Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Strom

Nieder mit dem Atomstrom – her mit der Stromlücke.

Markus Kellenberger | Dienstag, 25.05.2010

Stellen Sie sich das vor: Sie sind am Kochen und kurz bevor die Spaghetti al dente sind, geht der Strom aus. Oder Sie schauen sich ihren Lieblingskrimi an und gerade als der Detektiv den Mörder entlarven will – Mattscheibe. Das, meine Damen und Herren, ist die Stromlücke. Und die kommt vielleicht schon im nächsten Winter, hat der Axpo-CEO im "Blick" gedroht. Wir hätten, meinte er, einfach zu wenig Strom und darum brauche es dringend neue oder zumindest erneuerte Atomkraftwerke, denn Gasturbinenwerke seien zu teuer und – darüber haben wir im "natürlich leben" bereits berichtet – Alternativenergien à la Wind und Sonne machen in diesem Land erst 0,1 Prozent der gesamten Stromproduktion aus. Man könnte auch sagen: nichts.

Jetzt frage ich Sie: Wenn uns die Stromlücke, also der Mangel an Strom, respektive die Unmöglichkeit, die steigende Nachfrage zu decken, droht – warum zum Teufel macht die Axpo dann Werbung für Elektroautos? Ich will es Ihnen im Zweistufen-Verfahren sagen:

Stufe 1: Elektroautos sind zwar gut fürs Image (gilt auch für Elektrovelos) – aber sie vergrössern die Stromlücke.

Stufe 2: Je grösser die Stromlücke, desto schneller neue Atomkraftwerke!

Sagen Sie mir jetzt nicht, man müsse einfach Alternativenergien fördern. Das ist im Prinzip zwar richtig, aber  die Lücke ist da, lange bevor alle Einsprachen gegen Windkraftwerke auf Jurahöhen und Solaranlagen auf der Schinigen Platte behandelt sind. Wir leben hier schliesslich in der Schweiz. Das weiss der Axpo-Chef – und darum fördert er Stromautos.

Räumen Sie in Ihrem Keller schon mal eine Ecke frei. Bald braucht es Platz für neue Zwischenlager! Oder haben Sie einen besseren Vorschlag?

Foto: tillwe / flickr / cc, smichal / flickr / cc

4 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AtomstromStromStromluecke

Der grosse Öko-Irrtum

Markus Kellenberger | Freitag, 30.04.2010

Mode ist es mittlerweile, alles unter dem Aspekt der Ökologie, der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes zu betrachten. Wehe dem, der sich dieser Welle der kollektiven Einsicht widersetzt, der zu Sparlampen und Elektroautos kritische Fragen stellt und die allgemeinen Wehe-Wehe-Warnungen von WWF und Grünen nicht in der gleichen Tonlage mitsingt.

Ich bin mittlerweile einer von diesen unangenehmen Mitmenschen. Erst kürzlich sassen meine Geliebte und ich vor der Glotze, liessen einen Werbeblock über uns ergehen und stellten allgemein fest: Alles ist Grün. Alles ist Öko. Alles ist Bio. Alles ist ein verdammtes Geschäft geworden – und mehr nicht. Lassen Sie mich dazu plakativ ein paar provokative Thesen aufstellen:

1. Die Sparlampenlüge

Mittlerweile brennen in allen Haushalten Sparlampen. Laut Statistik sind heute in jedem Haus weit über 50 Prozent der alten Glühbirnen durch teure Sparleuchten ersetzt.

- Effekt 1: Der Stromverbrauch pro Haushalt ist deswegen nicht etwa gesunken, sondern steigt weiter an.

- Effekt 2: Sparlampen enthalten Quecksilber, sie sind deshalb Sondermüll, sie müssen teuer entsorgt werden.

- Effekt 3: Sparlampen halten grundsätzlich nicht so viel länger, wie auf der Packung und in der Werbung versprochen.

- Die Profiteure der ganzen Übung: Osram und Philips, die statt der billigen und einfachen Glühbirnen nun teure Sparlampen verkaufen können und ihre Gewinne dadurch deutlich gesteigert haben. Und noch ein lustiger Nebeneffekt. Viele ihrer vormaligen kleinen Konkurrenten konnten mit der neuen Technik nicht mithalten. Sie sind praktisch vom Markt verschwunden.

2. Die Ökostromlüge

Windparks hier, Windparks dort. Länder wie Deutschland und die USA bauen dank topografischer Toplage (am Meer) ihre Windparks massiv aus. In der Schweiz werden Wind- und Solarenergie hoch subventioniert und schaffen es dennoch nicht, auch nur den jährlichen Mehrverbrauch an Strom zu decken. Auch in zehn Jahren nicht, wir haben im "natürlich leben" (Stromartikel Heft 1-10) darüber berichtet. Trotzdem glaubt eine breite Bevölkerungsschicht, man könne in der Schweiz Atomstrom dereinst mit Alternativenergie ersetzen – und sieht deshalb keinen Grund für wirkliche Sparmassnahmen. Im Gegenteil, viele Konsumenten glauben der ständig auf sie einprasselnden Werbesprüchen.

- Effekt 1: Konsumentinnen und Konsumenten kaufen wie wild Haushaltgeräte der Energieeffizienzklasse A – das beruhigt das Gewissen, deshalb dürfen es pro Haushalt ruhig ein paar Geräte mehr sein, und wenn's geht auch gleich noch die grössere Ausführung.

- Effekt 2: Alle neuen Geräte sind insgesamt zwar sparsamer als die alten, da es aber immer mehr davon gibt, steigt der Stromverbrauch trotzdem weiter an.

- Die Profiteure: Die Industrie, die mit Volldampf (und mehr benötigtem Strom) neue Geräte herstellen kann, die Verteiler, die ebenfalls mitverdienen, und die Recyclingfirmen, die massenweise noch intakte ältere Geräte verschrotten darf. Und nicht zuletzt die Stromanbieter, die ihren Bezügern (Appell ans schlechte Gewissen) Ökostrom zu höheren Tarifen (Profit, Profit) verkauft.

3. Die Elektofahrzeuglüge

Wir sind uns einig, unser Verkehrsverhalten ist eine klimatechnische Katastrophe, das leckt keine Geiss weg. Aber: Die alten Fahrzeuge nun einfach mit solchen ersetzen, die statt Benzin und Diesel Strom brauchen, löst das Problem nicht. Elektrovelos auch nicht! Sie mögen zwar im Trend sein und deren Käufer signalisieren gegen aussen ein imageförderndes Umweltbewusstsein. Aber: Ist es wirklich umweltfreundlich, wenn etwas, das bisher effizient und umweltschonend mit Muskelkraft betrieben wurde, plötzlich Strom frisst?

Das Zürcher Kantonsparlament wird im Sommer darüber abstimmen, ob die Käufer von Elektoautos einige Jahre lang von der Fahrzeugsteuer befreit werden sollen. Kaufanreiz nennt man das.

Doch folgende Fragen hat das Parlament noch nicht beantwortet:

1. Angenommen, der Anteil an Elektroautos wächst tatsächlich wie gewünscht- woher nimmt der Kanton den dazu nötigen Strom?

2. Wohin stellt der Kanton Zürich die vielen Windkraft- und Solaranlagen, um diesen Mehrbedarf zu decken?

3. Wo könnte man im Kanton Zürich ein AKW hinstellen?

4. Selbst wenn die EWZ (die Zürcher Energiefabrikanten) Ökostrom anbieten - woher beziehen sie ihn genau, und wie lange wird dieser Bedarf bei steigendem Stromverbrauch auch wirklich gedeckt werden können?

5. Wie entsorgt der Kanton die für Elektroautos benötigten und in ihrer Lebensdauer begrenzten grossen Batterien umweltgerecht?

6. Und jetzt noch die vielleicht unbequemste Frage: Wohin, glaubt der Kanton Zürich, verschwinden all die Benzinautos, die gegen Elektroautos eingetauscht werden? Ins Nirvana – oder doch eher in den Occasions- und Exporthandel, wo sie noch lange fröhlich Abgase ausstossen werden (aber halt nicht mehr in Zürich)?

Ich hätte noch einige Fragen auf Lager, aber lasse es mal bei diesen drei bewenden. Ihre Meinung interessiert mich. Wie sehen sie das? Welche kritischen Fragen beschäftigen Sie – oder welche Lösungsansätze schlagen Sie vor.

Fotos: Micky.! / flickr / cc, Scott Ableman / flickr / cc, plugimi / flickr / cc


Requiem für den Lampion

Andres Jordi | Mittwoch, 05.08.2009

Es ward der 1. August und ich tat etwas, was ich seit Ewigkeiten nicht mehr getan hatte. Ich zelebrierte mit meinen Miteidgenossen das beste aller Vaterländer und das beste aller Menschenvölker. Und ich tat etwas, was – soweit ich mich erinnern kann – eine veritable Premiere in meinem Leben darstellte: Ich sang den Schweizer Psalm. Nicht gerade mit von Stolz geschwellter Brust, aber doch mit kräftiger Stimme. Und ich muss ein bisschen zugeben, dass sich sogar ein Anflug von Freude einstellte – was mir die positive Wirkung von Musik auf die menschliche Psyche wieder einmal eindrücklich vor Augen führte. Vielleicht lag es auch einfach an meiner hübschen Begleitung.

Sei's drum, ich sang also frohen Mutes und Gemütes von frommen Seelen, Hocherhabenen, Herrlichen, von Menschenfreundlichen, Liebenden und natürlich wie du im Morgenrot daher trittst und es war so schön, wie unsere lieben Schweizer Kinderlein rundherum andächtig ihre bunten Lampions schwenkten und an- und ausknipsten.

Irgendetwas stimmt hier nicht, dachte ich unverzüglich. Es waren nicht die Nebelfloren oder grauen Luftgebilde, die meine Wahrnehmung trübten: Tatsächlich liessen sich die Lampions ein- und ausschalten wie Nachtischlämpchen. Elektrische Lampions. Mit einem Druckknopf zum Ein- und Ausknipsen.

Heil dir Helvetia, dachte ich. Wie, mein Gott im hehren Vaterland, du Unergründlicher, Ewiger, sollen aus unseren Kindern dereinst wehrhafte und freie Schweizer werden, wenn sie bloss noch an solch tumben «Smart Weapons» herumfummeln?

Ich erinnerte mich schwermütig an die guten alten Zeiten, als ein Lampion noch ein Lampion war, mit einem Stab aus richtigem Holz, mit Kupferdraht, an dem die papierne Laterne befestigt wurde, und einer richtigen Kerze, an dem man sich die Finger verbrennen konnte, oder die einen Lampion mitunter in Flammen aufgehen liess. Bis schliesslich sogar die Uno intervenieren musste. Davon lernte doch die Schweizer Jugend einst, mit den realen Gefahren umzugehen, die unseres Himmels lichte Räume bedrohen. Nicht mit so einer Plastikelektrofunzel aus Korea.

Mittlerweile bin ich mir nicht einmal mehr sicher, ob das Feuer echt war. Und die Bundesrätin am Rednerpult. So steht es um unsere Heimat, Brüder und Schwestern.

Bild: erix! / flickr / cc

2 Kommentar(e) Tags (Stichworte): 1.AugustLampionNationalhymneStrom


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