Beiträge und Artikel mit dem Tag (Stichwort): Problem

Heureka

Andres Jordi | Dienstag, 03.08.2010

Nein, ich lag nicht wie Archimedes in der Badewanne, in der ihm eine Erleuchtung Auftrieb verlieh, als sich die meinige manifestierte. Trotzdem meine ich, für ein Problem, dass mich seit einiger Zeit umtreibt, eine physikalische Lösung gefunden zu haben. Ich fragte mich nämlich des Öfteren, wieso eigentlich Worte, Worte, Worte, die wir an dieser Stelle hier jeweils schonungslos direkt und schnörkellos gerade in den Internetäther auswerfen, die Adressaten – Sie, geschätzte Kommentatoren und Mitbloggerinnen – oft so spärlich erreichen. Oder in der Umkehrung: Warum erreicht Ihr, wie ich annehme, vielstimmiges Echo auf unser Rufe, über das, was unsere Welt bewegt, unsere Ohren oder Augen so selten?

Es ist ein Problem der Relativität von Bewegung und Perspektive, ist mir plötzlich aufgegangen, und hat mit der Erdrotation zu tun: Wir haben Sie im Visier, wenn wir unsere Worte gradewegs losschicken und bedenken nicht, dass Sie sich in der Zwischenzeit – infolge der Erdrotation – bewegen und unsere Botschaften deshalb ins Leere fliegen, dorthin wo Sie einmal waren und nicht mehr sind. Aus Ihrer Warte betrachtet fliegen unsere Worte nicht in direkter Linie zu Ihnen, sondern verlaufen in gekrümmter Bahn – weg von Ihnen. Und das nehmen Sie wahrscheinlich persönlich.

Physikalisch gesehen steckt dahinter die so genannte Coriolis-Kraft. Das habe ich jetzt verstanden. Und drum kommt's nicht an – nicht wir bei Ihnen und nicht Sie bei uns. Vielleicht sollten wir anders miteinander kommunizieren.

Fotos: Sanne Roemen / flickr / cc, aturkus / flickr / cc


Mein Schwanz gehört mir!

Markus Kellenberger | Freitag, 24.10.2008

"Schwanz" und "Tanz" reimt sich geradezu perfekt. Das wird sich auch Maggie Tapert gedacht haben, die kürzlich in Zürich die Aktion "Fit im Schritt" (auch so ein Brüllvers) über die Bühne, respektive übers Pflaster gehen liess.

Ziel der Aktion: Uns armen gebeutelten und völlig verunsicherten Männern ein bisschen Selbstvertrauen in Bezug auf unser bestes Stück zurück zu geben.

Grund der Aktion: Männer mit Potenzproblemen warten durchschnittlich zwei Jahre, bis sie sich getrauen, zum Arzt zu gehen - das hat eine Umfrage des Pharmaunternehmens Eli Lilly ergeben.

Oje! Da machen sich die richtigen zwei Sorgen um unsereins. Auf der einen Seite der arme "Machsteifdamiterewigkann-Pillen-Hersteller", der eben wegen unseriöser Werbepraktiken eine Strafe und gleich noch einen Milliardenverlust einstecken musste - und auf der anderen Seite die geschäftstüchtige und ewig feuchte Hohepriesterin der Lust, die im Internet ihre vielfältig eindeutigen Dienste prostituiert, pardon, wollte sagen anbietet. Und die gleich auch noch in rührend aufklärerischer Weise die postkoitale Diskussion lancieren will, ob man(n) seinem "Schwanz" in aller Öffentlichkeit einfach "Schwanz" sagen darf - aus Sicht der besorgten Orgasmustante ein weiteres echtes Männerproblem.

Nun, liebe Maggie und liebe Eli: Leute und Konzerne wie Ihr zwei seid es, die uns Männern Probleme bereiten, nicht unsere Unlust oder unsere Partnerinnen. Ihr und Euresgleichen, die mir täglich per Mail unaufgefordert dutzende von Potenzpillenangeboten schicken, die mir ständig weismachen wollen, dass es "unnatürlich", ja geradezu "krank", "besorgniserregend", "unmännlich" und überhaupt "abnorm" sei, wenn ich mal ein paar Tage lang nicht will. Nicht zu wollen ist natürlich - ständig zu müssen ist unnatürlich.

Tammisiech noch mal! Es ist, damit das deutlich gesagt ist, mein Recht als Mann und Mensch, nicht jederzeit und überall vögeln zu wollen und zu können. Es ist mein Recht als gesunder und gegen die Fünfzig zugehender Herr, einfach mal den "Schwanz hängen lassen zu dürfen" und "anstelle von" einfach neben meiner Partnerin liegend ein gutes Buch zu lesen, vielleicht auch ein bisschen zu kuscheln - und mehr nicht. Und darum rufe ich Euch Pillenverkäufern voll männlichen Stolzes zu: DAS IST NICHT KRANK! DAS IST NORMAL!

Und damit Sie, Frau Tapert, nicht die einzige sind, die mit lustigen Verslein à la "Fit im Schritt" glänzt, habe ich extra für Sie auch einen kurzen Reim gedichtet: "LASS MICH IN RUH - DU GEILE KUH!"



Natürlich im Februar 2012


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