Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Tessin

Der Wurm im Mehl

Andres Jordi | Freitag, 11.06.2010

Marroni sind für mich mit dem Tessin verbunden. Und Marroni mag ich nicht nur gebraten an kalten Wintertagen, sondern das ganze Jahr zum Beispiel in Form von Brot. Die Absicht, ein Brot mit Marronimehl zu backen, führte mich deshalb neulich in einen Bioladen. Unter allerlei Schrot und Korn fand ich alsbald auch das gesuchte Produkt.

Als kritischer Konsument studierte ich natürlich das Kleingedruckte auf der Verpackung, bekam aber auch beim Kleinstgedruckten keine Auskunft darüber, woher die Zutaten denn stammen. Das Verkaufspersonal war ebenfalls überfragt, versprach aber beim Hersteller nachzufragen.

Guten Mutes und als Kunde ernst genommen kaufte ich das Marronimehl. Das Brot, zu dem es wurde, mundete vorzüglich. Wäre da nicht dieser schale Nachgeschmack gewesen.

Ein paar Tage später hatte ich eine Nachricht auf dem Telefonbeantworter: die Bioverkäuferin. Es sei gar nicht so einfach gewesen, herauszufinden, woher das Mehl denn stamme, aber letzten Endes habe sie es geschafft, die Marroni stammten aus Übersee.

Und sie meinte dabei nicht die bayrische Gemeinde diesen Namens, sondern eine geografische Region, die laut Wikipedia «im weiteren Sinne auf einem Kontinent oder Gebiet der Erde liegt, dass durch Ozeane getrennt ist und über den Landweg nicht oder nur unter grossen Schwierigkeiten erreichbar, im europäischen Kontext neben Amerika also auch Australien und Ozeanien sowie grosse Teile Asiens, Afrika und die Antarktis».

Als in der Antarktis Kastanienbäume blühten, ist wohl schon ein paar Jahre her, dachte ich nicht wirklich beruhigt. Und: Das ist also Bio vom Bioladen. Ist es denn so schwierig, einheimisches oder zumindest europäisches Marronimehl zu kriegen? Immerhin versicherte mir die Bioverkäuferin, dass sie das auch nicht toll fände und das Produkt aus dem Sortiment nähme.

Ich habe seither kein Marronimehl mehr gekauft.

Postskriptum: Über die Auswahl an Biomehlen, die der in Ökokreisen gehätschelte Coop in seinen Regalen stehen hat, ärgere ich mich jeweils auch. Denn auch diese Mehle kommen aus aller Herren Länder, nur nicht aus der Schweiz. Gut gibt's die Migros: Unter dem Label Terra Suisse bietet sie Schweizer Mehl in verschiedenen Sorten an. Und: zwar nicht bio, dafür biodivers. Das zählt für mich mehr.

Fotos: albsissola.com / flickr / cc

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Hunde, wollt ihr gratis brennen?

Markus Kellenberger | Dienstag, 07.07.2009

Eine vorgezogene Entsorgungsgebühr für Hunde - das will der Grosse Rat des Kantons Tessin einführen. Die Idee besticht in ihrer Einfachheit: Jeder Hundehalter zahlt bei der Einlösung der Marke für sein Tier im Voraus Fr. 40.-. Der Betrag dient später dazu, den Kadaver des Tieres fachgerecht zu entsorgen.

Selbstverständlich hat der Beschluss des Grossen Rates die Hundefreunde aus dem Häuschen gejagt, besser gesagt, von der Kette gelassen. Sie wollen sich gegen die Entsorgungsgebühr notfalls mit gefletschten Zähnen zur Wehr setzen.

Das erstaunt, denn Fr. 40.- sind nun wirklich nicht die Welt. Auf einem Hundefriedhof kostet eine Kremation inklusiver einfacher Tonurne ab Fr. 150.-, für aufwändigere Bestattungsformen (Sarg, Eiche mit Samt) sind schnell mal Fr. 1000.- oder mehr hinzublättern. Etwas günstiger sind virtuelle Bestattungen auf www.petfinder.ch sowie Urnenbestattungen in Waldfriedhöfen, die sind ab Fr. 300.- (inkl. Baum, des Hundes Traum), zu haben. Ganz exklusiv, quasi à la Michael Jackson, bietet die amerikanische Firma Summum Mummification an, Bello, Fido und Bläss zu ägyptischen Mumien zu verarbeiten. Das ganze kostet dann ein bisschen mehr, so um die Fr. 5000.-. Und das ohne Pyramide. Seit kurzem dürfen sich Herrchen und Frauchen auf ausgewählten Tierfriedhöfen übrigens gleich noch neben ihrem Hundchen zur letzten Ruhe betten lassen. Das Geschäft mit der Tierliebe blüht.

Dagegen sehen die in den Fr. 40.- enthaltenen Dienstleistungen geradezu mager aus: Zwar ist in der Entsorgungsgebühr eine letzte Reise des toten Tieres nach St. Gallen inbegriffen, doch dort endet sie unpathetisch in einer Kadaververwertungsanlage, wo Knochenmehl gewonnen wird - und Fido als Nahrunsmittelergänzung für seine Artgenossen in den Kreislauf zurückkehrt.

Da kann man sagen, was man will, doch so billig und gefühllos die Entsorgungsgebühr auch ist - sie ist so verdammt nachhaltig, dass man sie für Menschen auch gleich einführen müsste. Oder etwa nicht?

Foto: © Rolf Plühmer, www.pixelio.de

8 Kommentar(e) Tags (Stichworte): EntsorgungGebührenHaustiereHundePolitikTessin


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