Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Tiere

Pubertierende ab ins strenge Internat

Markus Kellenberger | Montag, 06.06.2011

Ein Wochenende mit einem Pubertierenden – das wünsche ich niemandem. Mein geliebter Sohn Nummer Eins ist voll drauf, und wir, seine ihn liebenden Eltern, sind voll unten durch. Dass es uns so hart trifft, hätte ich dem süssen Baby, das er einmal war, nie angesehen. Wie lustig er strampelte, wenn ich ihn wickelte. Wie tränenrührend er seine Ärmchen streckte, wenn seine Füsslein nicht mehr mochten. Wie glänzend seine Äuglein schauten, wenn ich ihn tätschelte und lobte. Und jetzt: „Lass mich in Ruhe! Fass mich nicht an! Du bist der Letzte – und das ist noch das Harmloseste, was ich Dir sage!“

Mein Gott! War ich auch so? So unerträglich eklig? So alles verachtend? Die Eltern ablehnend? Alles wollend ohne etwas dazu beizutragen? Den Kühlschrank leerfressend (und die leeren Packungen zerknüllt hinterlassend)? Die Kleider stündlich wechselnd und die kaum angetragenen überall verstreuend? Das Zimmer ein sondermüllbelastetes Notstandsgebiet. Die Schulhefte in einem Zustand, der auf einen vorbeigezogenen Wirbelsturm hindeutet? Das Bad stundenlang blockierend? Den kleinen Bruder permanent terrorisierend? Schulleistung verweigernd?

Und wissen Sie, was das Schlimmste daran ist? Geplagt von ständiger Provokation durch einen rumlümmelnden und ständig motzenden 14-Jährigen verliere ich tatsächlich manchmal komplett die Nerven, zelebriere dann das Brüllen des hilflosen Erziehers, gleiche in diesen tristen Momenten penetrant meinem eigenen Vater, schäme mich im Anschluss daran abgrundtief - und wünsche mir trotzdem nichts mehr, als den geliebten Sohn für die nächsten paar Jahre einem möglichst strengen Internat übergeben zu dürfen.

a) Kennen Sie eines?

b) Bin ich deswegen ein Rabenvater?

Fotos: Adrien.Pâris. / flickr / cc, Allie Caulflield / flickr / cc

 

 

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): ElternInternatPubertierendeRabenvater

Der Wolf ist tot - es lebe das subventionierte Schaf

Markus Kellenberger | Donnerstag, 12.08.2010

Schafbesitzer sprechen gerne von "ihren" Tieren - und liegen damit ziemlich falsch. Damit das ein für alle Mal klar ist, liebe Schafbesitzer: Die Tiere gehören mir, sowie jedem anderen beliebigen Steuerzahler. In der Schweiz gibt es knapp eine halbe Million Schafe. Pro Tier und Jahr erhält der Halter allein vom Bund rund 100 Franken, darin inbegriffen ist auch der Beitrag zur "Verwertung", sprich "Vernichtung" der Schafwolle, die sich hierzulande nicht verkaufen lässt. Zäune und allfällige (im Wallis meist fehlende) Hirte werden überdies separat subventioniert. Weitere Zuschüsse sind hier nicht aufgelistet.

Hoch subventionierte Schafe zu halten lohnt sich also, denn die Tiere bringen nicht nur sicheres Geld, sie geben auch nicht viel zu tun. Nun bitte kein empörtes Geschrei, liebe Schafhalter, denn der eindrücklichste Beweis dieser Tatsache ist, dass Ihr Eure (meine) Tiere tage-, manchmal auch wochenlang unbeaufsichtigt grasen lässt. In seltenen, dafür aber medienwirksamen Fällen so lange, bis sie der Wolf frisst.

Und das ist dann eigentlich ein Glücksfall (Schafe sind hier anderer Meinung), denn nun entschädigt der Bund den betroffenen Halter mit bis zu 2000 Franken - mehr, als er für das Tier samt Wolle sonst wo jemals bekommen würde.

Nun eine kurze und gewiss auch etwas vereinfachte Zusammenfassung der Fakten: Frisst ein Wolf eines der von meinen Steuern längst bezahlten Schafe, bekommt der betroffene Schafhalter von mir nochmals Geld. Aus meiner Sicht ist die Sache somit erledigt - und weil ich für mehr Natur und somit auch für mehr Raubtiere bin, erlaube ich hiermit dem Wolf ausdrücklich, auch weiterhin ab und zu eines meiner Schafe zu reissen. Ich habe Geld schon blöder ausgegeben. Und sollten unter den Wolfsrissen auch noch einige Kühe mit dabei sein, so bitte ich nicht zu vergessen, dass ich diese auch schon längst bezahlt habe, und dass wir in der Schweiz sowieso zu viele Milchkühe haben.

Fotos: peupleloup / flickr / cc, Tambako the Jaguar / flickr / cc, glasseyes view / flickr / cc

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Katzenmusik

Andres Jordi | Freitag, 18.09.2009

Wie Sie wissen habe ich ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Kuscheltieren. Doch seit ich in einem Quasi-50-Prozent-Teilpensum mit zwei Katzen und einem Hund zusammenlebe, versuche ich meinem eigenen Frieden zuliebe und demjenigen des Hauses meine Sicht auf Haustiere den neuen Gegebenheiten anzupassen: Ich möchte Freundschaft schliessen. Und ich muss sagen: Wenn ich nicht gerade zwischen Atemnot und Brechreiz den vorzeitigen Geschäftsabschluss besagten Hundes vom Stubenboden aufwischen muss, sind meine neu gewonnenen Freunde eigentlich ganz nett.

Und sie scheinen uns doch sehr nahe zu stehen, haben sie doch ähnliche Dachschäden wie wir. Calimero, unser Kater, beispielsweise ist wahrhaftig ein Seelenverwandter des Don Quijotes. Er kämpft zwar nicht gegen Windmühlen, aber gegen unsichtbare Schatten und Wesen, vollführt im Kampf gegen seine Gegner akrobatische Hechtrollen in der Luft oder springt todesmutig die Wände an. Bei Chico, dem Haushund, bin ich überzeugt, dass der Arme manisch-depressiv ist. Wie nah Genie und Wahnsinn liegen, zeigt mir Nora, eine Katze, mit der ich leider bis jetzt nicht näher bekannt bin. Sie repräsentiert für mich in gewisser Weise das Ideal einer tierischen Freundin. Mit ihr kann man über Musik reden, denn Nora ist Pianistin. Der litauische Dirigent und Komponist Mindaugas Piečaitis hat ihr eigens ein Werk auf den Leib geschrieben. Hören und sehen Sie das CATcerto – mit Nora als Solistin. Haben Sie auch musisch veranlagte tierische Freunde in ihrem Bekanntenkreis? Vielleicht liesse sich ja ein kleines Hauskonzert organisieren oder ein Orchester gründen.

Foto: Gibsonclaire / flickr / cc

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Hunde, wollt ihr gratis brennen?

Markus Kellenberger | Dienstag, 07.07.2009

Eine vorgezogene Entsorgungsgebühr für Hunde - das will der Grosse Rat des Kantons Tessin einführen. Die Idee besticht in ihrer Einfachheit: Jeder Hundehalter zahlt bei der Einlösung der Marke für sein Tier im Voraus Fr. 40.-. Der Betrag dient später dazu, den Kadaver des Tieres fachgerecht zu entsorgen.

Selbstverständlich hat der Beschluss des Grossen Rates die Hundefreunde aus dem Häuschen gejagt, besser gesagt, von der Kette gelassen. Sie wollen sich gegen die Entsorgungsgebühr notfalls mit gefletschten Zähnen zur Wehr setzen.

Das erstaunt, denn Fr. 40.- sind nun wirklich nicht die Welt. Auf einem Hundefriedhof kostet eine Kremation inklusiver einfacher Tonurne ab Fr. 150.-, für aufwändigere Bestattungsformen (Sarg, Eiche mit Samt) sind schnell mal Fr. 1000.- oder mehr hinzublättern. Etwas günstiger sind virtuelle Bestattungen auf www.petfinder.ch sowie Urnenbestattungen in Waldfriedhöfen, die sind ab Fr. 300.- (inkl. Baum, des Hundes Traum), zu haben. Ganz exklusiv, quasi à la Michael Jackson, bietet die amerikanische Firma Summum Mummification an, Bello, Fido und Bläss zu ägyptischen Mumien zu verarbeiten. Das ganze kostet dann ein bisschen mehr, so um die Fr. 5000.-. Und das ohne Pyramide. Seit kurzem dürfen sich Herrchen und Frauchen auf ausgewählten Tierfriedhöfen übrigens gleich noch neben ihrem Hundchen zur letzten Ruhe betten lassen. Das Geschäft mit der Tierliebe blüht.

Dagegen sehen die in den Fr. 40.- enthaltenen Dienstleistungen geradezu mager aus: Zwar ist in der Entsorgungsgebühr eine letzte Reise des toten Tieres nach St. Gallen inbegriffen, doch dort endet sie unpathetisch in einer Kadaververwertungsanlage, wo Knochenmehl gewonnen wird - und Fido als Nahrunsmittelergänzung für seine Artgenossen in den Kreislauf zurückkehrt.

Da kann man sagen, was man will, doch so billig und gefühllos die Entsorgungsgebühr auch ist - sie ist so verdammt nachhaltig, dass man sie für Menschen auch gleich einführen müsste. Oder etwa nicht?

Foto: © Rolf Plühmer, www.pixelio.de

8 Kommentar(e) Tags (Stichworte): EntsorgungGebührenHaustiereHundePolitikTessin

Die heiligen drei Ks

Andres Jordi | Mittwoch, 08.04.2009

Gelten Osterhasen eigentlich auch als Haustiere? Nun, zumindest wären es welche, die man bedenkenlos verspeisen kann. Hündchen und Kätzchen dagegen sind uns ja so nah wie Schwesterchen und Brüderchen und ihr Verzehr ist Kannibalismus. Während wir in ein Stück Kuh oder unschuldiges Lämmchen ohne Gewissensbisse beissen. Es sind eben keine Haustiere.

Ich schätze ein zartes Osterlamm zu Ostern sehr. Dagegen bin ich kein Freund von Haustieren. Nicht im Bezug aufs Essen natürlich, ich habe von ihnen wissentlich noch gar nie gekostet. Ich finde, dass der Mensch zu seinen besseren Mitmenschen Hund und Co. ein – sagen wir mal – seltsames Verhältnis hat. Meiner Meinung gehören Wolf und Wildkatze in den Wald, nicht auf den Stubenteppich.

Die Hündeleien wecken bisweilen sogar das Tier in mir und ich werde aggressiv, wenn ich all den Viechern zuschauen muss, wie sie an jeder Hausecke ihren Blaseninhalt deponieren. Mit Verlaub: Das scheisst mich an! Ich möchte ja sehen, wenn ich mir dies erlauben würde. Und in einer zivilisierten Gesellschaft, die die Hygiene zunehmend ad absurdum führt irgendwie auch ein kleines Bisschen widersprüchlich.

Ich habe das Gefühl, dass all das Hausgetier auf dieser Welt immer zahlreicher wird. Kam man früher in der Familie noch mit einem Hund aus, müssen es heute mindestens drei sein. Das hat wahrscheinlich mit artgerechter Haltung zu tun. Die heutige Familienplanung scheint zudem auf dem kategorischen Imperativ der drei Ks zu beruhen: Kommen die Kinder, braucht es einen Kombi und ein paar Katzen.

Übrigens: Der Feldhase (ein Wildtier) ist selten geworden, weil der Mensch seinen Lebensraum zerstört. Und: Osterhasen sind keine Feldhasen.

(Bild: flickr.com, Yukari*)

16 Kommentar(e) Tags (Stichworte): FeldhaseHaustiereHundeKatzenKinderOsterhase

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