Nordwärts

Markus Kellenberger

Der Norden ist in – drum geht man hin. So kurz und bündig könnte der Werbespruch für einzigartige Ferien in Lappland sein. Dort, inmitten von nichts anderem als Natur, leben die Sami, die letzten Indianer Europas.

@ fotolia.com, stockphoto.com

Was uns Schweizern die Kühe, sind den Lappen die Rentiere; was uns Schweizern der Jodel, ist den Lappen der Joik; und was uns Schweizern . . . ich könnte noch lange aufzählen, denn zwischen dem letzten indigenen Volk Europas und den Bewohnern der zwischen vier EU-Ländern eingebetteten Alpeninsel gibt es viele Gemeinsamkeiten.

Eine weitere ist zum Beispiel die grosse Liebe der Lappen zur Natur, denn was uns die Berge, ist ihnen die Weite einer Landschaft, die aus nichts als lichten Birken- und Nadelwäldern, sanft geschwungenen Hügeln, Heiden und glasklaren Flüssen und Seen besteht. Lappland, das sich knapp oberhalb des Polarkreises im Grenzgebiet zwischen Finnland und Norwegen befindet, ist Natur pur. Seit über 6000 Jahren lebt hier dieses Hirtenvolk, das sich selber Sami nennt und erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine eigene Form von Sesshaftigkeit entwickelt hat.

Frei wie die Samen – und die Schweizer. Kautokeino heisst die Hauptstadt der Samen. Aber was heisst schon Hauptstadt? Weit in die sanfte Landschaft gestreut stehen liebevoll bunt gestrichene Holzhäuser und die wenigen modernen Hotels und Verwaltungsgebäude, alle ebenfalls aus Holz, ragen nie weiter als drei Stockwerke in die Höhe. 3000 Menschen leben hier und trotzdem zieht jeder Dritte von ihnen im Sommer, wenn die Sonne von Mai bis Juli auch um Mitternacht nie untergeht, als Nomade mit seinen Rentieren mit. So wie es die Samen schon immer tun.

Genau das macht Reisen und Ferien in diesem so nahen und doch so unbekannten Land zu einem ausserordentlichen Erlebnis: Diese Mischung zwischen uns vertrauter europäischer Kultur – und dem Leben als naturverbundene Ureinwohner. Denn auch hier trifft die Seele der Schweizerinnen und Schweizer mit jener der samischen Bevölkerung zusammen. Wir wandern in unserem Land frei und fröhlich über Feld, Wald und Wiesen – und ebenso frei ziehen die Samen mit ihren Herden über Land. Beidem wohnt ein Drang nach Freiheit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit inne, der sich auch in einer einzigartigen Gesetzgebung niederschlägt. Norwegen, Finnland sowie Schweden und – man staunt – die Schweiz sind neben Schottland die einzigen Länder in Europa, die seit Menschengedenken ein fast uneingeschränktes «Jedermannsrecht» kennen.

Kurz zusammengefasst bedeutet das: Jeder Mann und jede Frau darf unter Berücksichtigung regionaler Vorschriften auf unkultiviertem Land für mindestens eine Nacht sein Zelt aufschlagen, ein Feuer machen, wild wachsende Pilze, Beeren und Früchte sammeln, Bäche und Seen mit Booten befahren und nach Herzenslust darin baden. Dass man dabei auf die Natur gebührend Rücksicht und den Müll wieder nach Hause nimmt – davon geht das Jedermannsrecht aus.

Kleiner ist immer feiner. Wo Menschen so viel Freiheit zugestanden wird, macht Reisen auch richtig Spass, sei das individuell oder in geführten Kleingruppen. Für Lappland trifft das besonders zu, denn obschon der Norden als Reiseziel boomt, haben die Samen etwas Wichtiges von Anfang an berücksichtigt: Nur ein naturnaher und nachhaltig geplanter Tourismus hat Zukunft und ermöglicht auch nachfolgenden Generationen eine sichere Einnahmequelle. Das spiegelt sich in den verschiedenen Angeboten wider, die in den letzten Jahren entstanden sind, nicht zuletzt auch unter der aktiven Mithilfe des auf Nordlandreisen spezialisierten Reiseveranstalter Kontiki mit Sitz in Baden. Geschäftsführer Bruno Bisig bürgt höchstpersönlich dafür, dass neue Angebote immer unter Berücksichtigung der Natur, der Nachhaltigkeit und vor allem der Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung geplant werden. «Massentourismus wird nie unser Ziel sein», sagt er.

Um das langfristig sicherstellen zu können, ist Bisig direkt in die Entwicklung unterschiedlicher Tourismusprojekte vor Ort eingebunden. «Das ist natürlich auch im eigenen Interesse», gibt er zu. «Wer nicht nachhaltig und damit langfristig plant, verdient heute zwar schnell viel Geld – aber morgen nichts mehr. Das gilt für uns ebenso wie für die samische Bevölkerung.» Und die liegt ihm spürbar am Herzen.

Wo die alten Götter leben. Lappland ist ein Paradies für alle, die im Sommer die einzigartige Kultur eines alten und eigensinnigen – und seelenverwandten – Volkes hautnah erleben möchten. Kleine, traditionelle und auch familienfreundliche Blockhaussiedlungen, von denen aus Wanderungen und Spaziergänge unternommen werden können, garantieren eine Naturnähe, wie sie nirgends sonst in Europa noch erlebt werden kann. Und das mit allem nötigen, aber bestimmt nicht überkandidelten Komfort.

Auch Wintermenschen kommen hier im hohen Norden auf ihre Kosten. Denn so hell und sonnenreich der Sommer oberhalb des Polarkreises ist, so dunkel und sternenvoll sind die kalten Wintermonate. Glitzernder Schnee überzieht das ganze Land und am Himmel leuchten grün und blau und rot und wunderbar schön die gewaltigen Nordlichter – wer das Schauspiel erlebt, weiss, warum die Lappen ihren alten Göttern und Traditionen bis heute treu geblieben sind.

Fotos: fotolia.com, istockphoto.com

Tags (Stichworte):

Kommentare

  1. Keine Kommentare

Kommentar schreiben (Lesen Sie bitte unsere Regeln)

Sie haben noch kein Username und Passwort? Hier können Sie sich kostenlos bei «Natürlich» registrieren.