Ich weiss nicht recht, ob ich mich über die vergangenen Bundesratswahlen auslassen soll. Aber: Da wurde geränkeschmiedet, gedroht, getäubelt, gezwängt, geflucht, kommentiert und analysiert. Haufenweise liefen bestandene Menschen herum und sahen eher beleidigten Leberwürsten ähnlich denn gewählten Politikern. Die Zeitungen waren über Tage hinweg voll mit Interviews und Stellungnahmen, und auch am abendlichen Lagerfeuer (Sie wissen schon, gemeint ist die obligate Stunde vor dem Fernseher) wurde keine Gnade gewährt. Blocher hier, Blocher da, SVP mal von oben, mal von unten, Linke von vorne, mal von hinten...es hängt mir zum Halse raus.
In solchen Zeiten frage ich mich manchmal, ob ich eigentlich im falschen Film bin. Das Klima ändert sich, die Welt rückt näher zusammen, Grenzen werden durchlässiger, die Armen verlangen ihr Recht, die Reichen werden immer reicher (und das erst noch saufrech und kaltschnäuzig), der Regenwald schrumpft, die Meere steigen, immer mehr Menschen werden älter und leiden zur Strafe dafür an immer mehr Allergien, Krankheiten und Gebrechen, Autos verstopfen die Strassen, Strassen füllen die Lücken zwischen den wachsenden Dörfern und Städten aus, Arten sterben aus – und unser Bundeshaus ist eine Art Kindergarten für Spätentwickler. Da fällt es mir manchmal echt schwer, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Ihnen auch?