Mein Leben ist wieder im Lot. 39,6 Prozent von Euch meinen, dass Haare und Männer zusammen gehören. Teilrasierte (nur Brusthaare 15,1 Prozent, nur Schamhaare 7,5 Prozent) finden relativ wenig Zustimmung. Ein Ausgewogenes Resultat kam dafür bei zwei anderen Abstimmungsfragen heraus: 18,9 Prozent finden haarige Männer scheusslich, und ebenso viele halten an Brust und Scham rasierte Macker für „anmächelig“. Diese beiden Resultate dürfen vermutlich mit gutem Gewissen zusammengezählt werden, da sich bei diesen beiden Gruppen der Abstimmenden gewiss eine grosse Schnittmenge ausmachen lässt, womit in etwa gleich viele Abstimmende Haare sowohl in Ordnung als auch abstossend finden.
Dieses interessante Ergebnis schreit geradezu nach einem Praxistest, also habe ich Brust- und Schamhaare wegrasiert – und das Resultat ausgiebig im Spiegel bewundert. Pas mal! Anschliessend habe ich mich sommergerecht in schicke Klamotten (T-Shirt, kurze Hosen, Heilandsandalen) gestürzt, und mich – jetzt kommt das Experiment - gezielt an einen Ort begeben, wo mit Garantie viele Leute sind. In diesem Fall war das die Migros, weil es dort gerade 5-fache Cumuluspunkte gab.
Elegant, weil von der Last zu vieler Haare befreit, bewegte ich mich langsam zwischen Regalen und Menschen, beobachtete genau und stellte fest: Niemand bemerkte etwas. Zwar suchte überraschend eine junge Verkäuferin das Gespräch mit mir, doch das lag, wie ich mit leiser Enttäuschung feststellen musste, nicht an meiner angesagt heissen Körperrasur, sondern einzig nur daran, weil ich vergessen hatte, die Äpfel abzuwägen. Vielleicht sollte ich das nächste Mal besser an einen Nacktbadestrand gehen.
Wie dem auch sei. Die Werbung und die Werbestrategen versuchen täglich, uns Glauben zu machen, dass dieses, eines oder jenes unbedingt zu unserem Alltag, zu unserem „Lifestyle“ gehören muss; dass man ohne dieses, eines oder jenes völlig out und von der Rolle und überhaupt ein langweiliger alter Sack ist – und dass man nur dieses, eines oder jenes kaufen und/oder tun muss (am allerbesten in Kombination mit Konsum), um wieder voll dabei, jugendlich, modern, in und begehrt zu sein. Mit diesem simplen Trick verkaufen sie uns unnötige Dinge wie Nasenhaarrasierer
oder Gucci-Sonnenbrillen.
Darum meine Frage an Euch: Wie sehr lasst Ihr Euch von der Werbung beeinflussen und Euch Euer Konsumverhalten und Euren Lifestyle aufschwatzen? Um ehrliche Antworten wird gebeten.
Bild: © Rupert Illek / PIXELIO