atmungsaktive Jacke ist wasserfest und besteht aus hundertprozentigem recyceltem Polyester, das aus rund 21 Flaschen erzeugt wurde. Bei der weissen Jacke wurde auf eine Färbung verzichtet, um bei der Produktion 80 Prozent der Wasser- und Energieressourcen einzusparen. Auch Etiketten, Knöpfe, Laschen, Fäden und Ösen stammen aus 100 Prozent wiederverwertete Materialien.

Der Wetterschutz der Zukunft? Die Produkteentwickler der Outdoorbranche sind überzeugt, dass die «Evolution der Outdoorkleider» ungebremst weitergeht. Computer werden immer kleiner, sodass sie schon bald als Sensoren für die Klimakontrolle in die Bekleidung eingearbeitet werden können. Bei Columbia Sportswear zum Beispiel geht man davon aus, dass adaptive Kleidungsstücke, die Farben, Formen und Oberflächen verändern können, schon bald Realität sind und Textilien auf den Markt kommen, die auf Umwelteinflüsse reagieren können. (foss)

Foto: istockphoto.com, zvg, foss

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