Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Wolf

Waidmanns Heil!

Markus Kellenberger | Freitag, 01.10.2010

Auf einer Herbstwanderung im Bündnerland traf ich einen Jäger. Es war mitte September und wir kamen ins Gespräch, denn die Jagd war in vollem Gange. Wir redeten über dies und über das, über die Hirsche und die Gämsen, die heuer aus unerfindlichen Gründen nur schwer zu jagen waren, und schliesslich auch über Grossraubtiere. Ob der Luchs im Bündnerland schon eingewandert sei, fragte ich. „Nein“, sagte der Jäger, „und das wird er auch nicht.“ Eventuell leicht naiv wollte ich wissen, warum. „Nun“, sagte der Jäger, „der Luchs ist allergisch.“ Nach einer kleinen Kunstpause, während der er meine grossen staunenden Augen genoss, fuhr er fort: „Ja, allergisch ist er. Und zwar gegen Blei!“

Nun habe ich im Nationalrat die Wolfsdebatte mitverfolgt und weiss jetzt, auch der stolze Isegrim leidet an dieser Krankheit. Ich könnte mich an dieser Stelle nun einfach lustig machen über die hochsubventionierten Schafzüchter und die futterneidischen Jäger in diesem Land, insbesondere jene aus dem Wallis und dem Graubünden. Doch irgendwie verspüre ich keinen Drang, aus diesem Trauerspiel eine Glosse zu machen. Die Schweiz will mehr Natur? Welche denn? Die, die auf dem Mittelstreifen der Autobahn gerade noch so Platz hat?

Fotos: ninaaa / flickr / cc, tiegeltuf / flickr / cc

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Der Wolf ist tot - es lebe das subventionierte Schaf

Markus Kellenberger | Donnerstag, 12.08.2010

Schafbesitzer sprechen gerne von "ihren" Tieren - und liegen damit ziemlich falsch. Damit das ein für alle Mal klar ist, liebe Schafbesitzer: Die Tiere gehören mir, sowie jedem anderen beliebigen Steuerzahler. In der Schweiz gibt es knapp eine halbe Million Schafe. Pro Tier und Jahr erhält der Halter allein vom Bund rund 100 Franken, darin inbegriffen ist auch der Beitrag zur "Verwertung", sprich "Vernichtung" der Schafwolle, die sich hierzulande nicht verkaufen lässt. Zäune und allfällige (im Wallis meist fehlende) Hirte werden überdies separat subventioniert. Weitere Zuschüsse sind hier nicht aufgelistet.

Hoch subventionierte Schafe zu halten lohnt sich also, denn die Tiere bringen nicht nur sicheres Geld, sie geben auch nicht viel zu tun. Nun bitte kein empörtes Geschrei, liebe Schafhalter, denn der eindrücklichste Beweis dieser Tatsache ist, dass Ihr Eure (meine) Tiere tage-, manchmal auch wochenlang unbeaufsichtigt grasen lässt. In seltenen, dafür aber medienwirksamen Fällen so lange, bis sie der Wolf frisst.

Und das ist dann eigentlich ein Glücksfall (Schafe sind hier anderer Meinung), denn nun entschädigt der Bund den betroffenen Halter mit bis zu 2000 Franken - mehr, als er für das Tier samt Wolle sonst wo jemals bekommen würde.

Nun eine kurze und gewiss auch etwas vereinfachte Zusammenfassung der Fakten: Frisst ein Wolf eines der von meinen Steuern längst bezahlten Schafe, bekommt der betroffene Schafhalter von mir nochmals Geld. Aus meiner Sicht ist die Sache somit erledigt - und weil ich für mehr Natur und somit auch für mehr Raubtiere bin, erlaube ich hiermit dem Wolf ausdrücklich, auch weiterhin ab und zu eines meiner Schafe zu reissen. Ich habe Geld schon blöder ausgegeben. Und sollten unter den Wolfsrissen auch noch einige Kühe mit dabei sein, so bitte ich nicht zu vergessen, dass ich diese auch schon längst bezahlt habe, und dass wir in der Schweiz sowieso zu viele Milchkühe haben.

Fotos: peupleloup / flickr / cc, Tambako the Jaguar / flickr / cc, glasseyes view / flickr / cc

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Böse Grossraubtiere

Markus Kellenberger | Dienstag, 13.05.2008

Wussten Sie, dass es hier bei uns einen «Verein zur Verteidigung gegen Grossraubtiere» gibt? Lachen Sie nicht ­– es gibt schliesslich auch andere Vereine wie die Vereinigung der Besitzer von Stumpengeleisen, das Stahlpanzerrohr-Syndikat, den Schweizerischen Verband für Feuerbestattung, die Vereinigung Schweizerischer Bahnhofwirte und den Schweizerischen Verband der Seidenbeuteltuchwebereien. Die Liste ist nach oben und unten offen.

Zurück aber zum VVGG, dem Verteidigungsverein. Der hat eines hier zu Lande eklatanten Mangels an Löwen, Tiger und Pumas gezielt Wölfe und Bären im Visier. Die sind es nämlich, die uns nach dem Leben trachten. Eindrücklich schilderte der Präsident des Vereins in einem Leserbrief in der NZZ, wie sadistisch Bären ihren Opfern erst so sachte den Schädel einschlagen, dass sie am Leben bleiben, sie danach derart kräftig umarmen, dass ihnen der Brustkorb eingedrückt und die splitternden Rippen in die Lungen getrieben werden, nur um sie anschliessend unter Missachtung ihrer entsetzlichen Schreie bei lebendigem Leib zu fressen. Leider fehlte an dieser Stelle eine plausible Erklärung dafür, wie es Bärenopfer trotz durchlöcherter Lunge und eingedrücktem Hirn schaffen, die entsetzten Laute auszustossen – mehr als ein Todesseufzer dürfte im Ernstfall nämlich nicht mehr drin liegen.

Aber wir wollen hier nicht auf solchen Details herumreiten, denn der VVGG-Chef hat seinen Leserbrief ja nicht aus Lust an Details geschrieben, sondern aus grosser Sorge über die vielen Wanderer, die in Zukunft in unseren Bergen so grausam ums Leben kommen werden, lebendig gefressen von blutrünstigen Isegrimmen und perversen Petzen.

Nun, vielleicht sollte der besorgte Schreiber mit seinen Clubmitgliedern in nächster Zeit einmal einen Vereins-ausflug in eine Pouletfabrik machen, wo täglich Tausende von Hühnern und Güggeli maschinell am Bein gepackt, in die Höhe gezerrt, an ein Fliessband gebunden, von Robotermessern und -händen geköpft und gerupft, von säbelnden Zangen aufgebrochen und ausgeweidet und am Ende von sterilisierten Maschinengreifern hygienisch verpackt werden, das Kilo für ein paar lausige Franken.

Zum Abrunden der Veranstaltung könnte der Verein gegen Grossraubtiere dann noch eine Stippvisite in einem Grossschlachthof für Grossnutztiere machen. Und vielleicht fragt sich dann der eine oder andere im Anschluss an den erlebnisrei-chen Vereinsausflug ganz still und leise: «Wer muss sich hier eigentlich gegen wen verteidigen?»

Bilder: © Templermeister, Viktor Schwabenland / PIXELIO

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