Ein Wochenende mit einem Pubertierenden – das wünsche ich niemandem. Mein geliebter Sohn Nummer Eins ist voll drauf, und wir, seine ihn liebenden Eltern, sind voll unten durch. Dass es uns so hart trifft, hätte ich dem süssen Baby, das er einmal war, nie angesehen. Wie lustig er strampelte, wenn ich ihn wickelte. Wie tränenrührend er seine Ärmchen streckte, wenn seine Füsslein nicht mehr mochten. Wie glänzend seine Äuglein schauten, wenn ich ihn tätschelte und lobte. Und jetzt: „Lass mich in Ruhe! Fass mich nicht an! Du bist der Letzte – und das ist noch das Harmloseste, was ich Dir sage!“
Mein Gott! War ich auch so? So unerträglich eklig? So alles verachtend? Die Eltern ablehnend? Alles wollend ohne etwas dazu beizutragen? Den Kühlschrank leerfressend (und die leeren Packungen zerknüllt hinterlassend)? Die Kleider stündlich wechselnd und die kaum angetragenen überall verstreuend? Das Zimmer ein sondermüllbelastetes Notstandsgebiet. Die Schulhefte in einem Zustand, der auf einen vorbeigezogenen Wirbelsturm hindeutet? Das Bad stundenlang blockierend? Den kleinen Bruder permanent terrorisierend? Schulleistung verweigernd?
Und wissen Sie, was das Schlimmste daran ist? Geplagt von ständiger Provokation durch einen rumlümmelnden und ständig motzenden 14-Jährigen verliere ich tatsächlich manchmal komplett die Nerven, zelebriere dann das Brüllen des hilflosen Erziehers, gleiche in diesen tristen Momenten penetrant meinem eigenen Vater, schäme mich im Anschluss daran abgrundtief - und wünsche mir trotzdem nichts mehr, als den geliebten Sohn für die nächsten paar Jahre einem möglichst strengen Internat übergeben zu dürfen.
a) Kennen Sie eines?
b) Bin ich deswegen ein Rabenvater?
Fotos: Adrien.Pâris. / flickr / cc, Allie Caulflield / flickr / cc