Verschiedene Leserbriefschreiber bitten um Verständnis für China, das von den «bösen Tibetern» in Verruf gebracht wird. In einer etwas älteren Illustrierten las ich, dass sogar der Schweizer Olympiasieger Donghua Li sich dafür hergibt und um Verständnis für seine alte Heimat bittet.
Nun, China mobilisiert. Einige der bei uns auf der Redaktion eingetroffenen Leserbriefe klingen nicht nur wie ausge-klügeltes Propagandamaterial, nein, sie sind in vielen Text-passagen sogar völlig identisch, will heissen, sie wurden von irgendeiner Behörde oder Organisation vorgedruckt und zur Verbreitung empfohlen. Dagegen habe ich grundsätzlich nichts, das machen Parteien in unserem Land genau so. Was mich vielmehr stört, ist die Wortwahl, denn um Verständnis zu bitten ist gleichbedeutend mit der Bitte um Verzeihung und Nachsicht. Und dafür habe ich kein Verständnis.
Man kann mich bitten, China zu Verstehen, will heissen, zu begreifen, welche Probleme dieses alte mächtige Reich erschüttern und wie es versucht, damit umzugehen. Man kann mich ebenfalls bitten zu verstehen, was Abzocker, Mörder, Pädophile, Verbrecher, Schläger, Säufer, Diktatoren und Nachläufer antreibt. Aber Verständnis werde ich für solche Menschen und für von solchen Menschen geprägte Systeme nie aufbringen – auch nicht für China. Verstehen Sie mich?
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