„Das Wetter normalisiert sich wieder“, hörte ich einen der vielen Wetterfrösche im Radio sagen, nachdem es ausgiebig geregnet und auch ein bisschen gestürmt hatte. „Das Wetter normalisiert sich wieder“ … der Satz drehte sich einige Male in meinem Kopf – und mit jedem Dreh wurde er seltsamer … „normalisiert sich wieder“ … „normal“ … „norm“ … Ja, was zum Teufel heisst das, wenn sich das Wetter normalisiert? Was gilt in Wetterkreisen als normal? Ewiger Sonnenschein oder Dauerregen? Gemässigte Temperaturen und zurückhaltend dosierte Regengüsse? Sturmwinde oder sanfte Brisen?
Was ist normal? Und wer sagt, was normal ist und was nicht. Was stellt sich ein Regenwurm vor, wenn er in den Regenwurm-Wetter-News verkündet: „Das Wetter normalisiert sich wieder.“ Unsere Welt ist voller Normen. Babys müssen Normen erfüllen. Normal gross, normal schwer. Lebensmittel müssen Normen erfüllen, Industriegüter ebenfalls, Schüler sowieso, Arbeitnehmer insbesondere – es hört in unserem Leben nicht auf mit Normen, nicht mal im Grab, denn auch das muss in Länge, Breite und Tiefe den Friedhofsnormen entsprechen. Der Stein auch.
Normen sind Richtwerte, Durchschnitte, Gleichheiten. So kommt es, dass es Menschen gibt, die durchschnittlich gross, schwer und alt sind – aber wenn man von Mathematik eine winzig kleine Ahnung hat, weiss man, dass es nur ganz ganz wenige dieser Durchschnittsmenschen gibt. Weitaus mehr Menschen sind unter- oder überdurchschnittlich und somit alles andere als durchschnittlich, weil es sonst keinen zu errechnenden Durchschnitt gäbe. Das heisst: Der Durchschnitt ist die Ausnahme. Und das wiederum bedeutet: Das Abnorme ist normal.
So! Und jetzt möchte ich wissen, was das für meine Zelt-Ferien bedeutet, wenn sich das Wetter wieder normalisiert … oder wenn ich unterwegs jemandem begegne, der nicht der Norm entspricht.
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