Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Wirtschaft

Let's make money

Andres Jordi | Freitag, 16.01.2009

Sie sind erstaunt, mich hier doch wieder vorzufinden? Nun, mein Berufswechsel ins Reich des Lichts war von kurzer Dauer. Ich war irgendwie zu wenig hell für den Job als Lichtarbeiter. Kollege «The Chief» Kellenberger hat das ja von Anfang an gewusst – wenigstens er.

Ich habe auch gemerkt, dass Lichtarbeit eine ziemlich brotlose Kunst ist– zumindest auf meinem Niveau, andere mögen da erfolgreicher sein. Und ich schaffte es einfach nicht, von Licht und Liebe allein zu leben, geschweige denn glücklich zu sein. Dazu brauche ich Geld. Das ist auch eine Form von Energie.

Manchmal ist dieser Zusammenhang auch ganz offensichtlich: Bei meiner Bank  investiert man sein Geld nicht in Waffengeschäfte für künftige Nahostkriege, sondern zum Beispiel in erneuerbare Energien. Meine Bank ist übrigens auch nicht direkt von der Finanzkrise betroffen und braucht keine Finanzspritzen vom Staat. Würde sie auch nicht erhalten, wenn sie es nötig hätte, denn die Finanzoberhäupter der Schweiz lassen sich bestimmt kein A für ein U vormachen. Für alle, die es interessiert, wo ihr Geld gerade so für sie am Arbeiten ist, hier ein Filmtipp: Let's make money startet ab dem 22. Januar in den Deutschschweizer Kinos.

Nicht nur fürs Geld arbeiten, sondern dieses auch für einen arbeiten lassen, diese Vorstellung gefällt mir, das hat so etwas Souveränes. Auf dem Konto meiner Bank, auch wenn es die beste aller ist, liegt der Zaster ziemlich träge herum, statt in die Hände zu spucken. Darum überlege ich, wie ich mein äusserst umfangreiches Vermögen gewinnbringender anlegen könnte. Um nicht aus Versehen in Blutdiamanten oder die Abholzung von Regenwald zu investieren, scheint mir das neue Webtool der Erklärung von Bern ganz nützlich zu sein. Dieses hilft einem, anhand seiner Prioritäten aus verschiedenen nachhaltigen Finanzanlagen das passende Angebot auszuwählen. Auch so kann man Geld für sich arbeiten lassen.

Was machen eigentlich Sie so mit Ihrem Geld?

 

Bild: herval, Datei steht unter dieser Creative Commons Lizenz

2 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BankenEnergieGeldanlagenWirtschaft

Finanzkrise, Tierversuche und die Lieder alter Männer

Markus Kellenberger | Montag, 03.11.2008

Nein. Über die Finanzkrise schreibe ich nicht, das tun und können andere besser. Auch über die gestiegene Zahl der Tierversuche in der Schweiz will ich mich nicht auslassen, dazu fehlen mir die Worte. Viel lieber möchte ich Ihnen von einem Erlebnis erzählen, das mich im innersten berührt hat, das seit Tagen in mir nachhallt, das mich mit tiefer Freude, ebensolcher Sehnsucht und schierer Verzweiflung füllt.

Ich war am Leonard Cohen-Konzert in Zürich. Gute Kritiken eilten dem Mann voraus, dessen Lieder mich schon vor 30 Jahren in nachdenkliche Melancholie gestürzt hatten, insbesondere in Zeiten grösseren Liebeskummers und pubertärer Lebensverdrossenheit.

Ich erwartete ein bisschen «Suzanne» hier und ein wenig «Lover Lover Lover» da und dazu ein Quentchen gemütlich-beschauliche Rückschau auf vergangene Zeiten, das, was man von einem alten Barden in etwa so erwartet.

Was ich dann sah und hörte, hat meine Seele unerwartet stark und nachhaltig erschüttert. Cohen (www.leonardcohen.com) sang mit seiner tiefen Stimme, seine Band begleitete ihn Wort für Wort, Ton für Ton, geradezu leise und nur so viel wie nötig – ebenso wie die drei Chorsängerinnen, deren feine Stimmen die richtigen Akzente setzten. Kein Gehüpfe und Gezappel wie bei Madonna oder Musicstar. Kein «auf der Bühne herumwirbeln» wie bei Mick, der einfach nicht älter werden will, keine schrillen Schreie und ebensolche Kostüme wie bei Bobo, keine bunte und laute Showorgie, die miserable Musik und leere Texte verdeckt – einfach nur ein alter Mann, seine Lieder, seine Band und seine Sängerinnen, die achtsam jedes Wort und jede Note dort platzierten, wo sie hingehörten, und sonst gar nichts.

Aber nicht nur die Musik war es, die in mich drang. Was alle Lieder wie ein gewaltiges Himmelsdach zusammen hielt, war der für alle spürbare Respekt, den sich Sänger und Musiker entgegenbrachten, war die Art und Weise, wie sich der 74-jährige Cohen vor jedem seiner Mitmusiker und immer wieder auch vor seinem Publikum verbeugte. Dankbar. Würdevoll. Warm. Weise. Und eben voller Respekt.

Cohens aufs Selbstverständlichste zelebrierte Demut und Menschlichkeit, die in diesen Zeiten so rar geworden sind, hat mich, den alten Berufszyniker, während des Konzerts haltlos weinen lassen. Lange Angestautes. Verborgenes. Verbotenes. Verdrängtes. Vergessenes. Ich schäme mich nicht.

Danke, alter Mann.

Bild: Rama, Datei steht unter dieser Creative-Commons-Lizenz.

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): CohenFinanzkriseMusikWirtschaft

Chinesen bringen hilflose Büsi und Hundeli um

Markus Kellenberger | Freitag, 03.10.2008

Eine Sauerei, finden Sie nicht auch? Aber wenn Sie das erste Entsetzen und die erste Empörung überstanden haben, lesen Sie den Titel bitte nochmals. Er sollte richtig nämlich lauten: "Schweizer bringen jedes Jahr 1,7 Millionen hilflose Hühner um!" Ahhhh, denken Sie nun sicher erlöst, also doch nicht die armen Schmusebüsis und Knuddelhunde, einfach nur Hühner. Aber genau hier finde ich, müsste unser "Entsetzensfaktor" erst recht greifen.

Im Gegensatz zu den Miezis und Lumpis, die hie und da im Topf landen, haben die 1,7 Millionen Hühner kein lustiges Leben mit
viel Auslauf, regelmässigen Streicheleinheiten und einem artgerechten Agility-Vereinsleben,
oh nein! Sie haben, nachdem sie in anonymen Zuchtanstalten aus dem Ei geschlüpft sind (ohne ihre Mutter je zu kennen), zwei Jahre lang nichts anderes gemacht, als in einem engen Stall Eier gelegt, die meisten von ihnen im Auftrag der Mitglieder des Schweizer Geflügelzüchterverbandes. Tag für Tag haben sie gelegt. Für uns. Damit unser Kuchen schön gerät. Unsere Teigwaren fein schmecken. Unser Frühstückstisch mit einer Portion Eiweiss angereichert ist. Ostern möglichst bunt ausfällt. Und, und, und. Und der Dank dafür: Nach zwei solchen tristen Lebensjahren wird ihnen der Hals umgedreht, 1,7 Millionen Mal, denn nach zwei Jahren sind die Legehennen "ausgebrannt", leer, werden die Eier unregelmässig gross und eignen sich nicht mehr für die Ansprüche des verwöhnten Konsumenten, für Sie und mich.

Das Beste kommt aber erst noch: Die 1,7 Millionen Hühner landen nicht etwa auf unseren Tellern, wie man mit einem Anflug von Restanstand noch hoffen könnte, nein, denn dazu sind sie zu zäh und die Zubereitung eines Suppenhuhnes ist für die moderne Hausfrau und den modernen Hausmann zu zeitaufwändig. Ein kleiner Teil der abgemurksten Tiere endet als Tierfutter, der grosse Rest aber als Brennstoff für Zementfabriken und neuerdings auch noch im Interesse des Klimaschutzes in Biogasanlagen.

Aber was schreibe ich hier eigentlich. Dass wir viele Tiere schlimmer behandeln als eine Schaufel voll Kies, regt doch niemanden mehr auf, höchstens noch so "Spinner" wie den Erwin Kessler von der Vereinigung gegen Tierfabriken. Hauptsache ist doch für die meisten von uns, dass die Chinesen die Finger von Büsis und Hundelis lassen - und dass das Eigelb so richtig schön gelb ist! 

Sind Sie auch dieser Meinung?

Bilder: © Viktor Schwabenland / PIXELIO,

 



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