Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Werbung

Ein M scheinheiliger

Andres Jordi | Dienstag, 06.10.2009

Ich rede mir immer wieder ein, dass ich gegen Werbung immun sei und meine Kaufentscheidungen aus absolut freiem Willen treffe. Doch schon beim freien Willen fängt der Zweifel an, berauben einem die Hirnforscher doch der Illusion einen solchen zu haben. Aber da ich glauben kann, was ich will, halte ich mich hier lieber an die Philosophen, die das Ganze naturgemäss ein bisschen anders sehen (hier für jene, die etwas wirklich Gehaltvolles lesen möchten).

Trotz der Gewissheit eigener Entscheidungsfreiheit beschleicht mich doch gelegentlich das Gefühl ein bisschen manipuliert zu werden und nicht zu kaufen, was ich wirklich will, sondern für was die Werber werben. Schöne Verpackungen kanalisieren beispielsweise meine Aufmerksamkeit im CD-Geschäft und führen zu einer Vorselektion jener Musik, die ich mir überhaupt anhöre. Dem Duftmarketing erliege ich wahrscheinlich komplett. Was erklären würde, dass ich jeweils mit fünf CDs statt mit einer aus meinem Leibladen (ein bisschen Werbung darf sein) komme.

Manchmal ist Werbung aber auch so plump, dass sogar ich sie durchschaue. Haben Sie die neue Plakataktion der Migros schon gesehen? Der Detailhändler senkt bei 500 Artikeln dauerhaft den Preis. Nicht etwa aus Konkurrenzdruck, sondern weil er etwas Gutes tun und unser Budget entlasten will: wegen der hohen Kinderhorttarife etwa oder der hohen Krankenkassenprämien, wie es gross auf den Plakaten heisst. Wenn der Staat nicht hilft, greift uns die liebe Migros unter die Arme. Dutti würde das bestimmt freuen. Und mich rührt so viel Nächstenliebe.

Fotos: dongga BS/flickr/cc,Torley/flickr/cc

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autoemocion

Andres Jordi | Donnerstag, 19.03.2009

Für mich ist ein Auto ein Auto ein Auto. Ein nicht besonders intelligentes Fortbewegungskonzept aus Zeiten der Industrialisierung, eigentlich bloss eine weiterentwickelte Dampfmaschine. Kohlezeitalter. Nun, das könnte man von der Eisenbahn auch sagen, aber darum geht es jetzt nicht. Für mich ist ein Auto im besten Fall ein Fortbewegungsmittel, ein bisschen viel Blech um Nichts, auf keinen Fall aber eine Angelegenheit des Herzens, die dieses höher schlagen lässt. So habe ich das beschlossen.

Nun scheint es Menschen zu geben, für die das Mobilitätsfossil offensichtlich mehr darstellt: ein Gefühlsobjekt (vielmehr -subjekt), ein Lebewesen. Diese autoemoción macht auch nicht vor meinen Freunden halt. So hat mein lieber Freund M. kürzlich einen Landrover, Modell Defender, erstanden – aus echter Liebe. Immerhin auch einer, der die Liebe lebt. Man muss vielleicht noch anfügen, dass M. nicht etwa als Förster Baumstämme aus dem Wald schleppen muss, er ist Bürolist. Oder meine Freundin B.: Beim Anblick einer antiquierten Corvette (irgendetwas in dieser Art muss es sein) kriegt sie weiche Knie und verliebte Augen.

In solchen Momenten fühle mich jeweils sehr alleine mit meinem GA im Sack. Mir fehlt das Autogen oder das autogene Training. Oder meinen Freunden das Ökogen.

Wobei: Glaubt man dem Lohasheftli SI Grün, lässt sich auch mit viel Hubraum grüner leben. Mit geschwellter Brust präsentiert der Präventivmediziner der Nation, Felix Gutzwiller, dort seine ökologische Heldentat: sein riesiges Saabmonster, das er mit Bioethanol füttert. Noch besser der Architekt von Minergiehäusern, der einen noch riesigeren Hummer fährt und ihn – mir wird warm ums Herz bei so viel Umweltbewusstsein – klimakompensiert. Ich dachte, Grün sei die Farbe der Hoffnung, nicht der Scheinheiligkeit. Da bleibt mir nur noch diese Hoffnung: http://www.menschenfreundlicher.ch/d/initiative/. Und bei meinen Freunden – es sind ja meine Freunde – versuche ich mich währenddessen in Toleranz zu üben, schwärme über das Privileg des Zugfahrens und erwähne bisweilen diese Liste. In der Hoffnung, dass die Hoffnung doch grün ist.

Bild: magicpen / PIXELIO

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Das 1,3 Liter-Wunder und für wie doof hält mich die Autoindustrie!

Markus Kellenberger | Freitag, 21.11.2008

Bevor ich mich ärgere, erst mal ein bitteres Geständnis. Mein ökologischer Fussabdruck ist ein wenig grösser als der meines Kollegen Jordi. Aber, tröste ich mich, ich bin auch ein bisschen älter und schwerer. Als Kompensation für unseren industrialisiert überdimensionierten ökologischen Fussabdruck schlage ich, quasi in Anlehnung an den so beliebten Emissionshandel vor, dass die Menschen in der 3. Welt Schuhe ab sofort und generell eine Nummer kleiner kaufen.

Zwei schlagende Argumente sprechen für diese klimafreundliche Lösung:
1. Wir können weiter machen wie bisher, und
2. die Menschen in der 3. Welt auch, denn viele von ihnen können sich sowieso keine neuen Schuhe leisten.

So! Verlassen wir das Kapitel Zynismus und kommen wir zur nackten Ironie. Audi wirbt für seinen Monsterwagen Q7 neuerdings mit dem Loha-Argument, er brauche nur 1,3 Liter Treibstoff pro Sitzplatz. Wow! So wenig?

Audi geht bei dieser Werbung grundsätzlich davon aus, dass potenzielle Kunden nicht rechnen können. Der Q7 hat - darum heisst er wohl so - sieben Sitzplätze, und das bedeutet: Die Karre säuft stolze 9,1 Liter. Das aber nur, wenn man das Gaspedal kaum berührt und die schwächste Motorisierung wählt. Aber gerade letzteres ist nicht des Schweizers Ding, denn in der Regel gönnt man sich ja ein bisschen mehr statt weniger, wie Autoverkäufer nur zu gut wissen.

Und: Haben Sie schon mal einen Q7 gesehen, in dem sieben Personen sassen? Ich nicht. In der Regel sitzt darin nur der Fahrer, meist mit weissem Hemd und Krawatte. Ich will aber nicht unfair sein - es soll auch schon eine Mutter vom Zürichberg gesichtet worden sein, die im Q7 ihr gepflegtes Wunsch- und Einzelkind ins Ballett und zurück chauffierte - das eigene Kind zu Fuss durch die Stadt zu schicken, ist wegen des dichten Verkehrs ja nun wirklich zu gefährlich.

An diesem Tag fuhr der Herr im weissen Hemd und Krawatte übrigens mit dem Zweitwagen, seinem vom Mund abgesparten Porsche Cayenne ins Büro. Aber deswegen - so die aktuelle Porsche-Reklame - braucht er sich nun wirklich nichts vorwerfen zu lassen. Im Gegenteil: Dass er sich für ein Auto entschieden hat, das laut Werbung "Sportwagen, Familienkutsche und Zugmaschine" in einem ist, beweist nur, wie bewusst er sich aufs nötige Minimum eingeschränkt hat. Und: Die Multifunktionalität des Wagens verzeiht auch dessen Verbrauch von Durchschnittlich 12,9 Liter (aber auch nur in der PS-lahmsten Variante, die niemand wirklich will!)

Seien wir ehrlich: Der Klimaschock - der ist heute nur noch für Realsatire gut. Oder sehen Sie das anders?

Bilder: © manwalk / PIXELIO

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Atom, Werbung und D&G

Markus Kellenberger | Montag, 07.07.2008

Werbung ist das Schmiermittel unserer Gesellschaft. Ohne sie lässt sich kaum mehr etwas verkaufen, weil – zumindest bei uns – alle eigentlich schon alles haben. Also ist es erste Aufgabe der Werbung, neue Bedürfnisse zu schaffen. "Die Konsumenten verlangen danach", heisst dann der Äxgüsi-Standardsatz, mit dem sich die Zampanos der Branche aus der Verantwortung ziehen, nachdem sie allen eingebleut haben, ohne eine D&G-Unterhose oder ohne einen mindestens zwölf Liter saufenden SUV gesellschaftliche Nullen zu sein.

Dass diese Strategie noch lange funktioniert, zeigt unsere kleine Umfrage von letzter Woche zum Thema Werbung und Werbeversprechen: 26,9 Prozent der Beteiligten findet "dabei sein cool", und immerhin 36,5 Prozent geben zu, sich von den verlockenden Botschaften "ein wenig" beeinflussen zu lassen. Der Rest der Abstimmenden behauptet, dass Werbung an ihnen spurlos abperlt…wer's glaubt!

 

Die Atomwirtschaft sicher nicht. Seit letztem Jahr ist sie gezielt daran, uns auf die neuen Kernkraftwerke einzustimmen, die sie bauen möchte. Eigens dazu hat sie ein werbewirksames Atommaskottchen erfunden, es gmögig "Stromlücke" getauft und gleich auf Tournee durch die Medien geschickt. Sein Auftrag: Uns klar machen, dass uns ohne die Segnungen der Kernspaltung schon bald das Licht ausgeht, und dass alternative Energiequellen zwar gut gemeint, im Vergleich zur Kraft des Atoms aber Schnibischnäbi sind…wer's glaubt!

Will die Atomwirtschaft erfolgreich sein, muss sie die Werbeagentur wechseln! Mir fehlen zwei wesentliche Dinge, um meine Zweifel gegenüber der veralteten und gefährlichen Technik auszuräumen:

1. Ich will Maskottchen "Stromlücke" unbedingt als Plüschtierchen kaufen können, vielleicht in Gestalt eines flauschigen Kühltürmchens, zur Not aber auch als kuscheliges Atommüllfässchen.
 
2. Und: Ich will endlich wissen, wo und wie die Atomfreunde ihre strahlende Hinterlassenschaft zu vergraben gedenken!

Und Sie? Was möchten Sie von der Atomlobby wissen?

Bild: © chris / PIXELIO

4 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AKWsAtommüllEnergieKernenergieKonsumWerbung

Nix mit mehr Sexapeal

Markus Kellenberger | Freitag, 27.06.2008

Mein Leben ist wieder im Lot. 39,6 Prozent von Euch meinen, dass Haare und Männer zusammen gehören. Teilrasierte (nur Brusthaare 15,1 Prozent, nur Schamhaare 7,5 Prozent) finden relativ wenig Zustimmung. Ein Ausgewogenes Resultat kam dafür bei zwei anderen  Abstimmungsfragen heraus: 18,9 Prozent finden haarige Männer scheusslich, und ebenso viele halten an Brust und Scham rasierte Macker für „anmächelig“. Diese beiden Resultate dürfen vermutlich mit gutem Gewissen zusammengezählt werden, da sich bei diesen beiden Gruppen der Abstimmenden gewiss eine grosse Schnittmenge ausmachen lässt, womit in etwa gleich viele Abstimmende Haare sowohl in Ordnung als auch abstossend finden.

Dieses interessante Ergebnis schreit geradezu nach einem Praxistest, also habe ich Brust- und Schamhaare wegrasiert – und das Resultat ausgiebig im Spiegel bewundert. Pas mal! Anschliessend habe ich mich sommergerecht in schicke Klamotten (T-Shirt, kurze Hosen, Heilandsandalen) gestürzt, und mich – jetzt kommt das Experiment - gezielt an einen Ort begeben, wo mit Garantie viele Leute sind. In diesem Fall war das die Migros, weil es dort gerade 5-fache Cumuluspunkte gab.

Elegant, weil von der Last zu vieler Haare befreit, bewegte ich mich langsam zwischen Regalen und Menschen, beobachtete genau und stellte fest: Niemand bemerkte etwas. Zwar suchte überraschend eine junge Verkäuferin das Gespräch mit mir, doch das lag, wie ich mit leiser Enttäuschung feststellen musste, nicht an meiner angesagt heissen Körperrasur, sondern einzig nur daran, weil ich vergessen hatte, die Äpfel abzuwägen. Vielleicht sollte ich das nächste Mal besser an einen Nacktbadestrand gehen.

Wie dem auch sei. Die Werbung und die Werbestrategen versuchen täglich, uns Glauben zu machen, dass dieses, eines oder jenes unbedingt zu unserem Alltag, zu unserem „Lifestyle“ gehören muss; dass man ohne dieses, eines oder jenes völlig out und von der Rolle und überhaupt ein langweiliger alter Sack ist – und dass man nur dieses, eines oder jenes kaufen und/oder tun muss (am allerbesten in Kombination mit Konsum), um wieder voll dabei, jugendlich, modern, in und begehrt zu sein. Mit diesem simplen Trick verkaufen sie uns unnötige Dinge wie Nasenhaarrasierer
oder Gucci-Sonnenbrillen.

Darum meine Frage an Euch: Wie sehr lasst Ihr Euch von der Werbung beeinflussen und Euch Euer Konsumverhalten und Euren Lifestyle aufschwatzen? Um ehrliche Antworten wird gebeten.

Bild: © Rupert Illek / PIXELIO

 

2 Kommentar(e) Tags (Stichworte): HaareLifestyleMännerRasurWerbung


Natürlich im Februar 2012


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