Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Wetter

Only bad news are good news

Markus Kellenberger | Mittwoch, 31.08.2011

„Hier am Genfersee waren die Sturmböen nicht so stark wie erhofft…äh…wie erwartet…!“ Ein wunderbarer freudscher Versprecher, den der Korrespondent vor Ort am Freitag, dem 26. August, in der Abendausgabe der Tagesschau während einer Liveschaltung an die Ufer des etwas wellenbewegten Gewässers lieferte. Nochmal: „…nicht so stark wie erhofft…“ Das mit Sturmstärke 4 angekündigte Unwetter war leider nur ein lauer Wind. Kein Tsunami, der Genf dem Erdboden gleichmacht; keine Windhose, die eine Spur der Verwüstung durchs ganze Mittelland zieht, Häuser in Sägemehl verwandelt, Autos, Kühe und Kühltürme durch die Luft wirbelt; keine verzweifelten Menschen, die fassungslos vor ihrem geleasten Auto stehen, das von einem entwurzelten Baum plattgedrückt wurde. Nein, „…nicht wie erhofft…“, sondern ein regelrechter Newsflopp in einer Welt, in der sich die Massenmedien lüstern auf jede Katastrophe stürzen, diese zur besten Sendezeit in unsere Wohnzimmer sendet und am Morgen druckfrisch und blutrot in den Briefkasten (oder den Gratisdispenser am Bahnhof) steckt.

Aber halt jetzt, bevor wir zum grossen TV- und Zeitungsbashing ansetzen – ging uns an jenem flauen Sturmabend nicht auch ein leises „…nicht so stark wie erhofft…“ durch den Kopf? Ist es nicht eben der Reiz des gewaltig Gewalttätigen, das uns jeden Abend vor der Glotze und später dann am Stammtisch in seinen Bann zieht. Warten wir beim Grossen Preis von Monaco nicht klamm und heimlich auf den Massencrash auf der Geraden vor dem Casino? Sind es nicht die Tränen der Verlorenen, die aufgeblähten Bäuche der Verhungernden, die uns den wohligen Grusel des „noch einmal davongekommen“ bescheren? Sind nicht wir es, die geradezu süchtig nach Betroffenheit sind? Wir die Süchtigen – und die Medien die Dealer, die uns unsere Drogenportionen liefern. Und wie bei Heroin, Kokain, Nikotin, Alkohol und Tabletten muss es jeden Tag ein klitzekleines bisschen mehr sein, weil sonst die Wirkung „….nicht so stark wie erhofft…“ ausfällt.

Zeit für einen Entzug?

Fotos: BigTallGuy / flickr / cc,  Elsie esq. / flickr / cc

 

 

 


Über Durchschnitte, Normen und Statistiken

Markus Kellenberger | Donnerstag, 14.07.2011

„Das Wetter normalisiert sich wieder“, hörte ich einen der vielen Wetterfrösche im Radio sagen, nachdem es ausgiebig geregnet und auch ein bisschen gestürmt hatte. „Das Wetter normalisiert sich wieder“ … der Satz drehte sich einige Male in meinem Kopf – und mit jedem Dreh wurde er seltsamer … „normalisiert sich wieder“ … „normal“ … „norm“ … Ja, was zum Teufel heisst das, wenn sich das Wetter normalisiert? Was gilt in Wetterkreisen als normal? Ewiger Sonnenschein oder Dauerregen? Gemässigte Temperaturen und zurückhaltend dosierte Regengüsse? Sturmwinde oder sanfte Brisen?

Was ist normal? Und wer sagt, was normal ist und was nicht. Was stellt sich ein Regenwurm vor, wenn er in den Regenwurm-Wetter-News verkündet: „Das Wetter normalisiert sich wieder.“ Unsere Welt ist voller Normen. Babys müssen Normen erfüllen. Normal gross, normal schwer. Lebensmittel müssen Normen erfüllen, Industriegüter ebenfalls, Schüler sowieso, Arbeitnehmer insbesondere – es hört in unserem Leben nicht auf mit Normen, nicht mal im Grab, denn auch das muss in Länge, Breite und Tiefe den Friedhofsnormen entsprechen. Der Stein auch.

Normen sind Richtwerte, Durchschnitte, Gleichheiten. So kommt es, dass es Menschen gibt, die durchschnittlich gross, schwer und alt sind – aber wenn man von Mathematik eine winzig kleine Ahnung hat, weiss man, dass es nur ganz ganz wenige dieser Durchschnittsmenschen gibt. Weitaus mehr Menschen sind unter- oder überdurchschnittlich und somit alles andere als durchschnittlich, weil es sonst keinen zu errechnenden Durchschnitt gäbe. Das heisst: Der Durchschnitt ist die Ausnahme. Und das wiederum bedeutet: Das Abnorme ist normal.

So! Und jetzt möchte ich wissen, was das für meine Zelt-Ferien bedeutet, wenn sich das Wetter wieder normalisiert … oder wenn ich unterwegs jemandem begegne, der nicht der Norm entspricht.

Fotos: thermonnie / flickr / cc, Jon Shave / flickr / cc

 

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): NormWetterZelt

Schnee, Maurer, Klimaerwärmung und das Christkind

Markus Kellenberger | Montag, 15.12.2008

Es hat das Dreifache dessen geschneit, was sonst um diese Jahreszeit so üblich sein soll - selbstverständlich bezieht sich das nicht auf die entsprechenden Monate in der Eiszeit.

Ueli Maurer ist in den Bundesrat gewählt worden - selbstverständlich steht das in keinerlei Zusammenhang mit einem ernst zu nehmenden demokratischen System.

Die Durchschnittstemperatur lag 1,3 Grad über dem langjährigen Mittel - selbstverständlich ist auch hier nicht die Eiszeit gemeint.

Mir fehlen noch fünf Weihnachtsgeschenke – selbstverständlich weiss ich überhaupt nicht, was überhaupt in Frage kommt, geschweige denn, wo es dasselbe zum halben Preis gibt.

Andres Jordi wird weiterhin Blogbeiträge schreiben - selbstverständlich ist auf seinem Pfad der Erleuchtung das Licht mangels Kernenergie schon wieder ausgegangen. Und nun, ganz selbstverständlich, möchte ich wissen, was Sie in der Vorweihnachtszeit so beschäftigt. Die eigene Beziehung zu Frau und Kind? Der Zustand unserer Welt? Der Arbeitsplatz? Die Gesundheit? Sonst was? Lasst uns plaudern in diesen dunklen Stunden!

Bild: Kecko, Datei steht unter dieser Creative Commons-Lizenz

3 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BundesratErderwärmungKlimawandelSchneeWetter


Natürlich im Mai 2012


Inhalt

Vorschau
Archiv

Schnupper Abo
4 Ausgaben für 20 Franken
Jetzt profitieren!

Aboservice

Werbung
Werbung

Natürlich Essen

Rezept der Woche: 27. April 2012

Spargeln im Strudelteig


Die Natürlich Bilder Galerie