Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Religion

Osterwunder – Osterplunder

Markus Kellenberger | Dienstag, 26.04.2011

„Urbi et Orbi“ wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und hoffe, dass Sie mit meinem apostolischen Segen glücklich werden. Selbstverständlich weiss ich, dass man sich über Religion und den Papst nicht lustig machen soll, aber diesbezüglich halte ich es wie Otto Waalkes, der mir mit dem Vers

„Lieber Gott, gib doch zu, dass ich klüger bin als du.
Und nun nimm doch endlich hin, dass ich was Besonderes bin.

So, nun preise meinen Namen, denn sonst setzt es etwas. Amen.“

viel tiefer aus der Seele sprach, als jene, die von der Kanzel herab noch tiefer in meine Seele predigen wollten.

Diesbezüglich bin ich innerlich teflonbeschichtet, und das verdanke ich meiner Grossmutter, die mich in früher Kindheit gerne in die damals in gewissen Christenkreisen so populären Zeltmissionen mitschleppte. Mit Genuss erinnere ich mich heute noch an einen hageren Prediger, der mit vor Gotteslust rollenden Augen von seinen Erlebnissen in Afrika mit den dort hausenden „wilden Negern“ berichtete; mit welcher Inbrunst er erzählte, wie er den Medizinmann eines heidnischen Stammes mitten im gottverlassenen Busch von der „Kraft des einzig wahren Schöpfers, Herrn und Meister“ überzeugte, „worauf alle Negerlein vor Ehrfurcht erfüllt auf die Knie sanken“.

Grossmutter gab mir am Ende der eindrücklichen Vorstellung einen Fünfliber in die Hand (damals ein Heidengeld, um im richtigen Terminus zu bleiben), mit der Aufforderung, diesen in den kreisenden Klingelbeutel zu werfen. Als kleiner Teufelskerl habe ich das geschickt vorzutäuschen verstanden – und den Fünfliber später im Kaufhaus in drei Ritterfiguren umgesetzt. Dafür werde ich dereinst wohl in der Hölle schmoren müssen, doch die Tatsache, dass einer der drei Figuren ein Kreuzritter war, wird von Luzifer als mildernder Umstand gewertet werden müssen – sonst hetzte ich ihm die Hölle in Form moralabstinenter Anwälte (und davon gibt es mehr als genug) an den Hals.

Aber was wollte ich Ihnen mit dieser Geschichte nun eigentlich tiefschürfendes sagen? Ach ja! Urbi et Orbi nochmals  – und schauen Sie, dass Sie im Verlauf der Woche Ihren Cholesterinspiegel wieder in den Griff bekommen!

Fotos: roblisameehan / flickr / cc, Sergey Gabdurakhmanov / flickr / cc

1 Kommentar(e) Tags (Stichworte): AfrikaGrossmutterKanzelKreuzritterOsternPapstReligionSeeleSegenUrbi_et_Orbi

Macht die Burka zum Mode-Hit

Markus Kellenberger | Freitag, 07.05.2010

Mal ehrlich, wann sind Sie zuletzt einer Frau mit Burka begegnet? Im Urlaub? An der Migros-Kasse? In der Badi? Meine letzte Begegnung liegt fast ein Jahr zurück und fand im Zürcher HB statt. Ein bisschen perplex starrte ich dort in das voll vergitterte Gesicht einer Frau (davon gehe ich aus) - und das war's dann schon.

Heute weiss ich, dass hinter (oder unter) dem Kleid mit grösster Wahrscheinlichkeit eine dieser wenigen Konvertitinnen gesteckt haben muss, die überall auf der Welt - und egal in welcher Religion - immer gern einen Hang zum Extremen zeigen.Aber konkret: Wir sprechen da von etwa 100 oder 150 Frauen in der Schweiz, die sich die Burka mehr oder weniger freiwillig überwerfen. Zum Vergleich: In Schweizer Frauenhäusern leben mindestens zehn Mal mehr Frauen, die vor ihren gewalttätigen Männern geflüchtet sind. In der Regel ohne Burka, dafür mit vielen blauen Flecken. Was ist nun wohl das dringlichere Problem?

Ich finde, wir sollten die Burka als neue Möglichkeit der Selbstverwirklichung entdecken und begrüssen. Die Modebranche hat es noch immer geschafft, jede Form von äusserlich zur Schau getragenem Protest oder Widerstand gegen die herrschende Gesellschaftsordnung weidlich auszunutzen. Ich erinnere an die Kommerzialisierung der Hippies, der Punks, der Skater, Hip-Hopper etc. So wurde noch jede Jugend- oder Protestbewegung erfolgreich gebodigt - und das erst noch mit Gewinn.

Man stelle sich dieses Konzept nun für die Burka vor. Schon im Sommer, so schwebt mir vor, tauchen in unseren Boutiquen die ersten Haut-Couture-Burkas auf. Edle Stücke mit wertvollen Applikationen aus Damast und Brokat, von Lagerfeld, Gucci und Dior. Bald darauf im grösseren Stil die gehobenen Prêt-à-porter-Kollektionen von Dolce & Gabbana, Hugo Boss Woman und eventuell auch Laura Ashley für die Freundinnen des Country-Styles.

Und schliesslich - und das wäre dann der endgültige Durchbruch - bei Manor, Coop, Migros und Vögele die Burkas für die breite Masse. Luftige Farben, gestreift, gepunktet, geblümt, fusslang, knöchellang, knielang, für den Aufriss die knapp gehaltene Mini-Version, und als chicer Abendbegleiter die seitlich raffiniert hochgeschlitzte Burka im Satinlook. Frauenwünschen und Männerphantasien sowie den Möglichkeiten für passende Accessoires sind hier keine Grenzen gesetzt. Ich bin sicher: Das würde nicht nur die Burka-Diskussion überflüssig machen, sondern auch noch die Welt revolutionieren - und Sie, lieber Leser, wüssten schon, was Sie Ihrer Frau zum Geburtstag schenken könnten. Ob die verehrte Gattin daran dann aber auch Freude haben würde - inschallah!

Bild: AfghanistanMatters / FLICKR / CC

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Gott kennt mich - und Er hat ein Handy

Markus Kellenberger | Freitag, 24.04.2009

«Eine persönliche Begegnung mit Gott!» Die aussergewöhnliche Botschaft auf dem grossen Plakat am Trottoirrand spricht mich in ihrer Einfachheit an. Ja! Warum nicht? Man soll Neuem gegenüber schliesslich offen sein, pflege ich meinen Jungs regelmässig einzutrichtern. Also trete ich näher an das Plakat heran, auf dem eine adrette junge Dame seelig in ihren Laptop schaut, was mir sehr sympathisch ist. Fundamentale Islamisten erreichen diesen Gesichtsausdruck erst, wenn sie sich einen Sprengstoffgürtel umschnallen - fundamentalen Christen genügt dafür ein Blick in den Bildschirm. Das erleichtert vieles.

«Schreibe BRIEF an 5555 und Du bekommst von Gott eine Botschaft». So oder ähnlich steht es in kleinerer Schrift unter «Eine persönliche Begegnung mit Gott». Das mich milde stimmende Frühlingswetter lässt mich tatsächlich zum Handy greifen. Das will ich ausprobieren, denke ich, tippe BRIEF und schicke das Wort auch gleich an 5555. Ob sich mein Leben nun endlich zum Besseren wendet?

Nur knappe zehn Sekunden später erhalte ich tatsächlich eine Antwort. Von Gott persönlich! Gute Güte, hat der Kerl einen teuflisch schnellen Daumen!

«Stell Dir vor: Ich kenne dich», lese ich da zu meinem nicht geringen Erstaunen. Und weiter: «Deine Träume, Ängste, Freuden und Fragen sind mir vertraut. Hey, du bist kein Zufall! Ich liebe dich und möchte dich trösten, ermutigen und stärken. Ich höre dir zu. Willst du mir begegnen? Ich freue mich auf dich!

Dein Gott.»

Wow! Es ist, als hörte ich Engel singen. Alle meine Zweifel sind endlich ausgeräumt, beseitigt. Es gibt Ihn wirklich! Er hat mir geschrieben. Der Beweis für Seine Existenz ist auf meinem Handy gespeichert. Der nächste Schritt, ihn kennen zu lernen, wäre nun, seine Website zu besuchen. Mein Gott, denke ich, da hat der Himmel aber IT-mässig mächtig aufgerüstet, und das erst noch wireless, denn Glasfaserkabel in der Stratosphäre wären bestimmt aufgefallen.

Die Hölle übrigens ist noch lange nicht soweit, das kann ich Ihnen an dieser Stelle versichern. Als moderner Mensch und als kritischer Konsument (auch von göttlichen Botschaften) habe ich nämlich sofort eine Konkurrenzofferte eingeholt und BRIEF auch an 666 gesendet und festgestellt: Der Teufel geht die ihm zur Verfügung stehende Unendlichkeit viel lockerer an als Gott. Der Gehörnte hat mir sein Angebot noch nicht geschickt.

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Gott, Blut und die Kirche im Dorf

Markus Kellenberger | Freitag, 17.10.2008

Eine Frau sitzt allein in ihrem engen Zimmer. Ihre Seele brennt vor Sehnsucht nach dem einen einzigen Mann, für den sie alles gibt, durchs Feuer geht, dem sie ihr Leben widmet. Das schmerzende Herz pocht unerträglich, unaufhörlich. Der Mann, dem die einsame Frau so nahe sein will, ist so fern, dass nur strenge Exerzitien das heisse Verlangen wenigstens vorübergehend mildern können.

Hart und unnachgiebig, dabei wohl keuchend und stöhnend, geisselt die Frau ihr eigenes Fleisch. Mit Ruten, mit Stacheln kasteit sie es, vielleicht auch mit einem straff um den Oberschenkel gebundenen Bussgürtel straft sie ihre eigene Lust, sucht sie Nähe zum so unerreichbar scheinenden Geliebten, hofft, ihn beeindrucken und gnädig stimmen zu können. Ihr Blut tropft und besprenkelt auch die Wände ihrer Zelle, ist Beweis ihres Leidens und ihrer Herzensstärke, wie einige ihrer Mitschwestern, Zeit- und Augenzeugen ehrfürchtig bezeugen.

Keine Ahnung, was für eine Diagnose die moderne Psychiatrie heute einer solchen Person ausstellen und welche Therapie sie empfehlen würde. Ich weiss nur, dass die katholische Kirche Schwester Bernarda heilig gesprochen hat … und mich schaudert's.

Und dann schaudert's mich noch mehr, wenn ich daran denke, dass dieselbe Kirche Priester aus ihrem Kreis ausschliesst, die fleischliche Kasteiungen satt haben und eine Frau heiraten während diejenigen Kollegen, die Kinder schänden  in ein anderes Dorf versetzt werden.

Sagen Sie mir: Was soll ich davon nur halten?

Bild: PD

5 Kommentar(e) Tags (Stichworte): BernardaGottKircheReligion

Welchen Gott meinst Du?

Markus Kellenberger | Freitag, 29.02.2008

«Glaubst Du an Gott», fragte mich kürzlich und völlig überraschend eine mir nicht näher bekannte Person. Nach kurzem Überlegen stellte ich eine Gegenfrage: «Welchen Gott meinst Du?».

In letzter Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass man bei religiösen Dialogen nicht vorsichtig genug sein kann, denn schnell einmal ist ein Gott oder eine Glaubensgemeinschaft beleidigt, wenn sie nicht die erhoffte Antwort bekommt. Schliesslich, und das kann man durchaus so sehen, leben wir zur Zeit in einer Welt, auf der sich viele Götter tummeln. Zugegeben, ich bin in Gottesfragen kein Fachmann, wüsste schon gar nicht, welchen ich wählen sollte. Allein schon im christlichen Kulturkreis ist die Auswahl schon fast unübersichtlich. Den katholischen, den reformierten, den orthodoxen Gott – und falls einer der drei in Frage kommt, eher den Gott mit konservativerer Ausrichtung oder einen, der auch Frauen als Priester zulässt? Vielleicht aber auch jenen der Zeugen Jehovas, den der Methodisten, der Mormonen oder doch den der Wiedertäufer. Eventuell aber auch den Gott, den die amerikanischen TV-Prediger loben? Mir schwirrt da der Kopf, ganz abgesehen davon, dass es neben der christlichen unter anderem auch noch die islamische Welt gibt, die nicht besser, respektive nicht weniger vielfältig zersplittert ist.

Ja. Ich weiss. Letztendlich – das sagen die Menschen aller Glaubenrichtungen dann irgendwann einmal alle – geht es bei all dieser Vielfalt immer nur um den einzig wahren Gott. Man kann sich damit einverstanden erklären, aber dann wird bald einmal die Frage aufgeworfen, ob man in der richtigen Form an den einzig wahren Gott glaubt, die heiligen Schriften (will heissen, die richtige einzige wahre Schrift!) richtig (will heissen auf die einzig wahre Art und Weise!) interpretiert und man den Schöpfer mit den richtigen (will heissen mit den einzig wahren!) Ritualen ehrt, usw. usw.

Und dann komme ich rasch zur Einsicht: Über religiöse Fragen diskutiere ich nicht. Und an welchen Gott ich glaube, dass geht nur mich und ihn (oder sie) etwas an.

Bild: © Sarah C. / PIXELIO

2 Kommentar(e) Tags (Stichworte): GlaubeGottReligion


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