Wussten Sie, dass in der Schweiz gegen sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen Ritalin («das» Medikament gegen Hyperaktivität) verabreicht bekommt? Ausgehend von einer durchschnittlichen Klassengrösse von 20 Kindern, sitzt also in jeder Schulklasse mindestens ein chemisch ruhig gestelltes Kind. Ritalin, das wissen die wenigsten, ist in seiner Zusammensetzung und Wirkung eng mit Partydrogen wie Ecstasy verwandt. Würden dieselben Kinder an einer Schülerparty «Pillen schmeissen» – es wäre ein strafbares Delikt. Aber lassen wir das...
Die Diagnose «Hyperaktivität», kurz ADHS, wird jedes Jahr häufiger gestellt. Aber warum? Werden die Kinder immer nervöser – oder ertragen die Erwachsenen immer weniger? Mich dünkt, in dieser von reinem Konsumdenken geprägten Welt gehen immer mehr angehende Eltern von einem falschen Kinderbild aus. Romantisierte Erzählungen über immer fröhliche Kinder sind daran ebenso schuld, wie Bilder aus der Werbung, die von properen, braven und folgsamen Buben und Mädchen ausgehen, die jederzeit durch die Gabe von gesunder und auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmte Schokoprodukte ruhig gestellt und glücklich gemacht werden können.
Schön wär’s! Kinder sind, egal wie lieb man sie hat, oft nervig, laut, unerträglich, nicht zu bändigen und nicht zu bremsen, frech, weder gehorsam noch belehrbar, in der Schule eine Enttäuschung und häufig einfach eine Katastrophe, die man immer wieder mindestens auf den Mond schiessen möchte. Das, und nicht die schönen Märchen und Werbebilder, ist die Realität, mit der Abertausende von Eltern täglich konfrontiert sind. Ritalin ist eine Möglichkeit, damit umzugehen – Kindern in den überreglementierten Wohnsiedlungen und scharf bewachten Edelrasen wieder mehr Raum für Lärm, Bewegung und Wildsein verschaffen, eine andere.
Links:
www.adhs.ch
www.adhs-schweiz.ch
www.sfg-adhs.ch
www.zappelphilipp.de
www.ads-bei-erwachsenen.de
Bild: © Andreas Reuter / PIXELIO